FAZ 06.05.2026
21:26 Uhr

Lastwagenhersteller: Fatale Abhängigkeit für Daimler Truck


Auch wenn das Geschäft in den USA anzieht und die Speditionen wieder Lastwagen bestellen, ist die Abhängigkeit vom amerikanischen Markt für Daimler Truck gefährlich. Vor allem in Zeiten von US-Präsident Donald Trump.

Lastwagenhersteller: Fatale Abhängigkeit für Daimler Truck

Keine Frage, die Zahl der Bestellungen ist eindrucksvoll. Daimler Truck hat in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 auf dem für den weltgrößten Hersteller von Lastwagen so eminent wichtigen US-Markt fast 60.000 Bestellungen eingesammelt. Das ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahresquartal von 86 Prozent. Dass Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström ihren positiven Ausblick für das weitere Geschäftsjahr nicht zuletzt auf diese Zahl gründet, ist verständlich – aber auch sehr gefährlich. Zum einen basiert der Zuwachs auf einem sehr schlechten Vorjahreswert. Die Nachfrage nach Lastwagen in den Vereinigten Staaten war zuletzt extrem niedrig. Seit 2010 hat der Konzern in den USA nicht mehr so wenig Fahrzeuge verkauft wie in den vergangenen drei Monaten. Zum anderen zeigten die schlechten US-Zahlen und die Auswirkungen auf den Gesamtkonzern, wie abhängig der Hersteller vom Wohl und Wehe der wirtschaftlichen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ist. Einstige Gewinngaranten Freightliner und Western Star Läuft es jenseits des Atlantiks gut, sind die Marken Freightliner und Western Star immer ein sicherer Gewinnbringer für das baden-württembergische Unternehmen gewesen. In Zeiten, in denen US-Präsident Donald Trump mit seiner Handelspolitik Verwirrung stiftet, Zölle als politisches Druckmittel benutzt und damit nicht nur ausländische Konzerne kollektiv abstraft, sondern auch die Wirtschaft seines eigenen Landes tief verunsichert, ist die Abhängigkeit vom amerikanischen Markt für Daimler Truck fatal. Daimler Truck hofft darauf, dass im zweiten Halbjahr Nachlässe von Zöllen wirksam werden, die den Gewinn in den USA zuletzt um 73 Prozent haben zurückgehen lassen. Zudem geht Finanzchefin Eva Scherer davon aus, dass die vor wenigen Tagen von Trump verkündeten Einfuhrzölle das Unternehmen nicht treffen werden. Das sind im Hinblick auf die ohnehin großen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft sehr viele Hoffnungswerte, auf die Daimler Truck seinen Optimismus gründet. Negative Auswirkungen des Nahost-Konflikts wie eine höhere Inflation, Störungen in der Lieferkette oder ein dauerhaft höherer Ölpreis, die die Nachfrage nach Lastwagen überall auf der Welt zurückgehen lassen könnten, haben Daimler-Truck-Vorstandsvorsitzende Karin Rådström und ihre Finanzchefin Eva Scherer noch gar berücksichtigt, als die beiden die ehrgeizige Prognose für das Gesamtjahr 2026 am Mittwoch bestätigt haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt – hoffentlich bleibt sie am Leben.