FAZ 11.05.2026
17:54 Uhr

Irankrieg: Europa bleibt Zaungast


Die Blockade der Straße von Hormus schädigt auch die Wirtschaft in Europa, aber die EU handelt nicht. Da helfen auch keine Mehrheitsentscheidungen.

Irankrieg: Europa bleibt Zaungast

Die Nachrichten, die vom Golf kommen, werden nicht wirklich besser. Das diplomatische Hin und Her zwischen Washington und Teheran, das über Pakistan abgewickelt wird, hat übers Wochenende wieder keine Lösung gebracht; nur einzelne Tanker schaffen es derzeit durch die Straße von Hormus. In dieser Lage beraten die EU-Außenminister in Brüssel ‒ und beschließen erst mal nichts Handfestes. Wie so oft, muss man leider hinzufügen. Im Irankrieg klaffen Anspruch und Wirklichkeit der europäischen Außenpolitik besonders weit auseinander. Seit vielen Jahren will die EU ein „Spieler“ sein im Nahen Osten im Allgemeinen und im Atomstreit im Besonderen, aber sie begnügt sich wieder und wieder mit der Rolle des Zaungastes. Sanktionen verschärfen? Die Blockade der Straße von Hormus dauert nun schon zehn Wochen, die wirtschaftlichen Folgen sind auch in Europa spürbar. Trotzdem zögern die Minister, die Sanktionen gegen Iran sofort zu verschärfen. Worauf warten sie? Dass Trump den Krieg, der „nicht unserer“ ist, doch zu Ende führt? Dass die Iraner ihr neues Machtmittel zum Erhalt der „regelbasierten Ordnung“ selbst wieder aus der Hand geben? Der deutsche Außenminister hat vergangene Woche einen alten Vorschlag zur Reform der EU-Außenpolitik aufgewärmt, auf den man in Berlin verlässlich kommt, wenn die Machtlosigkeit Europas wieder überdeutlich wird: Mehrheitsentscheidungen! Die setzen aber voraus, dass es überhaupt Mitgliedstaaten gibt, die handeln wollen. Nicht die Verträge sind das Problem der EU, es ist der Mangel an politischem Willen in ihren Hauptstädten.