Hinter verschlossenen Türen hat am Dienstag im nordspanischen Oviedo der „Horrorhaus“-Prozess begonnen. Ein deutsches Ehepaar hatte seine drei Kinder fast vier Jahre lang in ihrem Wohnhaus am Stadtrand eingesperrt. Beiden drohen wegen wiederholter psychischer Gewalt Freiheitsstrafen von jeweils 25 Jahren und vier Monaten. Zudem sollen sie eine Entschädigung in Höhe von 15.000 Euro für jedes Kind zahlen. Darüber hinaus soll ihnen mindestens zehn Jahre lang der Kontakt zu den Kindern untersagt werden. Beide waren im April 2025 festgenommen worden. Die Eltern, ein damals 53 Jahre alter Deutscher und seine 48 Jahre alte Frau mit deutscher und amerikanischer Staatsangehörigkeit, hatten die beiden 2025 acht Jahre alten Zwillinge und ihren zehn Jahre alten Bruder zwischen Dezember 2021 und April 2025 in dem Haus ohne jeden Kontakt zur Außenwelt eingesperrt. Sie durften nicht einmal in den Garten. Sie gingen gebückt, konnten keine Treppen steigen und trugen Windeln Die Eltern hatten offenbar große Angst vor einer Covid-Infektion, auch, als die Pandemie vorüber war. Laut der Polizei hatten die Kinder zum Teil dreifache Schutzmasken auf Mund und Nase. Die Jalousien waren angeblich die ganze Zeit geschlossen. Die Kinder, die laut den Angaben nur Englisch sprachen, gingen in Spanien nie in die Schule, die Zwillinge waren deshalb Analphabeten; sie wurden medizinisch nicht versorgt. Sie gingen gebückt mit O-Beinen, hatten Schwierigkeiten beim Treppensteigen und trugen Windeln und verdreckte Schlafanzüge. Sie schliefen in Wiegen oder sehr kleinen Betten, die von Müll und dem Kot einer krebskranken Katze umgeben waren. Die Familie ließ sich angeblich von Supermärkten mit Lebensmitteln beliefern, die die Eltern in auffällig großen Mengen online bestellten. Der Vater, der im Homeoffice als Personalberater gearbeitet haben soll, hatte sich 2022 bei den spanischen Behörden angemeldet, nicht jedoch den Rest der Familie, die 2021 von Deutschland nach Oviedo gezogen war. Eine Nachbarin hatte aus der Ferne Kinderstimmen gehört, ohne je Kinder zu sehen. Sie machte die Polizei darauf aufmerksam, die dann Ende April 2025 während des großen Stromausfalls einschritt. Um die minderjährigen Opfer zu schützen, wird das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Die Kinder wurden in die Obhut der spanischen Sozialdienste gegeben, die weiterhin ihre Vormundschaft innehaben. Die Folgen ihrer traumatischen Erlebnisse würden erst später auftreten, sagte die zuständige Regionalministerin Marta del Arco laut Medienberichten. Man betreue die Kinder psychologisch und pädagogisch intensiv. Derzeit sei nicht vorgesehen, die Kinder für eine Adoption freizugeben; eine Pflegefamilie könnte jedoch eine Option sein.
