Der orthographisch bewanderte Volksmund weiß: Kommas können Leben retten. Als Standardbeleg dafür gilt der Satz „Komm, wir essen, Opa!“ Mit Komma deutet er auf ein intaktes, mehrgenerationelles Familiengefüge hin. Ohne Komma wird er zu einer Aufforderung zum Kannibalismus. Mit der Zeichensetzung und Rechtschreibung ist das ja sowieso so eine Sache, gerade in Zeiten, in denen der Großteil der Kommunikation über Smartphones abgewickelt wird. Der kleine Bildschirm, die kleine Tastatur kombiniert mit einer übereifrigen Autokorrektur ergeben eine toxische Mischung. Das Ergebnis sind zum Beispiel mit Fehlern gespickte E-Mails, die auf einer Schulnotenskala nicht mal mehr ein „ausreichend“ bekommen würden. Schuld ist die Technik Doch statt für diese Versäumnisse selbst die Verantwortung zu übernehmen, schieben viele Menschen die Schuld den äußeren Umständen zu oder der Technik. Gerade in beruflichen Zusammenhängen lässt sich das manchmal an Fußnoten unter den eigentlichen Nachrichten erkennen. „Ich bin auf Dienstreise, mögliche Tippfehler sind unbeabsichtigt“, lautet eine gängige Variante. Öfter genutzt wird auch die englische Wendung „typos courtesy of“ ergänzt durch den Namen des Smartphoneherstellers. Auf diese Weise wird inkorrekte Rechtschreibung dann „freundlicherweise zur Verfügung gestellt“ von einem amerikanischen, chinesischen oder koreanischen Handyproduzenten. Unabhängig davon, wer am Ende die Tippfehler verursacht: Manche davon sind Quell von Missverständnissen, die meistens lustig sind, manchmal aber richtig peinlich werden können. Dabei kann schon ein einziger fehlender Buchstabe ins Verhängnis führen. Wer zum Beispiel in einem Chat mit den Kollegen zum Ausdruck bringen will, dass er ganz schön unter Stress steht, könnte schreiben: „Ich bin jetzt am Rudern!“ Ohne das letzte „n“ dürfte der Satz jedoch als Zeichen beginnenden Größenwahns verstanden werden, dass da jemand nun das Ruder übernommen hat. Übrigens schützt auch Kürze nicht vor Fettnäpfchen. Fragt der Chef beispielsweise, ob man spontan Zeit hätte für ein Gespräch, und die Antwort lautet „Ich bin breit!“ statt „Ich bin bereit!“, sollte man allerspätestens wieder mehr Aufmerksamkeit in die schriftliche Kommunikation stecken. In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.
