FAZ 30.05.2026
06:00 Uhr

Liveblog Irankrieg: Keine Entscheidung bei Iran-Treffen im Weißen Haus


Trump besteht auf die Einhaltung „seiner roten Linien“ +++ Iran widerspricht Trumps Darstellung von Vereinbarungen +++ Vance: Fortschritte bei Verhandlungen mit Iran +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Keine Entscheidung bei Iran-Treffen im Weißen Haus

Libanons Regierungschef wirft Israel „gefährliche Eskalation“ vorDer libanesische Regierungschef Nawaf Salam hat die anhaltenden israelischen Angriffe auf Ziele im Süden des Libanon scharf kritisiert. „Angesichts der gefährlichen und beispiellosen israelischen Eskalation in den vergangenen Tagen ist es notwendig, die politischen und diplomatischen Bemühungen zu verstärken, um eine rasche und echte Waffenruhe zu erreichen“, sagte Salam am Samstag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Er warf Israel vor, eine Strategie „der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe“ zu betreiben, indem die Armee „Städte und Dörfer zerstört und ihre Bewohner zur Flucht zwingt“. Salam verteidigte die seit April laufenden direkten Verhandlungen mit Israel. Ein Erfolg sei dabei zwar „nicht garantiert“, sagte der Regierungschef. „Aber sie sind der am wenigsten kostspielige Weg für unser Land und unser Volk.“

Gespräche zwischen Israel und LibanonAls „produktiv“ hat die amerikanische Regierung die stundenlangen Gespräche israelischer und libanesischer Militärvertreter vom Freitag gelobt. Die Ergebnisse, so hieß es, würden in die politischen Konsultationen in der kommenden Woche einfließen. Es seien vor allem ein technischer Meinungsaustausch gewesen, hieß es aus diplomatischen Quellen. Konkrete Resultate hat die Zusammenkunft allerdings nicht gebracht, denn am Boden sprechen vor allem die Waffen. Der Waffenstillstand, den US-Präsident Donald Trump im April ausgerufen hat, wurde in der Erklärung des Pentagon zu den Militärgesprächen nicht erwähnt. Er existiert auch fast nur noch in der Theorie. Israel und die von Iran gelenkte Hizbullah, die nicht Teil der Vereinbarung ist und die israelisch-libanesischen Gespräche als „Verrat“ ablehnt, setzen ihren Schlagabtausch fort. Auch am Samstag ging die Gewalt nicht zurück. Das israelische Militär hat seine Operationen zuletzt deutlich verstärkt.  Die Luftangriffe wurden ausgeweitet und auch am Boden rücken israelische Truppen immer weiter auf libanesisches Territorium vor. Sie operieren inzwischen weit jenseits der von Israel erklärten „Vorwärtsverteidigungslinie“, die etwa fünf bis zehn Kilometer im Landesinneren Libanons verläuft. 

Hegseth: US-Militär kann Krieg gegen Iran wieder aufnehmenDie USA sind nach Angaben ihres Verteidigungsministers Pete Hegseth „mehr als fähig“, den Krieg gegen Iran wieder aufzunehmen. „Unsere Bestände sind dafür mehr als ausreichend – sowohl vor Ort als auch weltweit“, sagte der Pentagon-Chef am Samstag in Singapur. „Wenn es notwendig ist, können wir wieder starten.“Ihre gute Situation verdankten die US-Streitkräfte „der Art und Weise, wie wir besondere und massenhaft verfügbare Munition miteinander ausbalancieren“, führte Hegseth auf einem Forum zu Verteidigungsfragen in Singapur aus. Derzeit gilt im Irankrieg eine Waffenruhe.

Libanon: Tote bei neuen israelischen AngriffenBei neuen israelischen Angriffen in Libanon sind nach Angaben der Regierung im Süden des Landes mindestens elf Menschen getötet worden. Unter ihnen sei auch ein Angehöriger der Rettungskräfte gewesen, teilte am Freitagabend das Gesundheitsministerium in Beirut mit. Bei den Angriffen an verschiedenen Orten in der Region von Tyrus seien zudem acht Menschen verletzt worden, auch unter ihnen sei ein Mitglied der Rettungsteams.Das libanesische Gesundheitsministerium sprach von einer „schweren Verletzung des Völkerrechts“. In Libanon gilt derzeit eigentlich ein Waffenstillstand, der von der pro-iranischen Hizbullah-Miliz abgelehnt wird. Beide Seiten greifen sich inzwischen wieder täglich an.

Keine Entscheidung bei Iran-Treffen im Weißen HausUS-Präsident Donald Trump will nach Angaben aus dem Weißen Haus nur bei der Erfüllung seiner Grundbedingungen ein Abkommen mit Iran schließen. Trump bestehe auf die Einhaltung „seiner roten Linien“, erklärte ein Vertreter des Weißen Hauses am Freitag nach neuen Beratungen in Washington gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Eine der Grundbedingungen sei, dass Iran „niemals eine Atomwaffe besitzen“ dürfe.Nachdem Trump zuvor eine „endgültige Entscheidung“ zu den Verhandlungen mit Teheran angekündigt hatte, verließ er eine Lagebesprechung im Weißen Haus US-Medienberichten zufolge nach zwei Stunden ohne eine Entscheidung. Seit Tagen wird zwischen den USA und Iran intensiv über ein Abkommen für ein Ende des Irankriegs verhandelt. Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen. Zuletzt war jedoch offen, ob Trump einer von Unterhändlern ausgehandelten Vereinbarung zustimmen wird. Teherans Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, dass Iran und die USA weiterhin Botschaften austauschten. Eine endgültige Einigung sei aber bislang nicht erzielt worden.

Teheran: Vorbereitungen für verschobenes Staatsbegräbnis für KhameneiDrei Monate nach der Tötung von Ayatollah Ali Khamenei am ersten Tag des Krieges haben die Behörden in Iran mit den Vorbereitungen für das zunächst verschobene Staatsbegräbnis begonnen. Es solle ein „grandioses\" Ereignis im Beisein eines „großen Publikums\" werden, kündigte am Freitag im staatlichen Fernsehen der Chef des für die Organisation zuständigen Islamischen Koordinierungsrates, Mohsen Mahmoudi, an. Ein Datum für das Staatsbegräbnis stehe aber noch nicht fest.Nach mehr als 36 Jahren an der Spitze der Islamischen Republik war Khamenei am 28. Februar, dem ersten Tag des Iran-Kriegs, getötet worden. Der oberste Führer Irans starb bei US-israelischen Angriffen. Unmittelbar nach der Tötung von Khamenei hatte die Führung in Teheran ein sofortiges großes Staatsbegräbnis für ihn angekündigt, dieses aber wenige Tage später auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Als Grund wurde dabei nicht auf den Krieg verwiesen, sondern auf den erwarteten großen Andrang bei der Trauerfeier in Teheran. Die Behörden rechneten mit „der Teilnahme von Millionen von Menschen\", sagte Mahmoudi vor drei Monate beim Aufschub der Veranstaltung. Für eine solche Menschenmenge müsse „die entsprechende Infrastruktur\" bereitgestellt werden.

Iran widerspricht Trumps Darstellung von VereinbarungenIran hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, zentrale Vereinbarungen des geplanten Rahmenabkommens zu verzerren oder zu ignorieren. Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars schrieb unter Berufung auf informierte Kreise, Trump versuche, einen vorgetäuschten Erfolg zu inszenieren. Außerdem befinde sich der Vertragsentwurf noch in einer abschließenden Genehmigungsphase.Konkret widerspricht Iran Trumps Aussagen in drei Punkten: Erstens habe Trump ignoriert, dass unmittelbar nach Unterzeichnung zwölf Milliarden Dollar aus eingefrorenen iranischen Auslandskonten freigegeben werden müssten. Ohne diese Freigabe werde Iran in keine weiteren Verhandlungsphasen eintreten. Zweitens enthalte das Abkommen keine Bestimmung zur gebührenfreien Öffnung der Straße von Hormus, hieß es weiter. Drittens weise Iran die Aussage zurück, das angereicherte Uran solle abgebaut oder vernichtet werden – die Absichtserklärung enthalte keine solche Bestimmung.Zudem weist der Iran auf die Forderung eines vollständigen Waffenstillstands in Libanon hin – im Sinne der libanesischen Hizbullah-Miliz. 

Trump will im Situation Room eine „endgültige Entscheidung“ zu Iran treffenUS-Präsident Donald Trump hat eine „endgültige Entscheidung“ zu den Verhandlungen mit Iran angekündigt. Er werde sich dazu jetzt im Lagezentrum (Situation Room) treffen, teilte Trump auf der Plattform Truth Social mit. Der Situation Room ist ein Kommandoraum im Weißen Haus. Dort trifft sich ein US-Präsident traditionell mit Sicherheits-, Militär- und Geheimdienstvertretern. Seit Tagen wird zu einem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran intensiv verhandelt. Berichten zufolge soll eine Einigung kurz bevorstehen. Zuletzt war jedoch offen, ob Trump zustimmen wird. Auch eine Bestätigung der iranischen Führung stand zunächst aus. 

Vance: „Viele Fortschritte\" bei Verhandlungen mit IranDie USA und der Iran nähern sich nach US-Angaben einer Einigung auf eine Verlängerung der Waffenruhe und weitere Verhandlungen. Bezüglich einer Absichtserklärung seien „viele Fortschritte\" gemacht worden, es werde aber noch an einigen Punkten gearbeitet, sagte US-Vizepräsident JD Vance. Ob allerdings Präsident Donald Trump zustimmen wird, sei offen. „Ich glaube, es ist schwer zu sagen, wann genau oder ob der Präsident die Absichtserklärung unterzeichnen wird“, sagte Vance. Die Iraner schienen – zumindest Stand jetzt – in guter Absicht zu verhandeln. „Hoffentlich machen wir weiterhin Fortschritte“, fügte Vance hinzu. Aus Teheran hieß es, eine vorläufige Einigung sei bisher nicht ausformuliert und dementsprechend auch nicht bestätigt. Das meldete die den Revolutionsgarden - Irans Elitestreitmacht – nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine dem Verhandlungsteam nahestehende Quelle. Die „New York Times“ meldete unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute US-Beamte, dass man kurz vor einer Übereinkunft stehe. Diese könne die seit dem 8. April geltende Waffenruhe verlängern, zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus führen und den Weg für substanziellere Gespräche ebnen. 

US-Militär dementiert Abschuss einer US-DrohneDas US-Militär hat iranische Berichte über eine angeblich über dem Persischen Golf abgeschossene US-Drohne dementiert. Die Berichte seien falsch, die US-Luftwaffe habe keine Verluste zu verzeichnen, teilte das zuständige Regionalkommando (Centcom) in der Nacht auf der Plattform X mit. Die den Iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim hatte zuvor unter Berufung auf eine Militärquelle gemeldet, eine Rakete habe eine US-Drohne nahe der südlichen Hafenstadt Buschehr abgeschossen. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. 

Iran: Noch keine Einigung auf RahmenabkommenEine vorläufige Einigung auf ein Rahmenabkommen zum Irankrieg zwischen Teheran und Washington ist nach iranischen Angaben bislang weder fertiggestellt noch bestätigt. Das berichtete die den Revolutionsgarden – Irans Elitestreitmacht – nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim am Abend. Teheran habe den pakistanischen Vermittler nicht darüber informiert, dass der Text fertiggestellt sei.Man werde sowohl den Vermittler als auch die Öffentlichkeit benachrichtigen, sobald er fertiggestellt sei, zitierte Tasnim eine Quelle aus dem Umfeld des Verhandlungsteams. Sie fügte hinzu, dass Berichte westlicher Medien, wonach das Abkommen bereits abgeschlossen sei und nur noch auf Bekanntgabe durch beide Seiten warte, falsch seien.

Unterhändler angeblich einig über Verlängerung der Iran-WaffenruheDie Vereinigten Staaten und Iran sollen sich Medienberichten zufolge auf einen Rahmen für eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage geeinigt haben. Die Vereinbarung müsse aber noch vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump gebilligt werden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf amerikanische Regierungsmitarbeiter. Zuvor hatte bereits das Nachrichtenportal „Axios“ über eine Einigung berichtet.„Axios“ zufolge verständigten sich beide Seiten auf eine Absichtserklärung, mit der die Feuerpause verlängert und Verhandlungen über das iranische Atomprogramm aufgenommen werden sollen. Die Vorabvereinbarung löst demnach die Frage des iranischen Atomprogramms noch nicht, öffnet aber den Weg für vertiefte Gespräche dazu.Der mögliche Fortschritt in den Verhandlungen erfolgt inmitten neuer Spannungen zwischen Washington und Teheran. Nach gegenseitigen Angriffen hatten Iran und die USA einander am Donnerstag mit scharfen Worten die Verletzung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe vorgeworfen. Einen iranischen Angriff auf den Golfstaat Kuwait bezeichnete das US-Regionalkommando Centcom als „eklatanten Verstoß“ gegen die Feuerpause. Zuvor hatten die USA erneut Ziele in Iran beschossen. Die iranischen Revolutionsgarden drohten im Falle weiterer amerikanischer Angriffe mit einer „entschiedenen Antwort“.

Netanjahu plant Ausweitung der Militärkontrolle im Gazastreifen Israel will seine militärische Kontrolle über den Gazastreifen ausweiten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte laut einer von dem Sender Channel 12 mitgeschnittenen Rede, derzeit kontrolliere die Armee 60 Prozent und seine Anweisung laute, auf 70 Prozent zu kommen.Auf den Zwischenruf eines Zuhörers, Israel solle 100 Prozent einnehmen, antwortete Netanjahu laut der Zeitung „Times of Israel“, man gehe „Schritt für Schritt“ vor – zuerst 70 Prozent, damit fange man an.Bei Inkrafttreten der von den USA vermittelten Waffenruhe im Oktober 2025 lag der israelische Kontrollbereich noch bei 53 Prozent der Fläche. Das Palästinensergebiet umfasst eine Fläche von rund 365 Quadratkilometern und ist damit in etwa so groß wie München oder Bremen.

Sorge um TyrosDas libanesische Außenministerium hat die anhaltenden israelischen Angriffe auf die südlibanesische Stadt und UNESCO-Welterbestätte Tyros scharf verurteilt. Die Attacken bedrohten historische Stadtviertel, religiöse Stätten sowie kulturelle Wahrzeichen in einer der ältesten Städte der Region, teilte das Ministerium mit.Außenminister Jussef Radschi verfolge die Entwicklungen „mit großem Schmerz und tiefster Sorge“. Nach Angaben des Ministeriums pflegt er derzeit intensive diplomatische Kontakte mit dem Ziel, ein sofortiges Ende der Angriffe zu erreichen. Die Stadt Tyros im Süden Libanons ist seit 1984 UNESCO-Welterbestätte. Sie zählt zu den bedeutendsten Fundorten phönizischer und römischer Ruinen im Land.