FAZ 07.05.2026
13:24 Uhr

Künstliche Intelligenz: Deutsche KI-Hoffnung DeepL streicht ein Viertel der Stellen


Das Kölner Unternehmen DeepL ist mit seinen präzisen Übersetzungen bekannt geworden und rasant gewachsen. Doch jetzt will das Start-up 250 Stellen streichen.

Künstliche Intelligenz: Deutsche KI-Hoffnung DeepL streicht ein Viertel der Stellen

In der deutschen Digitallandschaft ist DeepL immer ein Vorzeigeunternehmen gewesen. Eine Gründung aus Köln, die es mit den amerikanischen Technologiegiganten aufnehmen kann und sie in einigen Anwendungen sogar schlägt. Das Unternehmen, das für seine Übersetzungen bekannt ist, hat sich mit einer Bewertung von rund zwei Milliarden Dollar zeitweilig zum höchstbewerteten reinen KI-Unternehmen aus Deutschland entwickelt. Rasant gewachsen ist nicht nur die Bewertung, sondern auch der Umsatz und in der Folge die Zahl der Mitarbeiter. Die liegt den Angaben zufolge mittlerweile bei mehr als 1000 Beschäftigten. Das Unternehmen war 2017 gegründet worden. Doch genau jetzt macht das Start-up aus Köln eine Kehrtwende: 250 Stellen streicht das Unternehmen, wie der Vorstandsvorsitzende Jarek Kutylowski am Donnerstag in einem Beitrag auf Linkedin mitteilte. Details sind noch nicht bekannt. Der Stellenabbau steht zwar am Anfang seines Social-Media-Beitrages, gleichwohl etwas versteckt zwischen den Beteuerungen, dass die Umstrukturierung des Unternehmens notwendig sei, um im Zeitalter von KI weiter mitzuhalten. „Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen – sie ist die schwierigste, die ich in meiner Karriere treffen musste“, schreibt Kutylowski. Es sei eine strukturelle Entscheidung, damit DeepL auch weiterhin führend rund um KI bleiben könne. „Wir erleben derzeit einen massiven Strukturwandel hinsichtlich der Art der Arbeit, wer sie verrichtet und wie viele Menschen nötig sind, um sie gut zu erledigen – und dieser Wandel ist auf die KI zurückzuführen“, schreibt Kutylowski. Umsätze und Mitarbeiterzahl sind stark gestiegen DeepL konnte sich anfangs vor allem deshalb durchsetzen, weil das Start-up schon vor der Veröffentlichung von ChatGPT auf eigene neuronale Netzarchitektur gesetzt hat. So lieferte DeepL schnell deutlich bessere Ergebnisse als Konkurrenzangebote wie der Google-Übersetzer. Das kam bei Kunden gut an, der Umsatz stieg schnell: Von 2022 auf 2024 hat DeepL den Umsatz fast verdreifacht, von 55,1 auf 156 Millionen Euro. Gleichzeitig baute das Start-up viele Stellen auf: Gab es 2022 noch 271 Angestellte, waren es zum Ende des Jahres 2024 laut der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz 634 Angestellte. Inklusive Teilzeitkräften, Werkstudenten und Praktikanten waren es damals 972 Mitarbeiter. Fast die Hälfte seines Umsatzes gibt DeepL für Löhne und Gehälter aus: Der jüngsten, vor wenigen Tagen veröffentlichten Bilanz für 2024 zufolge lagen die Personalaufwendungen bei knapp 74 Millionen Euro, davon sind 11 Millionen Euro Aktienoptionspläne. Zwar hat DeepL sich im Mai 2024 von Investoren eine Finanzierung von etwa 300 Millionen Euro gesichert, doch schreibt das Unternehmen noch Verluste. Zu Ende 2024 betrug der Bilanzverlust 75 Millionen Euro bei einer Kapitalrücklage von 125 Millionen Euro. Der Bilanzverlust setzte sich zusammen aus dem Jahresfehlbetrag von rund 61 Millionen Euro und einem Verlustvortrag von knapp 14 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum. Für 2025 strebte das Unternehmen an, den Umsatz „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“ zu steigern, die Bruttomarge auf dem Niveau des Vorjahres zu halten und einen leicht positiven operativen Cashflow zu erzielen. Unterm Strich verbrennt das Unternehmen aber noch viel Geld. Ausweislich der Bilanz hat DeepL am 26. Juni 2025 einen Kreditvertrag mit der Investmentgesellschaft Blackrock in Höhe von fast 85 Millionen Euro abgeschlossen und davon gleich 40 Millionen Euro in Anspruch genommen, „um laufende operative und strategische Initiativen zu unterstützen“.