FAZ 12.03.2026
17:12 Uhr

Liveblog Irankrieg: Israel startet neue Angriffswelle auf Beirut


Irans neuer Oberster Führer fordert Rache für Kriegsopfer +++ Iran warnt vor Angriff auf Inseln im Persischen Golf +++ Schweiz schließt Botschaft in Teheran +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Israel startet neue Angriffswelle auf Beirut

Israel greift erneut Ziele im Zentrum Beiruts anDas israelische Militär hat erneut im Herzen der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Über Opfer war zunächst nichts bekannt. Das israelische Militär hatte zuvor einen Evakuierungsaufruf für ein Gebäude im Beiruter Stadtviertel Baschura herausgegeben. Daraufhin wurde das Gebäude zweimal aus der Luft getroffen, wie auf Live-Aufnahmen im libanesischen Fernsehen zu sehen war.Kurze Zeit später rief das israelische Militär auch zur Räumung eines Gebäudes in dem benachbarten Wohnquartier Sokak al-Blat auf. In dem Gebäude befindet sich eine Filiale des Finanzinstituts der Hizbullah. Auch dort griff das israelische Militär Augenzeugen zufolge wenig später an. Beide Wohngegenden sind dicht besiedelt und gehören nicht zum Einflussgebiet der Hizbullah. Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur NNA wurden bei einem Angriff auf die Libanesische Universität der Direktor der naturwissenschaftlichen Fakultät, Hussein Bassi, und auch der Professor Mortada Srour getötet. Das Universitätsgelände liegt am Rand der südlichen Vororte Beiruts. Das israelische Militär teilte mit, die Angelegenheit zu prüfen. Auch in den Vororten selbst griff die israelische Armee nach libanesischen Infos erneut an. „Was heute an der Fakultät für Naturwissenschaften geschehen ist, ist ein Verbrechen, das nach allen Maßstäben zu verurteilen ist“, erklärte der libanesische Präsident Joseph Aoun. Es sei „ein neues Kapitel der gezielten Angriffe auf Zivilisten.“

Rückholung zehntausender Urlauber fast abgeschlossen Nach Ausbruch des Nahost-Kriegs in den Golfstaaten gestrandete ​Pauschalreisende sind nach Angaben des Branchenverbands DRV weitgehend nach Deutschland zurückgekehrt. Bis ⁠auf wenige Ausnahmen seien alle Gäste von Reiseveranstaltern sicher aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Golfstaaten ausgeflogen worden, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) am ‌Donnerstag mit. Mehrere zehntausend Urlaubende seien in den vergangenen Tagen mit regulären Linienflügen sowie mit Sondermaschinen zurückgebracht worden. Die Rückholung sei wegen anhaltender Luftraumsperrungen ‌und stark eingeschränkter Flugverbindungen eine ‌große logistische Herausforderung gewesen, hieß es. 

Israels Armeechef: Libanon-Einsatz „wird nicht kurz sein“Israels Militär bereitet sich nach den Worten von Generalstabschef Ejal Zamir auf eine längere militärische Auseinandersetzung mit der libanesischen Hizbullah-Miliz vor. „Dieser Einsatz wird nicht kurz sein“, sagte Zamir nach einer Lageeinschätzung im Norden Israels. Er kündigte zudem an, zusätzliche Truppen an die israelisch-libanesische Grenze zu verlegen.Die proiranische Schiitenmiliz hatte Anfang der Woche als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei damit begonnen, Raketen auf Ziele in Israel zu feuern. Israel reagiert seitdem mit umfangreichen Luftangriffen in mehreren Teilen des Landes. Zuletzt hat das israelische Militär auch wieder im Zentrum der Hauptstadt Beirut gezielt angegriffen.Zamir betonte, die Hizbullah habe mit ihren Angriffen auf israelische Ziele einen schweren Fehler begangen und werde „weiterhin einen hohen Preis dafür zahlen“. Die libanesische Regierung setze ihre Autorität innerhalb ihres Territoriums nicht durch – „deshalb werden wir es tun“, erklärte Zamir weiter. Verteidigungsminister Israel Katz hatte sich erst kürzlich ähnlich geäußert und Libanon mit der Ausweitung des Einsatzes sowie mit der Einnahme von Gebieten gedroht. Sollte die Regierung in Beirut nicht in der Lage sein, die Hizbullah davon abzuhalten, auf israelische Orte zu feuern, werde Israels Armee „das Gebiet einnehmen und die Sache selbst in die Hand nehmen“, sagte Katz. 

USA: Rund 6.000 Ziele in Iran angegriffen Das US-Militär hat in Iran seit Kriegsbeginn nach eigenen Angaben etwa 6.000 Ziele angegriffen. Auch mehr als 90 Schiffe seien beschädigt oder zerstört worden, darunter mehr als 30 Minenleger, teilte das für die Region zuständige US-Kommando (Centcom) auf X mit. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch erneut nahegelegt, dass der Krieg schon „bald“ enden könne. Es gebe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“, zitierte ihn das US-Nachrichtenportal „Axios“ nach einem Telefoninterview. Der israelische Armeesprecher Effie Defrin erklärte dagegen, dass Israels Militär noch eine umfangreiche Liste an Zielen habe. 

Trump: WM für Iran lebensgefährlich Donald Trump will die Sicherheit der iranischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM im Sommer offenbar nicht garantieren. In seinen jüngsten Post zum Thema auf „Truth Social“ lässt sich eine implizite Drohung hineinlesen: Die Teilnahme Irans sei „nicht angemessen“ – aus Gründen der Gesundheit und der Sicherheit des iranischen Teams. Zuvor hatten iranische Medien berichtet, ein WM-Boykott sei längst noch nicht beschlossene Sache. Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen.

Merz: Keine Hinweise auf erhöhte Gefährdungslage Nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz gibt es keine Hinweise auf eine verstärkte Anschlagsgefahr durch den Irankrieg. „Es gibt im Augenblick keine Erkenntnisse, dass wir hier im Inland von einer erhöhten Gefährdung ausgehen müssten“, sagt Merz beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Man fahre dennoch die Sicherheitskonzepte hoch, überprüfe Schutzmaßnahmen und erhöhe die Präsenz insbesondere für israelische, jüdische und auch ​amerikanische Einrichtungen. 

EU: Gas- und Ölversorgung weiter stabilAuch gut anderthalb Wochen nach Beginn des Irankrieges ist die Versorgung der Europäischen Union mit Öl und Gas nach Angaben aus der EU sichergestellt. Aus den Treffen der jeweiligen EU-Expertengruppen zu beiden Rohstoffen ging einer Sprecherin der EU-Kommission zufolge hervor, dass derzeit keine Sorge um einen Engpass bestehe. Die Situation müsse aber im Blick behalten werden. Beim Gas gehe es vor allem um Preisfragen.Die EU-Länder diskutierten den Angaben zufolge bei dem Treffen der Öl-Expertengruppe die Verständigung der Internationalen Energieagentur IEA, als Reaktion auf den Irankrieg eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Bis zum frühen Abend wollten die EU-Staaten demnach an die Agentur kommunizieren, inwiefern sie sich daran beteiligen. Mit Blick auf die Gasversorgung betonen die Länder der Sprecherin zufolge, es sei noch zu früh, in die Speicherbefüllung einzugreifen.Angesichts hoher Preise hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst angekündigt, die Energiekosten senken zu wollen. Demnach sollen mehrere Preiskomponenten der Energierechnung auf den Prüfstand kommen: Neben den reinen Energiekosten auch die Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie die CO2-Kosten. 

Trump: Hoher Ölpreis gut für die USA Die deutlich gestiegenen Ölpreise sind nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump gut für die USA. „Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt. Wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir viel Geld“, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump hatte im Wahlkampf damit geworben, die Energiepreise im Land deutlich zu senken. Infolge des Kriegs in Iran waren die Benzinpreise in den USA allerdings auf das höchste Niveau seit Sommer 2024 gestiegen.

USA: Noch keine Eskorte durch Straße von Hormus möglichDie USA sind nach Angaben von Energieminister Chris Wright aktuell noch nicht in der Lage, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Die Marine werde das relativ bald tun können, gerade sei das aber noch nicht möglich, sagte Wright dem Sender CNBC. „Wir sind einfach noch nicht bereit.“ Alle militärischen Ressourcen der USA seien aktuell darauf ausgerichtet, die offensiven Fähigkeiten Irans zu zerstören. Er halte es für wahrscheinlich, dass die US-Marine bis Ende des Monats einige Schiffe durch die Meerenge eskortieren könne, sagte Wright.Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist infolge des Kriegs nahezu zum Erliegen gekommen. Die etwa 55 Kilometer breite Meeresenge zwischen Iran und dem Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Monats angeboten, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus – falls notwendig – auch mit der eigenen Marine abzusichern. Mit dem Angebot einer solchen Eskorte versucht seine Regierung auch, globale Märkte zu beruhigen. 

Khamenei: Straße von Hormus bleibt blockiert Irans neuer Oberster Führer Modschtaba Khamenei hat angekündigt, die Straße von Hormus weiter blockieren zu lassen. Die Blockade müsse „unbedingt fortgesetzt werden“, heißt es in seiner ersten schriftlichen Wortmeldung, die am Donnerstag im Staatsfernsehen verlesen wurde. Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer in der Nacht zum Montag ist noch kein aktuelles Foto oder Video von Khamenei veröffentlicht worden. In der ihm zugeschriebenen Erklärung droht er nun mit der „Eröffnung weiterer Fronten, an denen der Feind verwundbar ist und wenig Erfahrung hat“. Dies werde geschehen, wenn der Krieg anhalte. Iran werde „nicht zögern, das Blut seiner Märtyrer zu rächen, insbesondere Verbrechen gegen Kinder wie das vorsätzliche Verbrechen an der Schule in Minab“. Bei einem mutmaßlich amerikanischen Luftschlag auf die Schule waren am ersten Kriegstag laut iranischen Angaben 175 Menschen getötet worden. Khamenei rief die Regierungen in der Region auf, die amerikanischen Militärstützpunkte in ihren Ländern zu schließen. Andernfalls würden diese auch in Zukunft angegriffen. Wahrheitswidrig äu­ßerte er, in den Nachbarländern habe das Regime „lediglich diese Stützpunkte angegriffen“. Iranische Raketen und Drohnen hatten auch Flughäfen, Hotels, Energieanlagen und eine Entsalzungsanlage getroffen. Teheran sei an „konstruktiven Beziehungen“ mit seinen Nachbarländern interessiert, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Israels Militär weitet Evakuierungsbefehl für Libanon aus Das israelische Militär weitet seine Evakuierungsbefehle für den Südlibanon aus. Damit hat sich die betroffene Zone fast verdoppelt. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden aufgefordert, sich in Gebiete nördlich des Flusses Zahrani zu begeben. Ein Militärsprecher veröffentlicht auf der Plattform X eine Karte mit den neuen, rot ​markierten Zonen. Damit hat das israelische Militär nun die Evakuierung von zehn Prozent des libanesischen Staatsgebiets angeordnet. In Libanon sind bereits Hunderttausende Menschen durch die israelischen Angriffe vertrieben worden.  

Frachter deutscher Reederei von Granatsplitter getroffenEin Containerschiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd ist westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen worden. Das teilte Deutschlands größte Containerreederei aus Hamburg auf Anfrage mit. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet. Der Treffer habe dazu geführt, dass auf der „Source Blessing“ ein Feuer ausgebrochen sei. „Die Besatzung an Bord ist wohlauf, konnte das Feuer löschen und die Situation schnell unter Kontrolle bringen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Zu dem Standort des weitervermieteten Schiffs machte die Reederei keine Angabe und verwies auf Sicherheitsgründe. Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine teilte mit, ein Schiff nördlich von Dubai sei von einem Projektil getroffen worden. 

Iran wirft EU „Mittäterschaft“ vor Die Führung in Teheran hat der Europäischen Union „Mittäterschaft“ bei den amerikanisch-israelischen Angriffen vorgeworfen. „Die Gleichgültigkeit und Duldung der Europäischen Union angesichts der Aggressionen, Brutalitäten und Gräueltaten der USA und Israels kommen nichts weniger als einer Mittäterschaft gleich“, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums am Donnerstag im Onlinedienst X.