FAZ 07.05.2026
23:55 Uhr

Liveblog Irankrieg: Nach Beschuss von US-Kriegsschiff: USA greifen iranische Ziele an


Trump: Waffenruhe weiterhin „in Kraft“ +++ Wadephul: Streit zwischen Merz und Trump ist „großes Missverständnis“ +++ Irans Präsident hat nach eigener Aussage Obersten Führer getroffen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Nach Beschuss von US-Kriegsschiff: USA greifen iranische Ziele an

„Gaza-Flotille“ sammelt sich in der TürkeiDie sogenannte „Global Sumud Flotilla“ will sich nach Angaben der Organisatoren in den kommenden Tagen im türkischen Hafen Marmaris neu formieren. Mehrere Boote seien bereits in der Bucht der Hafenstadt eingetroffen, weitere Segelboote aus Griechenland und Italien seien auf dem Weg dorthin, teilten die Aktivisten mit. Daten eines Online-Trackers der Initiatoren zeigten zudem am Donnerstag Bewegungen der Boote in Richtung Marmaris.Wann die Aktivisten erneut mit Hilfsgütern von Marmaris aus in Richtung Gazastreifen auslaufen wollen, blieb zunächst unklar. Am 12. Mai solle es weitere Informationen zur „nächsten Phase“ der Aktion geben, hieß es von den Organisatoren.Die israelische Marine hatte vergangene Woche mehr als 20 Schiffe der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern westlich von Kreta abgefangen und nach eigenen Angaben 175 Menschen festgenommen. Griechenland nahm die meisten von ihnen auf und organisierte ihre Rückreise in die Herkunftsländer. Zwei Aktivisten wurden von der israelischen Marine nach Israel gebracht und dort inhaftiert.Mehrere EU-Staaten äußerten Zweifel an der Vereinbarkeit des Stopps in internationalen Gewässern mit dem Völkerrecht. Israel betonte, das Vorgehen gegen die Aktivisten stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. 

Medien: US-Ministerium prüft möglichen InsiderhandelDas US-Justizministerium untersucht Medienberichten zufolge eine Reihe von verdächtigen Transaktionen auf dem Ölmarkt, die kurz vor Ankündigungen von Präsident Donald Trump und anderen Regierungsvertretern getätigt wurden. Dabei gehe es um mindestens vier Geschäfte, bei denen Händler während des Irankriegs mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar (rund 2,2 Mrd Euro) auf fallende Ölpreise gesetzt hätten, berichteten die US-Sender ABC News und NBC News unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Wetten seien jeweils kurz vor neuen Ankündigungen Trumps oder iranischer Regierungsvertreter platziert worden, hieß es. Auch die für Rohstoffgeschäfte zuständige Bundesbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) sei in die Ermittlungen involviert.

Trump: Verhandlungen mit Iran gehen weiterUS-Präsident Donald Trump bestätigt im Gespräch mit Journalisten, dass die USA auch nach den kurzfristigen gegenseitigen Angriffen weiter ‌mit Iran verhandeln. Trump erwähnte auch, dass Pakistan als Vermittler die USA gebeten habe, den als „Project Freedom“ bezeichneten US-Marineeinsatz zur ‌Wiedereröffnung der ‌blockierten Meerenge von Hormus während der Friedensverhandlungen zu unterbrechen.

Trump droht Iran bei ausbleibendem Abkommen mit weiteren AngriffenNach den jüngsten US-Angriffen auf Ziele in Iran fordert Präsident Donald Trump die Islamische Republik erneut auf, schnell eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Ansonsten werde das US-Militär iranische Einheiten in Zukunft noch viel härter und viel gewaltsamer treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Iran werde „von WAHNSINNIGEN angeführt, und hätten sie die Chance, eine Atomwaffe einzusetzen, würden sie es ohne Frage tun – aber diese Gelegenheit werden sie nie bekommen.“

Libanon meldet Tote bei israelischen AngriffenBei israelischen Angriffen im Süden des Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens zwölf Menschen getötet worden. Elf Menschen, darunter zwei Kinder, seien bei Bombenangriffen auf drei Ortschaften in der Region Nabatijah getötet worden, erklärte das Ministerium am Donnerstag. Bei einem Angriff in der Region Maradschajun wurde demnach ein Mitarbeiter eines der pro-iranischen Hizbullah-Miliz nahestehenden Rettungsdiensts getötet.

Trump: Schläge gegen Iran nur „kleiner Denkzettel“US-Präsident Donald Trump bezeichnet die Vergeltungsschläge der USA ‌gegen iranische Ziele als einen „kleinen Denkzettel“. Zugleich betont er in einem Interview mit dem ‌Sender ABC ‌News, dass die Waffenruhe Bestand habe. „Sie ist in Kraft“, sagt Trump und fügt hinzu, dass drei ​US-Zerstörer die Straße von ⁠Hormus unter Beschuss erfolgreich verlassen hätten. Die Schiffe seien nicht ​beschädigt worden, die iranischen Angreifer hätten jedoch schwere ⁠Schäden erlitten.

USA fordern Freilassung von Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi Die USA haben den Iran zur Freilassung der gesundheitlich schwer angeschlagenen inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi aufgefordert. „Wir fordern das iranische Regime auf, sie jetzt freizulassen und ihr die Behandlung zukommen zu lassen, die sie braucht“, erklärte der im US-Außenministerium für Menschenrechte zuständige Riley Barnes am Donnerstag in Onlinemedien und ergänzte: „Die Welt schaut hin.“Unterstützer der 54-jährigen Menschenrechtsaktivistin hatten zuvor gewarnt, Mohammadi könne in Haft sterben. Sie gehen davon aus, dass Mohammadi in den vergangenen Wochen zwei Herzinfarkte erlitten hat.Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. 2023 wurde sie für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im Teheraner Evin-Gefängnis entlassen. Im Dezember 2025 wurde sie in der ostiranischen Stadt Maschhad erneut festgenommen, weil sie bei einer Beerdigung Irans geistliche Führung kritisiert hatte. Im Februar teilte Mohammadis Stiftung mit, ihr Gesundheitszustand sei „äußerst besorgniserregend“.

Iran meldet Explosionen am Persischen GolfInmitten militärischer Spannungen mit den USA haben iranische Medien mehrere Explosionen am Persischen Golf gemeldet. Nahe der Hafenstadt Bandar Abbas an der Südküste seien Explosionsgeräusche zu hören gewesen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Die genaue Ursache dafür sei jedoch unklar. Auch in den sozialen Medien meldeten Bewohner aus den Küstengebieten Explosionen. Auf der Insel Gheschm etwa seien Explosionsgeräusche und Lichter über dem Meer beobachtet worden, berichtete der bekannte Netzaktivist Vahid unter Berufung auf lokale Einwohner. 

CIA-Bericht: Irans Raketenbestände noch erheblich Nach Informationen des Geheimdienstes CIA könnte Iran die amerikanische Seeblockade mindestens drei bis vier Monate durchstehen, bevor das Land dadurch in schwerwiegende wirtschaftliche Schwierigkeiten geriete. Das berichtete die „Washington Post“ am Donnerstag unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der CIA. Dieser soll Entscheidungsträgern der Regierung in dieser Woche vorgelegt worden sein und weckt Zweifel an Teherans Bereitschaft für eine schnelle Einigung mit Washington. Allerdings schreibt die „Washington Post\" unter Berufung auf einen Geheimdienstmitarbeiter, die Blockade füge Iran echten Schaden zu.Die Analyse der CIA kommt offenbar auch zu dem Schluss, Iran verfüge entgegen der Angaben Donald Trumps und seiner Minister trotz intensiver Angriffe weiterhin über erhebliche Fähigkeiten in Bezug auf Raketen. Die Zeitung zitiert einen Beamten mit der Information, Iran verfüge nach wie vor über etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussrampen und etwa 70 Prozent der Vorkriegsbestände an Raketen.

Washington: Gespräche zwischen Israel und Libanon für kommende Woche geplantIsrael und Libanon führen am 14. und 15. Mai Gespräche in Washington. Das kündigte ein ⁠Vertreter des US-Außenministeriums an. Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam hatte am Mittwoch ein baldiges Spitzentreffen von Vertretern beider Staaten abgelehnt. Auf welcher Ebene die Gespräche stattfinden, ist zunächst unklar. Salam fordert vor weiteren Schritten zunächst die Einhaltung der Waffenruhe. US-Präsident Donald Trump ‌dringt auf ein Friedensabkommen der beiden Staaten noch in diesem Jahr. 

Wadephul: Streit zwischen Merz und Trump ist „großes Missverständnis\"Außenminister Johann Wadephul versucht, die Wogen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump zu glätten. „Die Absicht des Kanzlers war es, dem Iran absolut klarzumachen, dass er diesen Weg nicht einschlagen und nicht versuchen sollte, den amerikanischen Präsidenten zu demütigen“, sagte Wadephul (CDU) im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Merz (CDU) hatte in einer Diskussionsrunde mit Schülern die Sorge geäußert, dass die USA in den Verhandlungen mit Iran vom Regime in Teheran vorgeführt würden. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, hatte Merz geäußert.Trump schoss kurz darauf auf seinem Social-Media-Kanal gegen Merz zurück und legte dann mit der Drohung nach, mehr als 5000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen und zusätzliche Strafzölle auf den Import von europäischen Autos einzuführen.„Ich denke, es handelte sich leider um ein großes Missverständnis\", sagte Wadephul im Interview. Die Beziehungen zwischen den NATO-Verbündeten seien trotz der Spannungen weiterhin robust. „Das Bündnis ist stärker als je zuvor“, sagte Wadephul. „Vereint mit neuen Mitgliedern sind wir das erfolgreichste Verteidigungsbündnis der Welt, und wir werden es mit allen Mitteln verteidigen.” 

Klingbeil: Steuereinnahmen brechen auch wegen Irankrieg einDie Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen brechen 2026 um voraussichtlich 17,8 Milliarden Euro ein.  Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) führte die Steuerausfälle vorwiegend auf externe Einflüsse zurück. „Die Ergebnisse zeigen, wie hart uns der Irankrieg wirtschaftlich trifft“, sagte er. „Trumps verantwortungsloser Krieg und der daraus resultierende weltweite Energiepreis-Schock bremsen die positive wirtschaftliche Dynamik vorerst aus.“ Dies führe auch zu geringeren Steuereinnahmen für Bund, Länder und Kommunen, als noch im Herbst angenommen. Laut der am Donnerstag veröffentlichten neuen Steuerschätzung fehlen 6,8 Milliarden Euro durch bereits bekannte Änderungen des Steuerrechts, weitere 11,0 Milliarden Euro gehen auf Abweichungen im Vergleich zur Schätzung vom vergangenen Oktober zurück. Bis 2030 summieren sich die Steuerausfälle demnach auf insgesamt 87,5 Milliarden Euro, darunter Schätzabweichungen von 39,8 Milliarden Euro.Die neue Steuerschätzung habe auch Auswirkung auf den Bundeshaushalt 2027, sagte Klingbeil. Es ergebe sich für kommendes Jahr ein zusätzlicher Konsolidierungsbedarf von einer Milliarde Euro. Der Minister stellte klar, dass der Staat „kein Krisengewinner“ des Irankriegs sei. Im Gegenteil: „Der Irankrieg kostet Deutschland Geld.“

Iranischer Präsident hat Obersten Führer Khamenei getroffenDer iranische Präsident Massud ⁠Peseschkian hat sich nach eigenen Angaben kürzlich mit dem Obersten Führer Modschtaba Khamenei getroffen. Dies berichten staatliche Medien. Es ist der erste öffentliche Bericht über eine Begegnung der beiden, ‌seit Khamenei zu Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran schwer verwundet wurde. Das Treffen sei von einer „bescheidenen und zutiefst herzlichen“ Atmosphäre geprägt gewesen, wird Peseschkian zitiert. 

Israel tötet Hizbullah-Kommandeur in BeirutDas israelische Militär hat nach eigenen Angaben bei ​einem Luftangriff auf Beirut einen Kommandeur der Hizbullah-Elitetruppe Radwan getötet. Es ⁠handelte sich um den ersten israelischen Angriff auf die libanesische Hauptstadt seit der im vergangenen Monat vereinbarten Waffenruhe, wie die Streitkräfte am Donnerstag ‌mitteilten. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten das Vorgehen bereits am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung angekündigt. Von der Hizbullah lag ‌zunächst keine Stellungnahme ‌vor.Die Attacke gefährdet die ohnehin brüchige Feuerpause zwischen den USA und Iran. Eine Kernforderung Irans war dabei ein Stopp der israelischen Militäraktionen ​im Libanon. Ungeachtet der Waffenruhe halten sich ⁠israelische Truppen weiterhin in Gebieten südlich des Litani-Flusses auf. Zudem setzte Israel seine Militärschläge in ​Südlibanon fort. Bei einem Luftschlag auf die Stadt Selaja wurden nach Angaben des libanesischen ⁠Gesundheitsministeriums am Mittwoch ‌vier Menschen getötet. Die Hizbullah feuerte daraufhin erneut Raketen auf Israel ab.Israel hat in Südlibanon eine bis zu zehn Kilometer tiefe Sicherheitszone eingerichtet, um den ⁠Norden des ⁠eigenen Landes vor Raketenbeschuss durch die Hizbullah zu schützen. Parallel führt Israel Gespräche mit ⁠der ​libanesischen ⁠Regierung. Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam ​bezeichnete ein Treffen auf höchster Ebene am Mittwoch ‌allerdings als verfrüht. Zunächst müsse die Waffenruhe gefestigt werden. US-Präsident Donald Trump will ​ein Treffen von Netanjahu mit dem libanesischen ​Präsidenten Joseph Aoun in Washington organisieren.