FAZ 09.05.2026
15:52 Uhr

Liveblog Irankrieg: London entsendet Zerstörer in die Straße von Hormus


Schiff war zuletzt im östlichen Mittelmeer im Einsatz +++ Israel meldet 85 Angriffe auf Hizbullah-Ziele in Libanon +++ Qatars Regierungschef fordert Wiederbelebung von Verhandlungen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: London entsendet Zerstörer in die Straße von Hormus

Iran droht USA im Falle von weiteren Angriffen mit VergeltungIran droht den USA im Falle von weiteren Angriffen auf iranische Handelsschiffe im Persischen Golf mit Vergeltung. Jeder Angriff auf iranische Schiffe werde eine massive Attacke auf eines der US-Zentren in der Region und feindliche Schiffe nach sich ziehen, warnte die Revolutionsgarde laut Staatsmedien. Ob Iran die von US-Präsident Donald Trump erwartete Antwort auf einen US-Friedensvorschlag mittlerweile übergeben hat, ist indes unbekannt. Weder die iranische Seite noch die US-Regierung äußerten sich bislang dazu. Die Revolutionsgarden erklärte weiter, es würden keine Bedrohungen gegen ihre Schiffe oder Störungen ihrer Ölexporte und Handelsrouten geduldet. Die Handelsflotte werde geschützt.

Libanon: Neun Tote durch israelische AngriffeBei Angriffen Israels im Süden des Libanon sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums am Samstag mindestens neun Menschen getötet worden. Unter den Opfern sei ein Mädchen. Bei Angriffen der pro-iranischen Hizbullah-Miliz auf israelische Soldaten wurden nach israelischen Armeeangaben drei Reservisten verletzt. Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit drei Wochen eine Waffenruhe, die von der Hizbullah aber nicht anerkannt wird. Israels Armee hatte am Samstagmorgen ungeachtet der Waffenruhe die Bewohner von neun Dörfern im Süden des Libanon aufgefordert, sich zum Schutz vor geplanten Militärangriffen in Sicherheit zu bringen. „Angesichts des Verstoßes der terroristischen Hizbullah gegen die Waffenruhe-Vereinbarung“ sei die Armee gezwungen, „kraftvoll“ gegen die Hizbullah vorzugehen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher mit. Die Hizbullah erklärte, sie habe als Reaktion auf die anhaltenden israelischen Angriffe Soldaten im Norden Israels mit einer Drohne angegriffen. Zudem nahm die Miliz nach eigenen Angaben israelische Soldaten ins Visier, die im Südlibanon im Einsatz sind. 

Iranisches Parlament tagt aus Sicherheitsgründen onlineDie Plenarsitzung des iranischen Parlaments wird aus Sicherheitsgründen erstmals als Videokonferenz abgehalten. Ein Parlamentssprecher erklärte laut Nachrichtenportal Tabnak, die für Sonntag angesetzte öffentliche Sitzung finde „aufgrund der aktuellen Lage“ online statt. Im Mittelpunkt stünden die jüngsten Preissteigerungen nach dem Krieg, die zu einer zentralen Sorge der Bevölkerung geworden seien, so der Sprecher.Die letzte öffentliche Sitzung des Parlaments hatte Mitte Februar stattgefunden. Nachdem mit Beginn des Kriegs mit den USA und Israel am 28. Februar mehrere iranische Offizielle ermordet worden waren, setzte auch das Parlament aus Sicherheitsgründen seine öffentlichen Sitzungen aus. In dieser Zeit kamen lediglich vereinzelt parlamentarischen Kommissionen zu Beratungen zusammen. 

London entsendet Schiff für Einsatz in Straße von HormusGroßbritannien hat einen Zerstörer für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus entsandt. Die „HMS Dragon“ werde in Position gebracht, um an einer von Großbritannien und Frankreich geführten Mission teilzunehmen, sobald die Feindseligkeiten zwischen Iran und israelisch-amerikanischen Streitkräften enden, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA eine Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London. Das Schiff war zuletzt im östlichen Mittelmeer im Einsatz, nachdem ein britischer Luftwaffenstützpunkt in Zypern von einer Drohne iranischer Bauart getroffen worden war. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor. Derzeit laufen diplomatische Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts.

Bahrain: 41 Festnahmen mit Verbindung zur iranischen RevolutionsgardeBahrain hat nach eigenen Angaben 41 Personen festgenommen, die mit der ‌iranischen ‌Revolutionsgarde in Verbindung stehen sollen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur des Inselstaates im ​Persischen Golf unter ⁠Berufung auf das Innenministerium berichtete, deckten die Sicherheitsbehörden eine entsprechende ​Gruppierung auf. Die Ermittlungen ⁠der Staatsanwaltschaft umfassten zudem ‌Fälle von Sympathiebekundungen für iranische Angriffe.

Israel meldet 85 Angriffe auf Hizbullah-Ziele in Libanon Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben innerhalb von 24 Stunden 85 Ziele der Hizbullah in Libanon angegriffen. Dazu gehörten Waffenlager, Abschussrampen sowie weitere militärische Infrastruktur. Die Armee begründete den Einsatz mit der Abwehr von Bedrohungen für israelische Zivilisten und Soldaten im Südlibanon. In der Bekaa-Ebene sei eine unterirdische Anlage zerstört worden, die von der Hizbullah zur Herstellung von Waffen genutzt worden sein soll, hieß es weiter. Zudem griffen israelische Kräfte Kämpfer die Miliz in Südlibanon an. 

Qatars Regierungschef fordert Wiederbelebung von VerhandlungenDer qatarische Regierungschef Mohammed bin Abdelrahman Al-Thani hat bei einem Treffen mit US-Vizepräsident J.D. Vance in Washington eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Irankriegs gefordert. Al-Thani habe bei dem Treffen betont, dass sich „alle Parteien an den laufenden Vermittlungsbemühungen beteiligen müssen, um den Weg zu ebnen für die Bekämpfung der Ursachen der Krise durch friedliche Mittel und Dialog“, teilte das qatarische Außenministerium am Freitag im Onlinedienst X mit.Ziel sei ein „umfassendes Abkommen, das dauerhaften Frieden in der Region gewährleistet“, sagte al-Thani dem Ministerium zufolge.

Trump erwartet „heute Abend“ iranische Antwort auf US-VorschlagUS-Präsident Donald Trump hat eigenen Angaben zufolge noch am Freitagabend (Ortszeit) mit einer Antwort Irans auf den jüngsten US-Vorschlag für ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs gerechnet. „Ich erhalte angeblich heute Abend einen Brief, also werden wir sehen, wie das läuft“, sagte Trump am Freitag vor dem Weißen Haus zu Journalisten. 

Irans Militär: Gefechte in Straße von Hormus beendet Das iranische Militär hat die Gefechte mit US-Kriegsschiffen in der Straße von Hormus für beendet erklärt. „Nach einer gewissen Zeit gegenseitigen Beschusses sind die Kämpfe derzeit eingestellt und die Lage ruhig“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim eine namentlich nicht genannte militärische Quelle. Eine Bestätigung von US-Seite lag zunächst nicht vor. Nach iranischer Darstellung war der Beschuss eines unbeladenen Öltankers unter iranischer Flagge durch US-Streitkräfte am Mittwoch Auslöser für die jüngste Eskalation. Darauf hatte die iranische Marine demnach auf die „Verletzung der Feuerpause“ reagiert. In der vergangenen Nacht hatten sich die beiden Konfliktparteien gegenseitig angegriffen. Der Iran attackierte US-Militärschiffe, die USA griffen Ziele auf dem iranischen Festland an.In einem weiteren Bericht der Tasnim hieß es, die Marine habe in der vergangenen Nacht bei einem kombinierten Raketen- und Drohneneinsatz US-Schiffe mit acht Marschflugkörpern und 24 Kamikazedrohnen attackiert. Ein Marschflugkörper und drei Drohnen hätten amerikanische Zerstörer getroffen und Brände verursacht. 

Große Einschränkungen an iranischen UniversitätenIm Zuge des Kriegs herrscht an iranischen Universitäten große Unsicherheit über die Zukunft. Irans Wissenschaftsminister sagte am Freitag, es sei immer noch keine Entscheidung über Vorlesungen in Präsenz gefallen. Dies gelte auch für Prüfungen. „Wir haben noch keine Entscheidung darüber getroffen (...) und warten ab, wie sich die Lage entwickeln wird“, sagte Hussein Simaei laut der Nachrichtenagentur Tasnim am Rande einer Gedenkfeier.Die Regierung sei immer noch dabei, die im Krieg bombardierten Universitäten wiederaufzubauen. Dafür seien jedoch erhebliche finanzielle Mittel notwendig. Seit Wochen unterrichten Dozenten an iranischen Hochschulen nur online. Informierten Kreisen zufolge soll es dabei jedoch auch massive Probleme geben. Dazu kommt die Netzsperre, die Irans Bevölkerung vom weltweiten Internet abgeschnitten hat.Studentenverbände beklagten unterdessen anhaltend harte Repressionen nach den inzwischen verstummten Massenprotesten vom Januar. Die Hochschulzeitung „Amir-Kabir“ berichtete am Donnerstag etwa, einem Studenten, der an den Demonstrationen teilgenommen habe, drohe die Hinrichtung. An mehreren Universitäten seien zudem Studenten wegen mutmaßlicher Protestteilnahme exmatrikuliert worden. 

Medien: Möglicher Ölteppich vor iranischer Insel KhargSatellitenbilder deuten auf einen ​möglichen Ölteppich von etwa 45 Quadratkilometern ⁠vor der iranischen Ölinsel Kharg im Persischen Golf hin. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf nicht näher genannte Umweltforscher, dass eine grau-weiße Schliere auf Aufnahmen ‌der europäischen Copernicus-Satelliten vom 6. bis 8. Mai westlich der acht Kilometer langen Insel zu sehen ‌gewesen sei. Die Verschmutzung, etwa so groß wie der Ammersee, stimme demnach vom Aussehen mit einem Ölteppich ​überein. Leon Moreland vom Conflict and Environment Observatory bestätigte diesen Eindruck gegenüber der „Times of Israel\". Die Ursache und ⁠die genaue Herkunft sind Moreland zufolge unbekannt. Die Bilder zeigten keine weitere, aktive Leckagen.

USA: Zwei Tanker unter iranischer Flagge angegriffenDas US-Militär hat nach eigenen Angaben wieder unter iranischer Flagge fahrende, unbeladene Öltanker angegriffen und außer Gefecht gesetzt. Zwei solcher Schiffe hätten versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Von einem US-Kampfflugzeug seien an diesem Freitag Schüsse auf die Schiffe abgefeuert worden, um zu verhindern, dass sie die US-Seeblockade brechen würden, hieß es. Das US-Militär verwies darauf, dass es bereits am Mittwoch einen anderen unbeladenen Öltanker, der unter iranische Flagge fuhr, außer Gefecht gesetzt habe. „Alle drei Schiffe sind nicht mehr auf dem Weg in den Iran“, hieß es. „Die US-Streitkräfte im Nahen Osten setzen sich weiterhin für die vollständige Durchsetzung der Blockade von Schiffen ein, die den Iran anlaufen oder verlassen“, betonte der Centcom-Kommandeur, Admiral Brad Cooper. 

Globales Internet in Iran seit 70 Tagen gesperrtDie Iraner sind inzwischen den 70. Tag in Folge vom Zugang zum globalen Internet ausgeschlossen. Die Sperre halte bereits seit 1656 Stunden an, teilte die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks auf der Plattform X mit. Mit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar hatte die Regierung in Teheran den Zugang zum weltweiten Internet weitgehend gesperrt. Die 90 Millionen Iraner können seitdem nur auf ein eingeschränktes internes Netzwerk zugreifen, in dem lediglich staatlich genehmigte Inhalte zur Verfügung stehen. 

Berichte über Explosionen an iranischer SüdküsteNach nächtlichen Feuergefechten am Persischen Golf haben iranische Medien erneut Explosionen an der Südküste gemeldet. Nahe der Stadt Sirik in der Provinz Hormusgan seien Explosionsgeräusche zu hören gewesen, berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur Mehr. Der Grund dafür war zunächst unklar, wie es in dem Bericht hieß.Zwischen den Kriegsparteien war es in der Nacht zu militärischen Spannungen gekommen. Die USA hatten Ziele auf dem iranischen Festland angegriffen. Iran hatte US-Militärschiffe mit Raketen und Schnellbooten attackiert. Unklar war, welche Kriegspartei zuerst das Feuer eröffnet hatte. Bereits am Mittwoch hatten die USA auf einen iranischen Tanker geschossen und nach eigenen Angaben dessen Ruder getroffen.