Die Wiederauflage des Tankrabatts durch die Bundesregierung bedeutet für die Logistikbranche „keine spürbare Entlastung“. Das teilte der Speditions- und Logistikverband Hessen/Rheinland-Pfalz am Mittwoch bei seiner Jahrestagung in Frankfurt mit. Die für die Monate Oktober bis Dezember angekündigte Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin sei zwar „ein Schritt in die richtige Richtung“, notwendig sei aber eine dauerhafte Senkung auf das in der EU vorgeschriebene Mindestniveau, sagte der Verbandsvorsitzende Daniel Hensel. Zwar hat die Bundesregierung angekündigt, nach Auslaufen des Tankrabatts 2027 einen „Spritpreisdeckel“ einzuführen, um „missbräuchliche Preisaufschläge“ zu unterbinden. Die als Vorbild dafür genannten Regeln in Belgien und Luxemburg sehen allerdings keine absolute Obergrenze vor, vielmehr werden dort mehrmals in der Woche neue Höchstpreise festgelegt. Wichtig für die Spediteure sei aber „Planbarkeit“, sagte Hensel im Gespräch mit der F.A.Z. Schließlich müssten die Unternehmen Preiserhöhungen gegenüber ihren Kunden begründen können. Preisgleitklauseln, mit denen schon bei Vertragsabschluss vereinbart wird, dass bei Änderungen des Dieselpreises auch die Frachtrate steigt oder sinkt, wagten kleinere Transportunternehmen oft nicht durchzusetzen, so der Verbandschef. Sie fürchteten, dadurch Aufträge zu verlieren. Solche Ängste seien im Transportgewerbe noch ausgeprägter als in der Industrie, die beim Ausfall einzelner Kunden auch auf Lager produzieren könne. Für seine Branche gelte: „Wenn der Lkw heute nicht fährt, haben Sie sofort Umsatz verloren und können das nicht mehr aufholen.“ Nachteile gegenüber Wettbewerbern aus Nachbarländern Außer einer permanenten Senkung der Energiesteuer zumindest auf gewerblich genutzten Diesel sei ein Ende der „CO₂-Doppelbesteuerung“ notwendig, so Hensel. Auf Diesel fällt in Deutschland, genau wie auf andere fossile Brennstoffe, eine CO₂-Abgabe an, gleichzeitig beeinflusst der Treibhausgasausstoß von Lastwagen auch die Höhe der Lkw-Maut. Die deutschen Transportunternehmen seien damit im Vergleich zu den Wettbewerbern etwa in Polen deutlich benachteiligt, sagte Hensel. „Unsere Kollegen aus Osteuropa haben mittlerweile so große Tanks an Bord, dass die so viel Liter Diesel tanken können, dass sie einen Rundlauf in Deutschland ohne Probleme schaffen.“ Danach kehrten sie zum Tanken nach Polen zurück. Die Umstellung der Flotten auf alternative Antriebe brauche noch Zeit. „Das Nadelöhr ist die Ladeinfrastruktur“, sagte der Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbandes, Thorsten Hölser. Es gebe zu wenig für Lastwagen geeignete Ladesäulen. Hensel ergänzte, bei Schnellladesäulen im öffentlichen Raum seien die Preise zu hoch. Und eine Ladesäule auf dem eigenen Betriebsgelände zu installieren, sei oft mit Hürden verbunden: „Ich kenne Kollegen, die wollen gern investieren, kriegen aber vom örtlichen Stromanbieter eine Absage, weil einfach nicht die Kapazität da ist.“ Diese Schwierigkeiten bestätigte auch Hensels Vorstandskollege Alexander Steinberg, dessen Unternehmen – die Edgar Graß Spedition aus Beselich im Landkreis Limburg-Weilburg – schon mehrere Lastwagen mit E-Antrieb nutzt. Um einen Lkw in eineinhalb Stunden laden zu können, bräuchte er eine Ladesäule mit einer Leistung von 400 Kilowatt, sagte Steinberg. „Selbst die Anschlussleistung von 120 Kilowatt gibt Ihnen Ihr Netzbetreiber aber nur ungern“, an einer seiner Betriebsstätten bekomme er sie nun, das habe aber fast ein Jahr gedauert. Die Spedition Edgar Graß betreibt einen Großteil ihrer rund 70 Lkw mit Bio-LNG, also verflüssigtem Biogas. Steinberg hat dafür 2021 eine eigene Tankstelle eröffnet. Diese Investition – der Unternehmer spricht von einem einstelligen Millionenbetrag – habe sich gelohnt: „Wir haben heute in der Gesamtkostenbetrachtung einen Vorteil gegenüber Diesel.“ Auch unterwegs fänden seine Fahrer genug Tankstellen, „heute haben wir über 200 LNG-Tankstellen in Deutschland“. Für die Elektrifizierung zeigt sich der Unternehmer trotz aller Hürden grundsätzlich ebenfalls zuversichtlich: „Wenn man das will, eine gewisse Experimentierfreudigkeit und ein bisschen Pioniergeist mitbringt, geht da schon sehr viel.“
