FAZ 04.10.2026
08:30 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Analyse widerspricht Putin: Russland verliert mehr Gebiete als es gewinnt


US-Denkfabrik: Putins Behauptungen „wie Halluzinationen“ +++ Regierungspartei siegt klar bei Parlamentswahl in Lettland +++ Moldau meldet Einschläge von russischen Drohnen +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Analyse widerspricht Putin: Russland verliert mehr Gebiete als es gewinnt

Drohnenalarm in Kiew während Besuch des KanzlersWährend des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag in Kiew ist den Behörden zufolge eine Brücke in der ukrainischen Hauptstadt von mindestens einer russischen Drohne angegriffen worden. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, teilte auf Telegram mit, „die Straße der Nordbrücke“ sei getroffen worden und „Rettungsdienste sind auf dem Weg“. Er hatte bereits am frühen Morgen von einem Drohnenalarm berichtet. Trümmer eines abgeschossenen Flugobjekts seien auf das Dach eines Wohnhauses gefallen. Merz war am Morgen trotz neuer Warnungen aus Moskau zu einem Besuch in Kiew eingetroffen.Das russische Außenministerium hatte Ausländer und Diplomaten am Samstag vor Besuchen in Kiew gewarnt und zum Verlassen der Stadt aufgerufen. Jeder, der die Warnung missachte, setze sich einer „tödlichen Gefahr“ durch „massive“ russische Luftangriffe aus. Auch andere Teile der Ukraine lösten Luftalarm wegen russischer Angriffe aus. In dem Gebiet Sumy im Nordosten der Ukraine meldeten die Behörden fünf Verletzte nach einem Angriff mit einer russischen Gleitbombe. Sie sei in ein Wohnhaus eingeschlagen.Mehr zum Besuch des Kanzlers in Kiew lesen Sie hier: 

Lettland: Regierungspartei siegt klar bei Parlamentswahl Bei der Parlamentswahl im EU- und Nato-Land Lettland hat sich das Wahlbündnis Vereinigte Liste des pro-ukrainischen Ministerpräsidenten Andris Kulbergs überraschend klar durchgesetzt. Mit 35,4 Prozent der Stimmen geht die Mitte-Rechts-Gruppierung als haushoher Sieger aus der Abstimmung hervor, wie die Daten der Wahlkommission in Riga nach Auszählung der Angaben von 94 Prozent aller Wahllokale zeigten. Damit konnte die Partei ihr Ergebnis im Vergleich zur vorigen Wahl mehr als verdreifachen.Starke Zugewinne bei der von Sorgen über die nationale Sicherheit und sozialpolitischen Problemen dominierten Wahl verzeichneten auch populistische Kräfte. Zweistärkste Kraft wird die Partei Lettland an erster Stelle (13,2 Prozent) vor Souveräne Macht (11,8 Prozent). Beiden dürften besonders bei Wählerinnen und Wählern aus der russischstämmigen Minderheit gepunktet haben. Dahinter folgen die linksgerichteten Progressiven (7,4 Prozent).Zentrale Themen im Wahlkampf des an Russland und dessen Verbündeten Belarus grenzenden Baltenstaats waren Sicherheit und Verteidigung. Darüber hinaus spielten auch sozialpolitische und wirtschaftliche Themen eine große Rolle im Wahlkampf. Da Lettland massiv in seine Sicherheit investiert, fehlt das Geld an anderer Stelle. Das Gesundheitssystem leidet, Abwanderung und Überalterung sind ein Problem. Viele Menschen klagen über hohe Preise und niedrige Gehälter, und die Wirtschaft stockt.

Kanzler Merz in Kiew eingetroffenZum zweiten Mal in seiner Amtszeit besucht der Kanzler Kiew: Der Besuch ist ein entscheidendes Puzzlestück einer diplomatischen Choreografie der Bundesregierung in den vergangenen Wochen.

Prognose: Bündnis von Lettlands Ministerpräsident bei Wahl in Führung Bei der Parlamentswahl in Lettland ist das ​Bündnis des pro-ukrainischen Ministerpräsidenten Andris Kulbergs Prognosen zufolge in Führung. In ersten Nachwahlbefragungen des öffentlich-rechtlichen Senders LSM vom Samstag kam die zentristische „Vereinte Liste“ von Kulbergs auf 35,6 Prozent der Stimmen. Auf dem ‌zweiten Platz folgt mit 11,3 Prozent die Partei „Lettland Zuerst“. Diese hatte im Vorfeld der Abstimmung um die Unterstützung der russischen ‌Minderheit im Land geworben. ‌Für die Prognose waren knapp 6500 Wähler nach ihrer Stimmabgabe befragt worden. Die Ergebnisse sind aber mit Vorsicht zu genießen: Die Nachwahlbefragung hatte sich bei vergangenen Wahlen nicht immer als zuverlässig erwiesen. Erste offizielle Wahlresultate wurden für Sonntag erwartet.Die Wahl war von der Sorge vor einer möglichen russischen Aggression geprägt. Die baltischen Staaten warnen seit Monaten davor, dass ​Russland hybride Angriffe sowie Sabotageakte ⁠in Europa verübe, um den Rückhalt für die Ukraine zu schwächen und Angst zu schüren. Die ‌Regierung in Moskau weist die Vorwürfe aus dem Baltikum als unbegründet zurück.Ministerpräsident Kulbergs hatte bei seiner Stimmabgabe in der ⁠Hauptstadt Riga die ⁠sicherheitspolitische Bedeutung der Wahl betont. „Wir dürfen nicht das schwächste Glied sein. ⁠Wir ​müssen stark sein“, ⁠sagte der Regierungschef. Die gesamte ​Ostflanke müsse Einigkeit zeigen. „Das ist es, was wir ‌anstreben. Wir sind die Außengrenze Europas, die stark sein muss.“

Ein Toter nach russischem Angriff auf Frachter im Hafen von OdessaNach einem russischen Angriff auf einen Frachter im Hafen der ukrainischen Küstenstadt Odessa ist ein Besatzungsmitglied getötet worden. Drei weitere Matrosen wurden bei dem Angriff verletzt, wie die Hafenbehörden auf Telegram mitteilten. 13 weitere Mitglieder der Besatzung des unter liberianischer Flagge fahrenden Frachters wurden demnach an einen sicheren Ort evakuiert. Der Angriff wurde als weiterer gezielter Angriff Russlands auf die zivile Schifffahrt verurteilt. Zur Nationalität der Opfer wurden keine Angaben gemacht. Das russische Militär behauptete unterdessen, einen mit militärischen Gütern beladenen Frachter in Odessa angegriffen und beschädigt zu haben. 

Russland warnt Diplomaten vor weiteren Angriffen auf KiewRussland hat Ausländer und Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen in Kiew abermals aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt angesichts bevorstehender neuer Angriffe zu verlassen. Eine vorherige Warnung sei nicht von allen befolgt worden, teilte das Außenministerium in Moskau am Samstag mit. Damit sei jeder, der bleibe, einer „tödlichen Gefahr“ durch „massive russische Vergeltungsschläge“ ausgesetzt.

Moldau meldet Einschläge von russischen DrohnenRussische Drohnen sind nach offiziellen Angaben auf moldauischem Staatsgebiet eingeschlagen. „Fünf russische Luftangriffswaffen, darunter Banderol-Raketen und Drohnen, haben unseren Luftraum verletzt und sind auf unserem Boden explodiert“, schrieb die moldauische Präsidentin Maia Sandu auf der Plattform X. Nach Armeeangaben waren Explosionen in Ortschaften im südöstlichen Teil Moldaus zu hören. Zu möglichen Opfern oder Schäden gab es keine Angaben. Im angrenzenden südukrainischen Odessa gab es zu den genannten Zeiten allerdings keinen Luftalarm.Moldau hat mittlerweile den russischen Botschafter einbestellt. Das Außenministerium habe Moskau aufgefordert, derartige Vorfälle zu verhindern, hieß es in einer Mitteilung. Präsidentin Sandu erklärte, die Vorfälle zeigten, dass der Krieg Russlands in der Ukraine „Moldau erreicht“. „Moskau bringt in ganz Europa Menschenleben in Gefahr und muss gestoppt werden“, erklärte sie.

Russland greift auch zweite Dnipro-Brücke in Kiew anRussland hat in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auch die Nordbrücke über den Dnipro mit Jetdrohnen attackiert. Nach offiziellen Angaben wurde die Brücke am frühen Samstagmorgen getroffen. Beschädigt wurden demnach die Fahrbahn und die Oberleitung der Trolleybusse. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, die Brücke sei nun für den ⁠Verkehr gesperrt. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.Am Donnerstag und Freitag traf Russland bei seinen Angriffen mit Jetdrohnen die Kiewer Südbrücke über den Dnipro. Dabei wurden neben der Fahrbahn für Autos auch der U-Bahn-Bereich und ein Brückenpfeiler beschädigt. Nach ukrainischen Berichten ist die Südbrücke weiterhin gesperrt. Viele Einwohner der ukrainischen Hauptstadt leben östlich des Flusses und pendeln zur Arbeit auf die Westseite. Auch am Samstag kam es nach dem Angriff auf die Nordbrücke zu Staus.Russland setzt in seinen Angriffen auf die Ukraine immer stärker auf Jetdrohnen. Modelle des Typus „Geran 4“ und „Geran 5“ erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometern. Sie sind damit deutlich schneller als propellerbetriebene Drohnen. Der ukrainischen Flugabwehr gelingt ein Abschuss in vielen Fällen nicht. Früher konnte die Ukraine 90 Prozent der russischen Drohnen abfangen, im September waren es nur noch 55 Prozent.Warum Russland in seinem Krieg nun besonders die ukrainischen Großstädte ins Visier nimmt, lesen Sie hier:

Kallas spricht mit Leo XIV. über den UkrainekriegDie EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ist am Freitag zu einem Gespräch mit Papst Leo XIV. in Rom zusammengekommen. Themen waren laut Kallas der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Lage im Nahen Osten und dringende humanitäre Bedürfnisse sowie die Gefahren einer gesellschaftlichen Polarisierung und der Künstlichen Intelligenz.Wie Kallas weiter über den Online-Dienst Bluesky mitteilte, dankte sie dem Papst für dessen Eintreten für internationales Recht, Multilateralismus und seine „klare Stimme zur Verteidigung der Menschenwürde“.Leo XIV. hatte am Montag bei einem Besuch im französischen Metz für ein geeintes und friedliches Europa geworben und zugleich vor einem Verfall der regelbasierten internationalen Ordnung gewarnt. Europa könne dieser Abwärtsspirale ein Ende setzen, sagte der Papst. Dabei hob er den Pluralismus innerhalb der EU hervor und nannte Völkerrecht und Multilateralismus als geeignete Mittel, um Konflikte aus Vormachtstreben zu unterbinden.

Für Ende der Getreideblockade: Wadephul fordert mehr Druck auf Russland Außenminister Johann Wadephul (CDU) fordert mehr Druck auf Russland für ein Ende der Blockade der ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer.  Man müsse dafür sorgen, „dass Europa hier lauter wird bei diesem Thema, und zweitens, dass die Staaten des Globalen Südens hier auch noch klarer ihre Interessen formulieren“, sagte Wadephul am Freitag nach Gesprächen im Vatikan. „Ich glaube, dann gibt es eine ernsthafte Chance, noch zu einer Lösung zu kommen“. „Die Zeit drängt, der Hunger naht bedauerlicherweise“, sagte der Außenminister. Das Getreide drohe zu verderben, „und das dürfen wir nicht geschehen lassen“, so Wadephul weiter. „Es wäre eine weitere völlig unnötige Katastrophe. Und deswegen werde ich nicht müde werden, dieses Thema weiter zu bearbeiten.“Wadephul hatte sich mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der Nummer zwei im Vatikan, und dem Außenbeauftragten, Erzbischof Paul Gallagher, zu Gesprächen getroffen. Auch in seinem Gespräch mit seinem russischen Außenminister Sergej Lawrow am vergangenen Samstag am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York hatte Wadephul über das Thema drohender Hungersnöte gesprochen. Greifbare Ergebnisse brachte das damalige Treffen nicht.Schon am Donnerstag hatte Wadephul eine „partielle Waffenruhe“ für den Getreideexport gefordert. Die Beziehungen zum globalen Süden könne Russland eigentlich nicht aufs Spiel setzen wollen. „Ich glaube daher, das Problem der Getreideexporte kann gelöst werden\", sagte der Außenminister dem Portal Web.de.

Putin: Ukrainische Angriffe kosten Russland ein Prozent des BIPRusslands Herrscher Wladimir Putin hat zugegeben, dass die Ukraine mit ihren gezielten Angriffen auf die Ölindustrie in Russland der russischen Wirtschaft schadet. In seiner Rede auf dem jährlichen „Waldai“-Forum bezeichnete er das als Ziel der ukrainischen Kriegsführung. „Wurde das Ziel erreicht? Teilweise “, sagte Putin in seiner Ansprache am Donnerstag in Moskau. Der Moskauer Kriegsherr sagte, die ukrainischen Angriffe auf russische Ölanlagen hätten zum Verlust von rund einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts Russlands geführt.Im September mussten aufgrund ukrainischer Drohnenangriffe mehrere Raffinerien in Russland ihre Produktion einstellen oder stark drosseln. Die Internationale Energieagentur verzeichnete schon in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 durchschnittlich alle drei Tage einen erfolgreichen Angriff auf eine russische Raffinerie.Als Reaktion auf die ukrainischen Gegenangriffe kündigte Putin an, Ziele in der Ukraine anzugreifen, die seiner Einschätzung nach für die ukrainische Wirtschaft von Bedeutung sind. Putin lehnte in seiner Rede auch den Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ab, die gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen einzustellen.

Bürgermeister: Russische Luftangriffe treffen erneut Brücke in KiewRussische ⁠Luftangriffe haben nach ukrainischen Angaben erneut die Südbrücke in Kiew getroffen. Dies teilt der Bürgermeister Witali Klitschko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Bereits ‌am Vortag hatten russische Drohnenangriffe auf eine Schule und die Brücke über den Fluss Dnipro Brände in der Hauptstadt ausgelöst.

Ukraine bemüht sich um Beilegung des Streits mit SüdkoreaDie Ukraine arbeitet ‌ukrainischen Medienberichten zufolge an der Beilegung eines diplomatischen Streits mit Südkorea. Der Auslöser ‌für die ‌Unstimmigkeiten zwischen den Ländern war die öffentliche Bekanntgabe der Übergabe von zwei kriegsgefangenen ​nordkoreanischen Soldaten an Südkorea ⁠durch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Das südkoreanische Präsidialamt fordert ​eine Entschuldigung und pocht auf eine ⁠vereinbarte Geheimhaltung der ‌Aktion. „Ich möchte dies nicht als Zwischenfall bezeichnen. Sagen wir, es ist ⁠ein diplomatisches Missverständnis“, sagt ⁠Außenminister Andrij Sybiha einem Bericht des ⁠Nachrichtenportals ​nv.ua ⁠zufolge. Er hoffe, dass die ​Situation in naher Zukunft ‌gelöst werde. Nordkorea unterstützt Russland im Krieg ​gegen die Ukraine ​mit Tausenden Soldaten.

Putin will Donbass in weniger als anderthalb Jahren erobernKremlchef Wladimir Putin hat die komplette Eroberung des ukrainischen Donbass-Gebiets in weniger als anderthalb Jahren angekündigt. Zugleich gehe er davon aus, „dass dies angesichts des Vormarsches unserer Truppen viel früher geschehen wird“, sagte Putin beim internationalen Waldai-Diskussionsforum in Moskau. Demnach verbleiben aktuell etwa elf Prozent der Region unter ukrainischer Kontrolle. Er warf zudem Kiew vor, sinnlos Menschen für den Kampf um das ukrainische Staatsgebiet zu opfern. „Wenn der Verlust dieser Gebiete unvermeidlich ist, macht es dann Sinn, daran festzuhalten und dafür Menschen, ihre Sicherheit und ihr Leben zu opfern?“, fragte der Präsident.Putin hatte in der Vergangenheit immer wieder ukrainische Orte wie Swjatohirsk oder Kupjansk für erobert erklärt, die weiterhin zum Teil recht deutlich unter ukrainischer Kontrolle stehen. Zuletzt hatten ukrainische Einheiten im Donezker Gebiet bei Lyman sogar Geländegewinne erzielt und Dutzende Quadratkilometer zurückgeholt. Von festungsartig ausgebauten Städten wie Slowjansk und Kramatorsk sind russische Truppen noch mehr als ein Dutzend Kilometer entfernt. Die Frontlinie ist an vielen Abschnitten seit mehreren Monaten weitgehend unverändert.