FAZ 07.05.2026
06:32 Uhr

Integrationsmonitor Hessen: Zahl der Asylbewerber auf einem Tiefpunkt


Die Zuwanderung aus vielen Teilen der Welt nimmt deutlich ab, und zahlreiche Flüchtlinge kehren in ihre Heimat zurück. Die hessische Arbeitsministerin Hofmann sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen.

Integrationsmonitor Hessen: Zahl der Asylbewerber auf einem Tiefpunkt

Die Zahl der Asylbewerber ist in Hessen deutlich gesunken. Das zeigt die Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die Arbeitsministerin Heike Hofmann (SPD) am Dienstag vorgestellt hat. Demnach kamen im vergangenen Jahr 7919 Menschen nach Hessen, um einen Asylantrag zu stellen. Das war, abgesehen von dem durch die Corona-Krise geprägten Wert des Jahres 2020, die niedrigste Zahl seit 2012. „Die Beruhigung hier ist vor allem auf die veränderte Situation in Herkunfts- und Transitländern wie Syrien, Tunesien und entlang der Westbalkanroute zurückzuführen“, erklärte Hofmann. Erst auf die Frage hin, ob die Politik der schwarz-roten Bundesregierung zu der Entwicklung beigetragen habe, konstatierte die Sozialdemokratin, dass auch die zusätzlichen Grenzkontrollen Wirkung entfaltet hätten. Die Entwicklungen im Nahen Osten hätten demgegenüber bislang noch keinen Einfluss auf die Zahl der Geflüchteten in Hessen gehabt, fügte sie hinzu. Die meisten kommen aus der Ukraine Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist nach ihren Worten in Hessen der höchste unter den Flächenländern. Bei den Zuzügen war im Jahr 2024 die Gruppe der Ukrainer mit mehr als 17.000 Menschen weiterhin die größte, gefolgt von Rumänen und Türken. Die Fortschreibung des jährlichen Integrationsmonitors weist hohe Zuzugszahlen vor allem aus osteuropäischen Ländern auf. Ebenso hoch ist allerdings die Zahl derer, die Deutschland wieder verlassen haben. 2024 kamen aus Rumänien, Polen und Bulgarien weniger Menschen nach Hessen, als in ihr Heimatland zurückgingen. „Damit hat Hessen erstmalig einen negativen EU-Zuwanderungssaldo“, stellte Hofmann fest. Dass die Zahl der Zuzüge sinke, hänge zum einen mit der verbesserten wirtschaftlichen Perspektive in den Herkunftsländern zusammen, zum anderen aber auch damit, dass von einer abnehmenden Willkommenskultur und von Ausgrenzungserfahrungen in Deutschland berichtet werde. Fremdenfeindlichkeit als Standortnachteil „Das muss uns wirklich große Sorgen bereiten“, sagte die Ministerin, „nicht zuletzt, weil wir auf internationale Fach- und Arbeitskräfte angewiesen sind.“ Nach der jüngsten Prognose fehlten bis zum Jahr 2030 in Hessen rund 240.000 Fachkräfte. „Ohne qualifizierte Zuwanderung ist diesem Mangel nicht ansatzweise beizukommen“, sagte Hofmann. In den zurückliegenden fünf Jahren sei die Zahl der Beschäftigten auf dem hessischen Arbeitsmarkt um rund 28 Prozent auf etwa 560.000 gestiegen. Dieser Zuwachs sei ausschließlich auf ausländische Beschäftigte zurückzuführen. Die Zahl der deutschen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei im selben Zeitraum minimal auf rund 2,2 Millionen gesunken. „Ohne Zuwanderung hätten wir schon jetzt die massiven wirtschaftlichen Probleme, die uns durch den Fachkräftemangel künftig drohen könnten“, stellte die Ministerin fest. Eine besondere Herausforderung sieht sie in den Schulen. In Hessen erreichten 46 Prozent der Neuntklässler mit Migrationshintergrund im Lesen die schulischen Mindeststandards nicht – mit steigender Tendenz. Bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund schafften es 22 Prozent nicht – ebenfalls seit 2009 mit steigender Tendenz. Nach Hofmanns Angaben machen sich neun von zehn In- und Ausländern angesichts zunehmender Diskriminierung und wachsenden Rassismus Sorgen. Dies sei im Vergleich zu den Werten, die vor zehn Jahren gemessen worden seien, „ein riesiger Sprung“. Wenn fremdenfeindliche Äußerungen der Normalfall würden, habe das auch wirtschaftliche Konsequenzen. „Es schreckt Menschen ab, hält sie davon ab, hierherzukommen oder hierzubleiben“, so Hofmann. Die Feindlichkeit gegenüber Fremden sei ein „Standortnachteil“.