FAZ 20.03.2026
08:53 Uhr

Liveblog Irankrieg: Reiche kritisiert mögliche Lockerung von US-Sanktionen


Amerikanischer Vorstoß: Handelsbeschränkungen für iranisches Öl aufweichen +++ Trump beklagt mangelnde Unterstützung von der NATO +++ Bericht: US-Kampfflugzeug wohl von iranischem Beschuss getroffen +++  alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Reiche kritisiert mögliche Lockerung von US-Sanktionen

„Auf gar keinen Fall“: Schröder begrüßt Linie von Merz in Iran-KriegAltkanzler Gerhard Schröder (SPD) begrüßt die Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), den USA eine militärische Unterstützung im Iran-Krieg zu verweigern. „Das kann man nicht machen, auf gar keinen Fall“, sagte Schröder der „Süddeutschen Zeitung“ zu der Frage, ob sich Deutschland an einer militärischen Intervention beteiligen solle, um wieder einen Öltransport durch die von Iran blockierte Straße von Hormus zu ermöglichen.„Was die Amerikaner und die Israelis da tun, das finde ich zum Verzweifeln. Das ist im Grunde ein Krieg, der auch aus ideologischen Gründen geführt wird, den man nicht wirklich gewinnen kann, und der mich sehr an den Vietnamkrieg erinnert“, sagte Schröder. Die Festigkeit des Machtapparats im Iran sei unterschätzt worden.Schröder hatte 2003 als sozialdemokratischer Kanzler Nein zu einer deutschen Beteiligung an der US-Invasion im Irak gesagt. Die Amerikaner hatten damals eine „Koalition der Willigen“ gebildet, der sich auch einige europäische Bündnispartner anschlossen, darunter Großbritannien und Spanien. Deutschland und Frankreich lehnten die Militärmission ab.

Teile von Ölraffinerie in Kuwait nach Drohnenangriff abgeschaltetIn Kuwait sind nach Drohnenangriffen Teile einer Ölraffinerie abgeschaltet worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) berichtete, wurde die Ölraffinerie Mina al-Ahmadi am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) Ziel mehrerer Drohnenangriffe. Dabei sei in einigen Anlagen der Raffinerie Feuer ausgebrochen.Ersten Informationen zufolge gibt es keine Verletzten oder Tote infolge der Angriffe. KPC erklärte demnach weiter, dass Feuerwehr und Rettungskräfte sofort mit den Löscharbeiten begannen und mehrere Anlagen der Raffinerie abgeschaltet wurden. Die Raffinerie war erst am Donnerstag getroffen worden, dabei kam es nach KPC-Angaben zu einem begrenzten Brand. Die Anlage gehört zu den wichtigsten Ölraffinerien des Landes und auch der Golfregion.

Iran: Geheimdienst soll Feinden Sicherheit entziehenDie iranische Führung hat die Mitarbeiter des Geheimdienstes dazu aufgerufen, den „Feinden im In- und Ausland“ die Sicherheit zu entziehen. In einer Mitteilung auf dem X-Profil des neuen obersten Führers, Modschtaba Khamenei, hieß es weiter, nach dem Tod von Geheimdienstchef Ismail Chatib müssten die „übrigen Beamten und Mitarbeiter dieses sensiblen Ministeriums“ diese Lücke ausgleichen. Modschtaba Khamenei ist seit seiner Ernennung zum neuen Religionsführer am 8. März nicht öffentlich in Erscheinung getreten – weder mit einer Audio- noch mit einer Videobotschaft. Laut Aussage der US-Regierung ist er verletzt. Nähere Informationen gibt es bislang nicht. Geheimdienstminister Chatib wurde nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff in der Nacht zum Mittwoch getötet.

Sprecher von Irans Revolutionsgarden getötetIm Iran ist der Sprecher der Revolutionsgarden, Ali Mohammad Naini, bei einem Angriff der Vereinigten Staaten und Israels getötet worden. Das ⁠berichtete am Freitagvormittag das staatliche iranische Fernsehen. 

Wirtschaftsministerin Reiche kritisiert mögliche Lockerung von US-SanktionenBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Überlegungen von US-Finanzminister Scott Bessent über eine mögliche Lockerung der Sanktionen für iranisches Öl kritisiert. „Jeder Dollar für Öl aus dem Iran stabilisiert ein Regime, das unseren Werten fundamental entgegensteht“, sagte Reiche der „Bild“-Zeitung. Hintergrund sind Äußerungen Bessents, der die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatte, die Handelsbeschränkungen für rund 140 Millionen Barrel iranisches Öl, die sich derzeit auf See befinden, aufzuheben. Bessent sagte am Donnerstag dem Sender Fox News, bereits auf Tankern befindliches Öl könne von den Strafmaßnahmen ausgenommen werden, um den Ölpreisschock abzumildern. Zudem erwägen die USA nach seinen Angaben, weiteres Öl aus ihren strategischen Reserven freizugeben. Zuvor hatte die US-Regierung bereits Sanktionen auf russisches Öl gelockert. Reiche sagte dazu der „Bild“, es könne „nicht in unserem Interesse sein, durch Lockerung von Ölsanktionen Regimes zu stärken, die für Unterdrückung und Terror im Inneren stehen oder einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nach außen führen“. Jeder Dollar für russisches Öl speise „auch die Kriegskasse“, gleiches gelte für die Stabilisierung der Islamischen Republik in Teheran. Als Konsequenz kündigte die Wirtschaftsministerin an, die deutsche Energiepolitik weiter auf Eigenständigkeit auszurichten. „Deshalb halten wir konsequent Kurs: hin zu mehr Unabhängigkeit, mehr Diversifizierung von Energieimporten und einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien“, sagte Reiche.

Bericht: US-Kampfflugzeug wohl von iranischem Beschuss getroffenEin amerikanisches Tarnkappen-Kampfflugzeug vom Typ F-35 ist US-Medienberichten zufolge von mutmaßlich iranischem Beschuss getroffen worden. Das Flugzeug habe an einem US-Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten notlanden müssen, berichteten am Donnerstag mehrere Medien, darunter die Sender ABC und CNN. Der Sprecher für das Nahost-Kommando Centcom, Tim Hawkins, erklärte, das Flugzeug sei sicher gelandet und der Pilot befinde sich in stabilem Zustand. Hawkins bestätigte die Medienberichte nicht. „Dieser Vorfall wird untersucht“, erklärte er.Die amerikanische Armee hat im bisherigen Verlauf des Iran-Krieges bereits mehrere Flugzeuge verloren. Anfang März waren drei Kampfflugzeuge vom Typ F-15E nach Angaben der US-Armee „versehentlich“ von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen worden. Alle sechs Insassen konnten sich aber per Schleudersitz retten. Mitte März stürzte ein Betankungsflugzeug vom Typ KC-135 über dem Westirak ab. Dabei starben sechs Besatzungsmitglieder. Bislang ist jedoch kein Flugzeug bekannt, das von iranischem Beschuss getroffen wurde.

Golfstaaten melden Raketen- und Drohnenangriffe Mehrere Golfstaaten haben abermals Angriffe auf ihre Territorien gemeldet. Das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate meldete am Freitagmorgen eine „Bedrohung durch Raketen“. Die kuwaitische Armee erklärte, ihre Luftabwehr habe auf „feindliche Raketen- und Drohnenbedrohungen“ reagiert. Das saudiarabische Verteidigungsministerium gab bekannt, seine Streitkräfte hätten sechs Drohnen im Osten des Landes und eine weitere im Norden „abgefangen und zerstört“.Bahrains Innenministerium gab bekannt, Splitter einer „iranischen Aggression“ hätten in einer Lagerhalle ein Feuer ausgelöst. Der Brand sei unter Kontrolle gebracht und niemand verletzt worden. Das Ministerium hatte zuvor erklärt, Luftalarmsirenen seien aktiviert worden.

Qatar: Angriffe verringern Exportkapazität für Flüssigerdgas um 17 ProzentDie Angriffe auf qatarische Energieanlagen werden die Exportkapazitäten des Landes für Flüssigerdgas (LNG) nach Angaben des qatarischen Energieministers um 17 Prozent verringern. „Die Reparatur der Schäden an den LNG-Anlagen wird zwischen drei und fünf Jahren dauern\", erklärte Energieminister Saad Scherida al-Kaabi am Donnerstag. Das werde zu geschätzten Verlusten von 20 Milliarden Dollar (17,3 Milliarden Euro) bei den Jahreseinnahmen führen.Von den ausbleibenden Exporten sind dem qatarischen Energieminister zufolge China, Südkorea, Italien und Belgien betroffen. Aufgrund der Schäden werde die qatarische Regierung in einigen LNG-Verträgen „höhere Gewalt\" erklären müssen. Dieser juristische Begriff besagt, dass Ereignisse außerhalb seiner Kontrolle dazu führen können, dass das Land seine Exportziele verfehlt.

Israel greift abermals Ziele in Iran anIsraels Luftwaffe greift weiter in Iran an. Die Streitkräfte hätten eine neue „Welle“ an Attacken im ganzen Land begonnen, teilte die israelische Armee in der Nacht mit. Ziel sei „Infrastruktur des iranischen Terrorregimes“, hieß es in einer kurzen Mitteilung auf Telegram ohne nähere Einzelheiten. Kurz zuvor hatte Iran gleich mehrere Raketensalven auf Israel abgefeuert. Berichte über Verletzte oder größere Schäden gab es nicht.

Vereinigte Arabische Emirate: Hizbullah-Netzwerk zerschlagenDie Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben nach eigenen ‌Angaben ‌ein von der libanesischen Hizbullah und Iran finanziertes und ​betriebenes Terrornetzwerk ⁠zerschlagen und dessen Mitglieder festgenommen. Dem Netzwerk werden ​Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und die Bedrohung ⁠der nationalen Sicherheit vorgeworfen, ‌meldete die staatliche Nachrichtenagentur. „Das Netzwerk war im Land ⁠unter dem Deckmantel ⁠einer Scheinfirma tätig und ⁠versuchte, ​die Volkswirtschaft ⁠zu unterwandern sowie ​externe Vorhaben auszuführen, die ‌die Finanzstabilität des Landes bedrohten\", berichtete ​die Nachrichtenagentur. 

EU-Gipfel für Angriffs-Stopp auf zivile InfrastrukturVor dem Hintergrund des Irankriegs haben die EU-Gipfelteilnehmer einen vorläufigen Stopp von Angriffen auf zivile Infrastruktur gefordert. Mit Blick auf die UN-Charta und das humanitäre Völkerrecht fordert der Europäische Rat „ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und Wasserversorgungsanlagen“, wie es in der am Donnerstag veröffentlichten Gipfelerklärung heißt. Die Gipfelteilnehmer begrüßten zudem die Ankündigungen von Mitgliedsstaaten, die Straße von Hormus abzusichern, „sobald die Voraussetzungen dafür erfüllt sind“.Der Europäische Rat forderte die Verstärkung der EU-Marinemissionen Aspides und Atalanta, die im Roten Meer und vor der Küste Somalias im Einsatz sind. Dazu sollten „zusätzliche Mittel im Einklang mit ihren jeweiligen Mandaten“ bereitgestellt werden, hieß es. Von einem Einsatz in der Straße von Hormus ist in der Erklärung nicht die Rede. 

USA unterstützen Golfstaaten mit RüstungsexportenDie USA haben Rüstungsexporte im Wert von insgesamt gut 16 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) an zwei Golfstaaten gebilligt, die besonders vom Irankrieg betroffen sind. Kuwait soll nach Angaben des Außenministeriums in Washington Radarsensoren zur Luft- und Raketenabwehr im Wert von rund acht Milliarden Dollar erhalten. An die Vereinigten Arabischen Emirate gehen Rüstungsgüter im Wert von weiteren rund acht Milliarden Dollar.Dazu zählen den Angaben zufolge unter anderem ein Radarsystem gegen ballistische Raketen sowie Munition und Ausrüstung für F-16-Kampfflugzeuge. Iran nimmt seit Beginn der US-israelischen Luftangriffe Ende Februar unter anderem Ziele in den Golfstaaten ins Visier. In Qatar wurde der größte Gaskomplex des Landes in Ras Laffan angegriffen.Eigentlich bedürfen US-Rüstungsexporte der Zustimmung des Kongresses. Außenminister Marco Rubio habe aber festgestellt, dass ein „Notfall vorliegt, der den sofortigen Verkauf“ der Ausrüstung erfordere, erklärte das Ministerium. 

Netanjahu: Haben iranisches Erdgasfeld im Alleingang angegriffen – Irans Urananreicherung am EndeIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte auf einer Pressekonferenz, dass Israel das iranische Erdgasfeld South Pars im Alleingang angegriffen habe. US-Präsident Donald Trump habe Israel darum gebeten, von weiteren derartigen Einsätzen abzusehen, sagt Netanjahu auf der Pressekonferenz. Trump selbst hat erklärt, er habe nichts von dem Angriff gewusst. Israelische Regierungsvertreter, die nicht namentlich genannt werden wollten, hatten der Nachrichtenagentur Reuters dagegen gesagt, der Einsatz sei mit den USA abgesprochen gewesen.Nach Darstellung von Netanjahu ist Iran zudem ist nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern oder ballistische Raketen herzustellen. Es sei noch zu früh, um sagen zu können, ob sich die iranische Bevölkerung gegen die Regierung erheben werde, sagt Netanjahu.