Gut, dass die Hochspringerinnen von so schmaler Statur sind, denn ansonsten wäre es an diesem Freitag etwas eng geworden auf dem zweithöchsten Treppchen des Siegerpodests bei der Hallen-WM der Leichtathletik in Toruń. Gleich drei von ihnen teilten sich den zweiten Platz und gewannen jeweils Silber. Die Australierin Nicola Olyslagers, die Serbin Angelina Topic und die Ukrainerin Julija Lewtschenko übersprangen jeweils 1,99 Meter im ersten Versuch – und scheiterten dann allesamt dreimal an 2,01. Da das silberne Trio zuvor alle aufgelegten Höhen jeweils auf Anhieb gemeistert hatte, gab es keine Abstufung ihrer Leistungen, sondern dreimal Silber. Den Sieg sicherte sich einmal mehr Weltrekordhalterin Jaroslawa Mahutschich. Die Olympiasiegerin aus der Ukraine meisterte 2,01 Meter im ersten Versuch und konnte dann zuschauen, wie sich ihre Konkurrentinnen vergeblich mühten. Die 1,80 Meter große Sportlerin stellt schon lange den Goldstandard in ihrer Disziplin dar. Sie war 2022 und 2024 Europa- sowie 2023 Weltmeisterin. Vor vier Jahren gewann sie bei der Hallen-WM in Belgrad Gold, nachdem sie zuvor mit dem Auto aus dem Kriegsgebiet geflüchtet war und 60 Stunden Anreise in Kauf genommen hatte Für Mahutschich hatte der Ort des aktuellen Geschehens ebenfalls eine besondere Bedeutung – und das nicht nur, weil sie hier 2021 ihren ersten großen Titel gewonnen hatte, die Hallen-EM: „Toruń ist eine Stadt, in die viele Ukrainer nach dem Ausbruch des Krieges in unserer Heimat gezogen sind“, erinnerte sie sich. Aber es sei wirklich überraschend gewesen, „wie viele Fans hierhergekommen sind, um mich zu unterstützen. Es war unglaublich.“ Mahutschich gilt in der Ukraine als hochspringende Freiheitskämpferin. Sie tritt stets mit blau-gelb geschminkten Augen auf – den Farben der Ukraine. Mit ihren Siegen versucht sie, den Leuten in ihrer Heimat Mut zu machen. Zugleich schöpft sie Kraft aus der Unterstützung der Zuschauer. „Sie haben mir viel Energie und Motivation gegeben, die Latte noch einmal höher zu legen, obwohl ich bereits die Goldmedaille gewonnen hatte.“ An ihrer nächsten Höhe scheiterte die Weltrekordhalterin dann aber auch. 2,06 waren diesmal zu hoch für die 24-Jährige, die im vergangenen Jahr den Weltrekord auf 2,10 Meter gesteigert hatte. Die Kölnerin Imke Onnen, die ihren persönlichen Rekord im Vorjahr auf 1,98 verbessert hatte, kam nicht über 1,89 Meter und den achten Platz hinaus.
