FAZ 29.09.2026
15:40 Uhr

„Kolonne des Zorns“: Feuerwehr protestiert in Paris


Mitglieder der Berufsfeuerwehr beklagen veraltetes Gerät und zu wenig Personal. Vor Beginn der Haushaltsberatungen in der Nationalversammlung errichteten sie am Eiffelturm ein Protestlager.

„Kolonne des Zorns“: Feuerwehr protestiert in Paris

Die französischen Feuerwehrleute wurden während der schweren Waldbrände in diesem Sommer als Helden gefeiert. Am Dienstag sind sie nun auf die Straßen der Hauptstadt gezogen, um für bessere Arbeitsbedingungen, moderne Ausrüstung und mehr Gehalt zu demonstrieren. Teilweise blockierten sie die Pariser Umgehungsstraße, den Périphérique. Sie schlossen sich als „Kolonne des Zorns“ dem Protestzug in Paris an, zu dem die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes kurz vor Beginn der Haushaltsberatungen in der Nationalversammlung aufgerufen hatten. Premierminister Sébastien Lecornu will am Donnerstag den Haushaltsentwurf vorstellen. Frankreichs Schuldenlast ist auf das Rekordniveau von 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen, was den Spardruck auf die Regierung erhöht. Seit dem Wochenende haben Mitglieder der Berufsfeuerwehr aus allen Landesteilen am Fuße des Eiffelturms ein Zeltlager aufgeschlagen, um darauf aufmerksam zu machen, wie schlecht sie ausgerüstet sind und wie sehr sie unter Personalmangel leiden. Sie fordern, 21.000 zusätzliche Berufsfeuerwehrleute einzustellen, und verweisen auf den Klimawandel, der die Waldbrandgefahr in vielen Landesteilen erhöht. Das Zeltlager am Eiffelturm soll auch dazu dienen, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, wie David Saquet von der Gewerkschaft Unsa Sapeurs-Pompiers sagte. Die Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, forderte im Radio: „Wir brauchen Mittel für den öffentlichen Dienst, um die Zukunft vorzubereiten und den Klimawandel zu bekämpfen.“ Acht Feuerwehrleute getötet Auch die etwa 200.000 freiwilligen Feuerwehrleute in Frankreich sind unzufrieden. Viele hatten im Sommer noch nicht einmal Masken, um sich am Brandort zu schützen. Sie forderten die Regierung auf, sich für einen besseren Gesundheitsschutz einzusetzen. Seit Januar sind annähernd 98.000 Hektar in Frankreich abgebrannt. Nach Angaben des Nationalen Feuerwehrverbands kamen bei den Einsätzen insgesamt acht Feuerwehrleute ums Leben. Der Zorn der Feuerwehrgewerkschaften richtet sich gegen die Sparpläne der Minderheitsregierung unter Premierminister Sébastien Lecornu. So sind Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro im Haushalt geplant. Lecornu hat in einem Gespräch mit „Le Figaro“ vorgeschlagen, die Löhne der öffentlich Bediensteten einzufrieren. „Das wird uns ermöglichen, zwei Milliarden Euro einzusparen“, sagte er. Zudem wird gerade über ein neues Zivilschutzgesetz beraten, das die Feuerwehrgewerkschaften ablehnen. Auch andere Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes wie Lehrer, Krankenhaus- und Pflegepersonal sowie kommunale Beschäftigte haben sich den Kundgebungen in größeren Städten angeschlossen. Überrascht wurde die Regierung von den Protesten der Oberschüler, die im Pariser Großraum, aber auch in Lille, Rennes oder Marseille Blockaden vor ihren Schulen errichteten. Sie fordern mehr Mittel und mehr Lehrer. 338 Schulen der Oberstufe sollen von der Protestbewegung betroffen sein.