FAZ 12.03.2026
14:56 Uhr

Liveblog Irankrieg: Irans neuer Oberster Führer fordert Rache für Kriegsopfer


Neuer Oberster Führer fordert Schließung von US-Stützpunkten +++ Iran warnt vor Angriff auf Inseln im Persischen Golf +++ Schweiz schließt Botschaft in Teheran +++ Trump: Iran steht kurz vor der Niederlage +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Irans neuer Oberster Führer fordert Rache für Kriegsopfer

Merz: Keine Hinweise auf erhöhte Gefährdungslage Nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz gibt es keine Hinweise auf eine verstärkte Anschlagsgefahr durch den Irankrieg. „Es gibt im Augenblick keine Erkenntnisse, dass wir hier im Inland von einer erhöhten Gefährdung ausgehen müssten“, sagt Merz beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Man fahre dennoch die Sicherheitskonzepte hoch, überprüfe Schutzmaßnahmen und erhöhe die Präsenz insbesondere für israelische, jüdische und auch ​amerikanische Einrichtungen. 

EU: Gas- und Ölversorgung weiter stabilAuch gut anderthalb Wochen nach Beginn des Irankrieges ist die Versorgung der Europäischen Union mit Öl und Gas nach Angaben aus der EU sichergestellt. Aus den Treffen der jeweiligen EU-Expertengruppen zu beiden Rohstoffen ging einer Sprecherin der EU-Kommission zufolge hervor, dass derzeit keine Sorge um einen Engpass bestehe. Die Situation müsse aber im Blick behalten werden. Beim Gas gehe es vor allem um Preisfragen.Die EU-Länder diskutierten den Angaben zufolge bei dem Treffen der Öl-Expertengruppe die Verständigung der Internationalen Energieagentur IEA, als Reaktion auf den Irankrieg eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben. Bis zum frühen Abend wollten die EU-Staaten demnach an die Agentur kommunizieren, inwiefern sie sich daran beteiligen. Mit Blick auf die Gasversorgung betonen die Länder der Sprecherin zufolge, es sei noch zu früh, in die Speicherbefüllung einzugreifen.Angesichts hoher Preise hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst angekündigt, die Energiekosten senken zu wollen. Demnach sollen mehrere Preiskomponenten der Energierechnung auf den Prüfstand kommen: Neben den reinen Energiekosten auch die Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie die CO2-Kosten. 

Trump: Hoher Ölpreis gut für die USA Die deutlich gestiegenen Ölpreise sind nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump gut für die USA. „Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt. Wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir viel Geld“, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump hatte im Wahlkampf damit geworben, die Energiepreise im Land deutlich zu senken. Infolge des Kriegs in Iran waren die Benzinpreise in den USA allerdings auf das höchste Niveau seit Sommer 2024 gestiegen.

USA: Noch keine Eskorte durch Straße von Hormus möglichDie USA sind nach Angaben von Energieminister Chris Wright aktuell noch nicht in der Lage, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Die Marine werde das relativ bald tun können, gerade sei das aber noch nicht möglich, sagte Wright dem Sender CNBC. „Wir sind einfach noch nicht bereit.“ Alle militärischen Ressourcen der USA seien aktuell darauf ausgerichtet, die offensiven Fähigkeiten Irans zu zerstören. Er halte es für wahrscheinlich, dass die US-Marine bis Ende des Monats einige Schiffe durch die Meerenge eskortieren könne, sagte Wright.Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist infolge des Kriegs nahezu zum Erliegen gekommen. Die etwa 55 Kilometer breite Meeresenge zwischen Iran und dem Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Monats angeboten, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus – falls notwendig – auch mit der eigenen Marine abzusichern. Mit dem Angebot einer solchen Eskorte versucht seine Regierung auch, globale Märkte zu beruhigen. 

Khamenei: Straße von Hormus bleibt blockiert Istanbul Irans neuer Oberster Führer Modschtaba Khamenei hat angekündigt, die Straße von Hormus weiter blockieren zu lassen. Die Blockade müsse „unbedingt fortgesetzt werden“, heißt es in seiner ersten schriftlichen Wortmeldung, die am Donnerstag im Staatsfernsehen verlesen wurde. Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer in der Nacht zum Montag ist noch kein aktuelles Foto oder Video von Khamenei veröffentlicht worden. In der ihm zugeschriebenen Erklärung droht er nun mit der „Eröffnung weiterer Fronten, an denen der Feind verwundbar ist und wenig Erfahrung hat“. Dies werde geschehen, wenn der Krieg anhalte. Iran werde „nicht zögern, das Blut seiner Märtyrer zu rächen, insbesondere Verbrechen gegen Kinder wie das vorsätzliche Verbrechen an der Schule in Minab“. Bei einem mutmaßlich amerikanischen Luftschlag auf die Schule waren am ersten Kriegstag laut iranischen Angaben 175 Menschen getötet worden. Khamenei rief die Regierungen in der Region auf, die amerikanischen Militärstützpunkte in ihren Ländern zu schließen. Andernfalls würden diese auch in Zukunft angegriffen. Wahrheitswidrig äu­ßerte er, in den Nachbarländern habe das Regime „lediglich diese Stützpunkte angegriffen“. Iranische Raketen und Drohnen hatten auch Flughäfen, Hotels, Energieanlagen und eine Entsalzungsanlage getroffen. Teheran sei an „konstruktiven Beziehungen“ mit seinen Nachbarländern interessiert, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Israels Militär weitet Evakuierungsbefehl für Libanon aus Das israelische Militär weitet seine Evakuierungsbefehle für den Südlibanon aus. Damit hat sich die betroffene Zone fast verdoppelt. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden aufgefordert, sich in Gebiete nördlich des Flusses Zahrani zu begeben. Ein Militärsprecher veröffentlicht auf der Plattform X eine Karte mit den neuen, rot ​markierten Zonen. Damit hat das israelische Militär nun die Evakuierung von zehn Prozent des libanesischen Staatsgebiets angeordnet. In Libanon sind bereits Hunderttausende Menschen durch die israelischen Angriffe vertrieben worden.  

Frachter deutscher Reederei von Granatsplitter getroffenEin Containerschiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd ist westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen worden. Das teilte Deutschlands größte Containerreederei aus Hamburg auf Anfrage mit. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet. Der Treffer habe dazu geführt, dass auf der „Source Blessing“ ein Feuer ausgebrochen sei. „Die Besatzung an Bord ist wohlauf, konnte das Feuer löschen und die Situation schnell unter Kontrolle bringen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Zu dem Standort des weitervermieteten Schiffs machte die Reederei keine Angabe und verwies auf Sicherheitsgründe. Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine teilte mit, ein Schiff nördlich von Dubai sei von einem Projektil getroffen worden. 

Iran wirft EU „Mittäterschaft“ vor Die Führung in Teheran hat der Europäischen Union „Mittäterschaft“ bei den amerikanisch-israelischen Angriffen vorgeworfen. „Die Gleichgültigkeit und Duldung der Europäischen Union angesichts der Aggressionen, Brutalitäten und Gräueltaten der USA und Israels kommen nichts weniger als einer Mittäterschaft gleich“, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums am Donnerstag im Onlinedienst X.

Wirtschaftsforscher: Weltweite Ölreserve hält nur bis zum SommerDie internationale Ölreserve könnte bei einer längeren Dauer des Irankriegs und weiteren Freigaben nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest schon im Sommer verbraucht sein. Wenn wegen des Kriegs 25 Prozent des üblichen Ölangebots nicht mehr verfügbar und die Straße von Hormus geschlossen sei, „dann haben wir für drei Monate strategische Ölreserven weltweit“, warnte der Ökonom in Berlin. Der Wissenschaftler plädierte daher für vorsichtigen Umgang mit den Reserven: „Da wir nicht wissen, ob dieser Krieg nicht noch eskaliert und nicht vielleicht sogar noch Monate andauert, kann man durchaus fragen, ob das jetzt schon richtig ist, die Reserven so früh freizugeben.“ Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Mittwoch angekündigt, 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl freizugeben, um den Preisanstieg zu dämpfen. Das ist nach IEA-Zahlen ein Drittel der von 32 Staaten einschließlich Deutschlands gelagerten Ölreserven von 1,2 Milliarden Barrel. Hinzu kommen von der Industrie gelagerte 600 Millionen Barrel, zu deren Freigabe die Unternehmen verpflichtet werden können. 

Norwegen lehnt Deckelung des Gaspreises ab Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Stoere spricht sich gegen eine Deckelung des Gaspreises in Europa aus. Ein solcher Schritt wäre unklug, sagt er auf einer Energiekonferenz in Oslo. Der Preis für Erdgas ist im Zuge des Krieges zwischen den ​USA und Israel gegen Iran um rund 60 Prozent gestiegen. Stoere versichert, Norwegen werde als Europas größter Gaslieferant ein verlässlicher Energieversorger für den Kontinent bleiben. Er erinnert daran, dass Europa bereits nach Russlands Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 auf eine Deckelung der Gaskosten verzichtet habe. Norwegen werde sich auch weiterhin gegen einen solchen Preisdeckel aussprechen. 

Israel greift Militärforschungskomplex bei Teheran anDie israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben eine bekannte Militärforschungseinrichtung in Iran angegriffen. Die Attacke auf den Taleghan-Komplex östlich der iranischen Hauptstadt Teheran in dem Vorort Partschin sei im Rahmen einer der Angriffswellen der vergangenen Tage auf Basis „präziser Geheimdienstinformationen“ erfolgt, teilte Israels Militär mit.Der Taleghan-Komplex hat in der Vergangenheit immer wieder zu Spekulationen geführt. Laut der Internationalen Atomenergiebehörde wurde dort im Rahmen des iranischen Amad-Programms bis 2003 an Technologien gearbeitet, die für Atomwaffen relevant sein könnten. Dabei sollen Tests mit starken Sprengstoffen erfolgt sein, um die Implosion eines nuklearen Sprengkopfs zu simulieren. Iran bestreitet die Existenz des Programms.

Flüchtlingshilfswerk: Bis zu 3,2 Millionen Vertriebene in IranSeit Ausbruch des Krieges in Iran sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bislang bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes geflüchtet. Der jüngsten Einschätzung der Organisation zufolge sind zwischen 600.000 und einer Million Haushalte zeitweise vertrieben worden. In Iran leben gut 90 Millionen Menschen. Die meisten Betroffenen würden aus Teheran und anderen Großstädten im Norden des Landes und in ländlichen Gebieten Schutz suchen, hieß es. Wenn der Konflikt andauere, werde die Zahl der Binnenflüchtlinge voraussichtlich noch steigen, warnte das UNHCR. 

Katz: Israel weitet Angriffe auf Libanon ausIsraels Verteidigungsminister Israel Katz hat dem Nachbarland Libanon mit der Ausweitung des israelischen Armeeeinsatzes dort sowie mit der Einnahme von Gebieten gedroht. Sollte die libanesische Regierung nicht in der Lage sein, die Hizbullah davon abzuhalten, auf israelische Ortschaften zu feuern, werde Israels Armee „das Gebiet einnehmen und die Sache selbst in die Hand nehmen“, sagte er nach Angaben seines Büros bei einer Besprechung mit hochrangigen Armee- und Geheimdienstvertretern. Er habe den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun diese Warnung überbracht.Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Katz haben die Armee den Angaben zufolge bereits angewiesen, sich auf „eine Ausweitung ihrer Aktivitäten im Libanon vorzubereiten“. Die von Iran unterstützte Miliz sollte eigentlich gemäß einer Waffenruhenvereinbarung entwaffnet werden. Dies ist bislang nicht gelungen. Anfang März griff die Hizbullah in den Krieg zwischen Israel und Iran auf der Seite Teherans ein.Die Hizbullah hatte am Mittwochabend den Norden Israels massiv mit Raketen und Drohnen beschossen. Israels Luftwaffe flog heftige Angriffe auf Ziele in den südlichen Vororten von Beirut.