Eigentlich wurde die Autobahnmeisterei Diedenbergen vor 60 Jahren als Hilfsmeisterei mit nur zwei Personen gegründet. Doch die Position in dem Hofheimer Stadtteil an der Autobahn 66 erwies sich bald als strategisch günstig. Heute werden von dort aus etwas mehr als 150 Kilometer Autobahn betreut, nämlich die A 3 zwischen Wiesbaden und Mönchhofdreieck, die A 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden, die A 643 und die A 648. Ein Blick auf das Wegenetz zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Mainz zeigt, dass man es nicht nur mit ein paar geraden Straßen zu tun hat, sondern mit einem recht komplexen Gewirr: 28 Anschlussstellen, das sind sehr viele. „Die Kollegen in Idstein haben nur fünf“, sagt Leiter Florian Günther. Dazu kommen vier Kreuze, drei Dreiecke und 380 Bauwerke, also Brücken, Lärmschutzwände und alles, was länger ist als drei Meter. Die Brücken müssen regelmäßig kontrolliert werden, das passiert unter anderem mit dem Hubsteiger. Richtige Experten sind dann die Kollegen von der Brückenprüfung, einer eigenen Fachabteilung. Wenn alles zu spät ist und eine Brücke havariert, gibt es in ganz Deutschland zehn Brückenlager, in denen Behelfsbrücken auf Vorrat gehalten werden. Im Bereich West sind es das Lager Mönchengladbach und das an der Autobahnmeisterei Gau-Bickelheim. Um die Infrastruktur zu pflegen, verfügen Günther und seine Mitarbeiter über einen ganzen Zoo faszinierender Fahrzeuge, die sie am Sonntag, zum Tag der Autobahn, den zahlreichen Besuchern zwischen Bratwurst und Hüpfburg vorführen. In einer Reihe stehen sie da, alle in Orange gehalten. Das Streckenwartfahrzeug zum Beispiel ist eine fahrende Werkstatt im Kleintransporterformat mit Schubladen voller Schrauben, Klebeband und Farbdosen, dazu Leitpfosten, Hütchen und Eimer mit Kaltmischgut für die schnelle Füllung zwischendurch. Mit diesem Fahrzeug werden täglich alle Strecken abgefahren. Mähzug „Manfred“, ein Unimog mit links montiertem Arm, saugt mit starkem Gebläse Mähgut vom Mittelstreifen in seinen Anhänger – und alles, was da sonst noch herumliegt. Kollege „Stefan“ ist ein Unimog mit einem Arm, an dem eine blaue Rotationsbürste befestigt ist, ganz wie in der Autowaschanlage. Damit werden Tunnels von den sich ablagernden Abgasen gereinigt, damit Schilder und Lichter erkennbar bleiben. Stefans Wasserfass fasst um die 6000 Liter. Das ist sogar mehr als bei dem mit Abstand teuersten Fahrzeug auf dem Platz. Die Bucher-Großkehrmaschine kostet 860.000 Euro, fasst 5000 Liter Wasser und kann acht Kubikmeter Schmutz aufnehmen, sogar Diesel und Öl. Weil auf der rechten Fahrspur gekehrt wird, sitzt der Fahrer ausnahmsweise rechts. Meist finden die Arbeiten nachts statt, weil da weniger Verkehr ist. Damit der Arbeitstrupp gut gesichert ist, wird stets eine FAT mitgeführt, eine Fahrbare Absperrtafel, „wo leider jedes Jahr jemand drauffährt“, sagt Günther, da kann die Tafel noch so grellorange blinken. Der „Verwarnanhänger“ hingegen ist mit seinen LED-Lampen beliebig programmierbar. Meist zeigt er Fahrbahnverengungen an, heute leuchtet der Schriftzug „Herzlich willkommen zum Tag der Autobahn.“ Eine weitere Absperrmöglichkeit, die oft zum Einsatz kommt, ist das orangefarbene Verkehrshütchen. Alle 18 Meter muss eins stehen, das wäre eine Menge Lauferei für die Mitarbeiter. Deshalb kann man ein Hütchengestell vor Fahrzeugen anbringen, da passen 100 Kegel und ein Mitarbeiter drauf. Im Fahren können so 1,8 Kilometer abgesperrt werden. Ein wichtiges Thema ist der Winterdienst. Die große Halle, die „Salzkathedrale“, ist noch nicht ganz voll. Bis zum Winter sollen hier 3500 Tonnen Salz lagern. Üblicherweise werden jährlich um die 1000 Tonnen pro Winter verbraucht. Momentan kostet die Tonne noch 80 Euro, da werden die Einkäufer bald zuschlagen und 150 vollbeladene Lastwagen erwarten. In der Saison wird der Preis noch auf 110 Euro steigen. Etwa fünf bis zehn Gramm Salz landen pro Quadratmeter auf der Straße. Wenn das Streufahrzeug beladen wird, geschieht das mittels des wohl größten Salzstreuers weit und breit, der rund 250 Tonnen Salz fasst und das Fahrzeug in fünf Minuten befüllt. Neben dem Streusalz gibt es auch den Solestreuer, der präventiv die Straßen berieselt. 90 Prozent des Salzes werde flüssig aufgebracht, sagt Florian Günther, das sei viel umweltschonender. Salz wirke ein paar Stunden, Sole jedoch tagelang. Wer sich im Winter schon einmal über den weißgrauen Schimmer auf der Fahrbahn gewundert hat – das ist die Sole. Streufahrzeuge fahren in der Regel die Nacht durch, um sieben Uhr morgens hat die Truppe dann Feierabend. Wenn es ganz dick schneit, kommt auch der Schneepflug zum Einsatz. Im vergangenen Winter kamen zehn Schneepflugtage zusammen, im Winter davor war es nur einer. Die Schneepflüge fahren meist als Staffel versetzt nebeneinander, damit der Schnee nicht von einer Spur auf die nächste verschoben wird. In Frankfurt befindet sich übrigens auch der Autobahnbereich in Westhessen mit den meisten Spuren nebeneinander, nämlich am Frankfurter Rebstock. Bei der Straßenpflege und dem Aufsaugen des Mähguts fällt reichlich Abfall an, der von Hand sortiert und entsorgt wird. Im schlimmsten Fall sind Lachgascontainer darunter, „unser größtes Sorgenkind“, sagt Günther. In einem Gitterkorb lagert etwa ein halber Kubikmeter der bunten Gasflaschen. „Das ist die Ausbeute von drei Monaten“, sagt der Leiter der Autobahnmeisterei. Die Entsorgung jeder einzelnen Flasche kostet 125 Euro. Immer wieder kommt jemand zu Günther, schüttelt die Hand und gratuliert ihm herzlich. Hat der Mann Geburtstag? Nein, er lacht, man gratuliere ihm zu 60 Jahren Autobahnmeisterei. Das sei mehr als Beruf, das sei Berufung. „Man muss einen Hau haben, dass man das langfristig macht“, sagt er. Entsprechend händeringend sucht man in Diedenbergen nach weiteren Kollegen mit einer Leidenschaft für Straßen. Von 41 Soll-Stellen sind 29 besetzt, dazu kommen zwei Azubis für den Beruf des Straßenwärters. Auch Quereinsteiger sind willkommen.
