FAZ 24.05.2026
11:30 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: ARD-Studio in Kiew massiv beschädigt


Massive russische Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew +++ Tote und Verletzte +++ Moskau bestätigt Einsatz einer Oreschnik-Mittelstreckenrakete +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: ARD-Studio in Kiew massiv beschädigt

Kritik an der Zerstörung des ARD-StudiosDer Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die teilweise Zerstörung des Kiewer ARD-Studios durch einen großangelegten russischen Raketenangriff in der Nacht auf Sonntag scharf verurteilt. „Das war ein Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten für die ARD über den brutalen Krieg“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster am Sonntag in Berlin. Die Schäden entstanden laut ARD-Angaben möglicherweise durch eine Druckwelle. 

Bundesregierung verurteilt russischen Einsatz von Oreschnik-Rakete Bundeskanzler Friedrich Merz hat die massiven russischen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew scharf verurteilt. „Die Bundesregierung verurteilt diese rücksichtslose Eskalation scharf. Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine“, schrieb der CDU-Politiker auf der Plattform X mit Blick auf den Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik.Ähnlich äußerte sich Außenminister Johann Wadephul. „Russlands Raketenterror ist schockierend. Der Einsatz einer Oreschnik ist eine weitere Eskalation.“ Es bestärke ihn darin, die beim NATO-Außenministertreffen gemachten Vorschläge konsequent weiterzuverfolgen. Nur eine starke Ukraine werde den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Einlenken bewegen können. Wadephul hatte nach Angaben des Auswärtigen Amts bei dem Treffen im schwedischen Helsingborg mit seinen Kollegen über zusätzliche finanzielle Hilfen für die Ukraine diskutiert. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron äußert sich auf X und verurteilt ‌den Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ‌und den Einsatz der Hyperschall-Rakete. Dies bedeute eine Eskalation und zeige die Sackgasse des russischen Angriffskrieges auf. Er bekräftigt zudem die Unterstützung Frankreichs für die Ukraine.

Kallas: „nukleares Säbelrasseln“ Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland wegen ⁠der jüngsten Raketenangriffe auf die Ukraine „nukleares Säbelrasseln“ vor. Der mutmaßliche Einsatz von Mittelstreckenraketen des Typs Oreschnik, die für atomare Sprengköpfe ausgelegt sind, sei eine politische Einschüchterungstaktik, schreibt Kallas auf ‌X. Russland terrorisiere die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren, weil das Land auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse stecke.

Moskau bestätigt Einsatz der Oreschnik-RaketeRussland hat die Ukraine nach eigenen Angaben mit vier verschiedenen Raketentypen angegriffen. Zum Einsatz kamen die Systeme Oreschnik, Iskander, Kinschal und ‌Zirkon, meldet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Angriffe hätten sich demnach gegen militärische Kommandozentralen, Luftwaffenstützpunkte und Rüstungsbetriebe gerichtet ‌und sind dem Ministerium ‌zufolge alle erfolgreich verlaufen. Es handele sich um eine Vergeltung für ukrainische Angriffe auf zivile Ziele. Das ukrainische Militär weist die ​Vorwürfe zurück und erklärt, es habe ⁠eine russische Drohnen-Kommandoeinheit ins Visier genommen. 

Russische Angriffe in der Ukraine: Polen aktiviert LuftabwehrNach den russischen Angriffen auf die Ukraine ist die polnische Luftwaffe ‌im ‌eigenen Luftraum im Einsatz. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte ​die Armee ⁠mit. In Polen kommt es bei größeren Angriffen in der Ukraine immer wieder zur Alarmierung der Luftabwehr, manchmal steigen dabei auch Kampflugzeuge von NATO-Partnern auf. 

Mehrere Tote nach massiven russischen Luftangriffen auf die UkraineNach den massiven russischen Angriffen auf Kiew ist die Zahl der Toten in der ukrainischen Hauptstadt und der umliegenden Region auf vier gestiegen. Wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntag mitteilte, wurden in der Hauptstadt zwei Tote und 56 Verletzte verzeichnet. In der umliegenden Region Kiew gab es nach Angaben von Verwaltungschef Mykola Kalaschnyk zwei Tote und neun Verletzte.Russland hatte Kiew in der Nacht mit umfangreichen Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. Die ganze Nacht über waren immer wieder laute Explosionen zu hören. Wie die ukrainische Luftwaffe am Sonntagmorgen mitteilte, hatte Russland die Ukraine mit insgesamt 600 Drohnen und 90 Raketen angegriffen. 549 Drohnen und 55 Raketen konnten demnach abgefangen werden.Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, setzte Russland auch seine neuartige Oreschnik-Rakete ein. Selenskyj schrieb in Onlinediensten, drei russische Raketen hätten eine Wasserversorgungsanlage getroffen, ein Markt sei niedergebrannt, dutzende Wohnhäuser und mehrere Schulen seien beschädigt worden und bei einem Angriff auf die zentralukrainische Stadt Bila Zerkwa habe Russland auch seine Oreschnik-Rakete eingesetzt. „Sie sind wirklich geistesgestört“, schrieb Selenskyj.Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometern Entfernung erreichen kann. Laut Präsident Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme „unmöglich“, die Rakete abzufangen.Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Russland habe „einen der größten Terrorangriffe auf Kiew“ seit Kriegsbeginn verübt. Verletzte gab es auch in anderen ukrainischen Regionen: Die Region Tscherkassy meldete elf Verletzte und die Region Dnipropetrowsk sieben. 

Nach Kiews Drohnenangriff auf Wohnheim 21 Tote geborgen Nach dem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim einer Berufsschule im russisch besetzten Gebiet Luhansk ist die Zahl der Toten laut Behörden auf 21 gestiegen. Es seien weitere Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in der Stadt Starobilsk gezogen worden, teilte das russische Zivilschutzministerium mit. Die Bergungsarbeiten seien abgeschlossen. Die Behörden hatten die Zahl der Toten nach dem Angriff am Freitag immer wieder erhöht. Es gab demnach nach letzten Angaben auch 42 Verletzte. Die Behörden setzten für Sonntag und Montag Trauer an. Die Opfer waren nach offiziellen Angaben zwischen 14 und 18 Jahren alt. Kremlchef Wladimir Putin hatte dem ukrainischen Militär einen „Terrorakt“ vorgeworfen. 

Drohne in Lettland nahe belarussischer Grenze abgestürztIn Lettland ist eine Drohne abgestürzt und explodiert. Das Fluggerät stürzte am Samstag in den Dridza-See in der Gemeinde Kraslava nahe der Grenze zu Belarus und detonierte beim Aufprall, wie die Polizei mitteilte. Anwohner alarmierten die Beamten.Nach Armeeangaben war die Drohne nicht von den Radarsystemen erfasst worden, weshalb keine Warnung an die Bevölkerung ausgegeben wurde. Die wegen eines vorherigen Drohnenvorfalls zurückgetretene und noch geschäftsführend amtierende Regierungschefin Evika Silina bestätigte den Vorfall im Onlinedienst X und erklärte, sie warte auf „möglichst detaillierte Informationen“.Derartige Vorfälle hatte es in den vergangenen Monaten häufiger gegeben, seit die Ukraine die Angriffe auf Ziele in der nahegelegenen russischen Region St. Petersburg intensiviert hatte. Am Mittwoch hatte es wegen einer Drohne erstmals Luftalarm in Litauens Hauptstadt Vilnius gegeben. Die Staats- und Regierungsspitzen wurden in Schutzräume gebracht, die Bevölkerung wurde aufgerufen, Zuflucht in Kellern oder Garagen zu suchen.

Selenskyj warnt vor Angriff mit Oreschnik-RaketeDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach den jüngsten Angriffen Kiews auf russische Ziele einen Vergeltungsschlag Russlands mit der weitreichenden Rakete Oreschnik. Sie wird von Moskau als neuartiges Waffensystem bezeichnet, kann konventionelle oder nukleare Sprengköpfe tragen und gilt als schwer abzuwehren. „Unsere Nachrichtendienste haben Berichte über eingegangene Daten erhalten, einschließlich von amerikanischen und europäischen Partnern, wonach Russland einen Schlag mit der Oreschnik-Rakete vorbereitet“, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. Die Hauptstadt Kiew ist demnach auch in Gefahr.Die US‑Botschaft in Kiew warnt vor einem möglicherweise kurz bevorstehenden schweren russischen Luftangriff auf die gesamte Ukraine. Nach ihren Informationen könne „jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden“ ein bedeutsamer Angriff erfolgen – die Warnung gelte landesweit. Russland hat die ballistische Rakete bereits zweimal in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Attrappen oder konventionellen Sprengköpfen eingesetzt – einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes und zuletzt im Januar in der Westukraine. Die Oreschnik kann mit mehreren Gefechtsköpfen ausgestattet werden und fliegt in einer hohen Geschwindigkeit. Dies stellt selbst für moderne Luftverteidigungssysteme eine Herausforderung dar. Fachleute und die Ukraine gehen jedoch davon aus, dass die angeblich neue russische Rakete gar nicht so neu ist. Demnach hat Moskau ältere Waffen modifiziert und der Rakete einen neuen Namen gegeben. Selenskyj warnte vor einem möglichen kombinierten russischen Angriff mit verschiedenen Waffentypen. „Es ist wichtig, ab heute Abend verantwortungsvoll auf Luftalarme zu reagieren“, appellierte er an seine Landsleute. „Der russische Wahnsinn kennt wirklich keine Grenzen, schützen Sie daher Ihr Leben – nutzen Sie Schutzbunker.“Mehr über die Oreschnik lesen Sie hier:

Berlin hält an EU-Fahrplan für Ukraine fest Deutschland beharrt auf ​dem vorgestellten Fahrplan für einen EU-Beitritt der Ukraine. „Unser Vorschlag dient dazu, die notwendige Debatte zu eröffnen“, hieß es laut der Nachrichtenagentur Reuters in Regierungskreisen. Jetzt sei eine ehrliche Auseinandersetzung nötig. „In der ⁠Substanz geht es jetzt vor allem darum, die Verhandlungskapitel zu eröffnen. Insofern besteht eine hohe Übereinstimmung mit den Vorstellungen des ukrainischen Präsidenten.“ Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen deutschen Vorschlag für eine „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft als ungerecht abgelehnt.

Ukraine meldet Angriff auf russisches Öl-Terminal am Schwarzen Meer Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben das russische Öl-Terminal Schescharis – eines der größten am Schwarzen Meer – sowie das nahegelegene Öllager Gruschowa angegriffen. Der ⁠nächtliche Angriff habe ein Feuer in dem Terminal ausgelöst, teilte der ukrainische Generalstab über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem sei der Tanker Chrysalis im Schwarzen Meer getroffen worden. 

Wieder Drohne in Lettland abgestürztIm Südosten des EU- und NATO-Mitglieds Lettland ist eine Drohne nahe der Grenze zu Belarus abgestürzt. Das unbemannte Fluggerät sei auf dem Dridza-See in der Gemeinde Kraslava niedergegangen und beim Aufprall auf die Wasseroberfläche explodiert, teilte die lettische Polizei mit. Bei dem Vorfall sei niemand, über den die Behörden von Anwohnern informiert worden seien, sei niemand verletzt worden. Zur Herkunft und Art des Flugkörpers wurden zunächst keine Angaben gemacht.Nach Angaben der Polizei waren Trümmerteile am Absturzort zu sehen. Einsatzkräfte und das Militär seien vor Ort, um den Vorfall zu untersuchen. Die noch amtierende Regierungschefin Evika Silina schrieb auf der Plattform X, dass sie mit den zuständigen Stellen in Kontakt stehe und nähere Informationen erwarte. Sie rief die Bevölkerung dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu befolgen.

Ukraine greift russische Chemiefabrik anDie ukrainische Armee greift nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj eine große Chemiefabrik in der russischen Region Perm ⁠an. Die Produktion bei Metafrax Chemical in der rund 1700 Kilometer von der Grenze entfernten Region sei nach dem Angriff eingestellt worden. Das Werk liefere wichtige Komponenten für die russische Rüstungsindustrie, darunter für Drohnen, Raketentriebwerke und Sprengstoffe.Unterdessen traf eine russische Drohne einen ‌Trauerzug am Rande der nordostukrainischen Stadt Sumy. Dabei wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Ihor Kaltschenko ein Mensch getötet, neun weitere wurden schwer verletzt. Lokalen Medienberichten zufolge traf eine gelenkte Angriffsdrohne die Straße in der Nähe eines Busses. Sumy liegt rund ‌30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. 

Selenskyj lehnt Pläne für „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft ab Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt einen deutschen Vorschlag für eine „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft seines Landes ab. Dies sei ungerecht, ‌da die Ukraine damit kein Stimmrecht in der Europäischen Union erhielte, schreibt Selenskyj in einem Brief an die EU-Spitze. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die Deutsche Presse-Agentur, denen der ‌Brief nach eigenen Angaben vorliegt. Der Erweiterungsprozess brauche viel zu lange, Europa müsse sich schneller bewegen und die Ukraine nicht in einem Warteraum halten, bis es die volle Mitgliedschaft gebe, betonte Selenskyj demnach. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vorgeschlagen, der Ukraine als Zwischenschritt eine Teilnahme an EU-Treffen ohne Stimmrecht zu erlauben. Dies solle ein Abkommen zur Beendigung ​des Krieges erleichtern.Selenskyj betont ⁠in seinem Schreiben, nach der Abwahl des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im vergangenen Monat sei ​der Weg für echte Fortschritte bei den Beitrittsverhandlungen frei. „Wir verteidigen Europa – ⁠und zwar vollständig, nicht ‌nur teilweise und nicht mit halben Sachen.“ Die Ukraine verdiene daher eine faire Behandlung und gleiche Rechte, so Selenskyj.