FAZ 15.05.2026
07:26 Uhr

Krankenhausreform: Geburtskliniken sind unverzichtbar


Weniger Geburtsstationen in der Großstadt sind wirtschaftlich sinnvoll, auf dem Land darf der Schwund aber nicht überhandnehmen.

Krankenhausreform: Geburtskliniken sind unverzichtbar

In den vergangenen zehn Jahren sind in Hessen 14 Entbindungsstationen geschlossen worden. Als Frau fragt man sich unwillkürlich, ob im Fall der Fälle ein Krankenhaus noch rechtzeitig erreicht werden kann. Bislang ist es so, versichert das Gesundheitsministerium. Die sinkende Zahl der Geburtskliniken folgt der Logik von Angebot und Nachfrage. Wo weniger Babys auf die Welt kommen, braucht es weniger Kreißsäle. Doch es sind vor allem auch die Kosten, die Geburtsstationen unrentabel machen. Und es fehlt an Fachkräften. In einer Großstadt wie Frankfurt macht sich auch ein Trend bemerkbar, dass Schwangere vor allem in einem Perinatalzentrum der höchsten Leistungsstufe entbinden wollen und weniger in einer kleineren Klinik. Grund dafür mag eine gewachsene Ängstlichkeit sein, im Notfall gerne Operationssäle für Kind und Mutter im Stand-by-Modus zur Verfügung zu haben – selbst wenn die meisten Geburten ganz ohne sie auskommen. Der Rückgang der Geburtskliniken insbesondere auf dem Land zeigt aber auch, dass das Gesundheitswesen nicht für jeden Notfall überall gerüstet bleiben kann. Weil es einfach nicht finanzierbar ist. Eine Klinik, die weniger als 1000 Babys im Jahr willkommen heißen kann, zahlt drauf, weil der 24/7-Bereitschaftsdienst mit Ärzten, Hebammen, Anästhesisten, Pflegekräften und OP-Schwestern viel Geld kostet. Die Krankenhausreform zielt genau darauf: Stationen schließen, wenn sie unrentabel sind, und die Leistung dafür an weniger Orten konzentrieren, wo sie besser erbracht werden soll, weil dort die Spezialisten arbeiten, die eine Operation häufiger als andere bewältigt haben, denen auch Komplikationen vertraut sind und die damit besser umgehen können. Die Idee ist überzeugend, außer man steht im Stau auf dem Weg ins Krankenhaus, während sich auf der Rückbank eine Schwangere in den Wehen windet und jede Minute Warten als eine zu viel scheint. Weil Geburtskliniken unverzichtbar sind, weil Kinder die Zukunft sichern, ist es sinnvoll, auch in der Krankenhausplanung Ausnahmen von der Regel zuzulassen, wie es die jüngste Reform der Krankenhausreform vorsieht. Aber selbst dann kann es sein, dass Kliniken ihre Kreißsäle auf dem Land nicht aus eigener Kraft werden finanzieren können. Dann wäre auch die Unterstützung des Landes und des Bundes gefragt, um dauerhaft eine verlässliche stationäre Versorgung für Schwangere zu sichern.