Allein unter Österreichern! Für Alex Meier hat die Konstellation nichts Bedrohliches – ganz im Gegenteil: „Ich komme jeden Tag mit großer Freude zur Arbeit, ich merke gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt der Fußballprofi, den sie bei der Frankfurter Eintracht „Fußball-Gott“ nannten, als er Tore am Fließband schoss – und der noch immer Kultstatus bei den Fans genießt. Nachdem der 43 Jahre alte Norddeutsche seine Trainerkarriere in verschiedenen Jugend- und Juniorenteams der Eintracht aufgebaut hat, ist er in dieser Saison zum Assistenten der Profimannschaft aufgestiegen – und hat damit einen österreichischen Kosmos betreten. Cheftrainer Adi Hütter ist in Hohenems (Vorarlberg) geboren, seine beiden Ko-Trainer Christian Peintinger und Klaus Schmidt, die er vom AS Monaco nach Frankfurt mitbrachte, kommen aus der Steiermark. „Wenn sie richtig loslegen, wird es schwierig, sonst geht es, und es wird mit jedem Tag besser“, sagt Meier mit einem Grinsen, als er bei einem Medientermin im Proficamp die Frage beantwortet, ob es Verständigungsschwierigkeiten mit den Kollegen gebe. Gibt es nicht, und nicht nur, weil Peintinger betont, dass sich die drei Landsleute bemühten, einigermaßen hochdeutsch zu sprechen. Die drei Trainer wirken, wie sie so nebeneinander aufgereiht auf der Sitzbank hocken, wie ein harmonisches Terzett. Die drei Österreicher kennen sich seit vielen Jahrzehnten Dabei sind die Mitglieder unterschiedlich lange im Team Hütter. Peintinger assistiert seinem Chef seit 2015 im Profifußball, Schmidt seit 2023, Meier seit diesem Sommer. Die drei Österreicher kennen sich allerdings seit vielen Jahrzehnten. Peintinger behauptet: „Ich kenne Adi besser, als es seine Frau tut, und wahrscheinlich besser als er selbst.“ Auch Schmidt nennt Hütter einen Freund, war aber lange Zeit nicht ganz so eng mit ihm. Er lernte seinen heutigen Chef 1992 beim Grazer AK kennen. „Als Ko-Trainer und Physiotherapeut quälte ich ihn nach einer langwierigen Verletzung, um ihn wieder fit zu machen. Das hält er mir immer noch vor“, erzählte Schmidt in einem Interview mit den Eintracht-Medien. In so einen Freundeskreis einzutreten, könnte nicht ganz einfach sein – Meier spricht jedoch von einem hervorragenden Verhältnis, menschlich und beruflich. „Sie haben es mir so einfach gemacht.“ Kollege Schmidt bestätigt: „Alex passt überragend hinein, er ist super integriert, menschlich haben wir eine sehr gute Basis. Die Spieler merken, wir sind ein Arsch und eine Hose.“ Ein Alleinstellungsmerkmal habe Meier: „Er hat vor nicht allzu langer Zeit noch selbst gespielt, er hat eine größere Nähe zu den Spielern“, sagt Schmidt. Der frühere Torjäger ist über 15 Jahre jünger als seine Kollegen. Er sei in den ersten Tagen ziemlich aufgeregt gewesen, bekennt Meier. „Der Sprung aus der Jugend zu den Profis ist schon groß. Aber die Kollegen haben mir alle Bedenken genommen. Und wenn du Fehler machst, dann machst du sie halt“, sagten sie mir. Meier tendiert zum Stürmertraining Die Arbeitsteilung der drei Assistenten ist nicht ganz klar definiert, und sie unterliegt auch einer gewissen Abwechslung: „Dass Alex als ehemaliger Torjäger zu den Stürmern tendiert, ist aber logisch“, sagt Peintinger. Trainingsinhalte und Trainingsgestaltung würden gemeinsam erarbeitet, sagt er, wer die einzelnen Übungen auf dem Platz betreut, werde vor dem Trainingsbeginn festgelegt und unterliege keinem Dogma. Die Präsentation der Zuordnung bei Standardsituationen obliege meistens Schmidt, nachdem die Strategie gemeinsam erarbeitet worden sei. Es gebe auch keine Aufteilung unter den Assistenten, wer den „Good Cop“ und wer den „Bad Cop“ spiele: „Wir versuchen immer, mit einer menschlichen Art zu überzeugen. Wenn einer der ‚Bad Cop‘ sein muss, dann ist es Adi“, sagt Peintinger und setzt kurz hinzu: „Er kann das auch.“ Mein Freund, der Chef! Geht das überhaupt? In vielen Betrieben außerhalb des Fußballgeschäftes wird zu viel Nähe nicht gerne gesehen. Peintinger und Schmidt sehen in dieser Hinsicht keine Probleme: „Wir sehen darin sogar einen Vorteil, wenn das Arbeitsverhältnis auch ein Freundschaftsverhältnis ist. Man kann ehrlicher miteinander umgehen und ihm ab und zu den Spiegel vors Gesicht halten.“ Und Freunde würden nie an der Hierarchie rütteln. Peintinger wollte nie Chef sein, nur als Vertreter Hütters, wenn er krank ist. Schmidt hat seine Boss-Phase bewusst beendet. Er war jahrelang „der Feuerwehrmann“ des österreichischen Fußballs. „Ich habe acht Mannschaften übernommen und vor dem Abstieg bewahrt“, sagt der 58-Jährige. Das sei jedes Mal nervenzerreißend gewesen und habe viel Substanz gekostet, weil es um Existenzen gegangen sei. „Man lebt vier Monate in einer anderen Dimension, am Ende ist es etwas Magisches, wenn man es jedes Mal geschafft hat, davor hat man viele Nächte, die man sich nicht wünscht.“ Deshalb habe er 2023 gerne das Angebot Hütters angenommen, ihn als zweiten Assistenten nach Monaco zu begleiten. „Wir wollten schon viele Jahre mal zusammenarbeiten, endlich passte es. Die Entscheidung ist viel besser für meine Gesundheit.“ Deshalb sagte Schmidt nach der gemeinsamen Entlassung in Monaco auch zu, die Zusammenarbeit fortzusetzen und nicht abzuheben, wenn das Telefon wegen eines Cheftrainer-Angebots klingele. Dass der neue Arbeitsplatz Frankfurt heißen würde, war Klaus Schmidt klar, „nachdem das Wort Eintracht das erste Mal ins Spiel kam. Adi und Peinti hatten jedes Mal von der Eintracht geschwärmt, als sie auf ihre Frankfurter Zeit zu sprechen kamen.“ Noch haben sich am Main nicht alle Wünsche erfüllt, was die Ergebnisse und die Leistungen der Mannschaft angeht. Für Meier, Peintinger und Schmidt kein Problem: „Großer Umbruch im Kader, extrem junge Mannschaft, neuer Spielstil. Aber die Spieler wollen, wir brauchen nur etwas Zeit“, fasst Peintinger in Worte, was das ganze Trainer-Quartett der Eintracht meint.
