FAZ 04.08.2026
06:54 Uhr

Hitze-Liveblog: Waldbrände in Europa und USA: Zehntausende müssen fliehen


Großfeuer in den Niederlanden nahe deutscher Grenze +++ DWD erwartet am Dienstag bis zu 38 Grad und Gewitter +++ Höchste Hitzewarnstufe in Seoul ausgerufen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: Waldbrände in Europa und USA: Zehntausende müssen fliehen

Höchste Hitzewarnstufe in SeoulInmitten einer anhaltenden Hitzewelle hat der koreanische Wetterdienst erstmals in diesem Jahr die höchste Hitzewarnstufe für die Hauptstadt Seoul ausgerufen. Am Dienstagmittag Ortszeit haben die Temperaturen in Seoul 38 Grad erreicht, in der Nacht wird es laut Prognosen nur bis 29 Grad abkühlen. Die Bevölkerung wurde unterdessen aufgefordert, sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten und ausreichend Wasser zu trinken. In Seoul haben die Behörden zudem rund 4.000 öffentliche Einrichtungen als Hitzeschutzräume ausgewiesen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Hauptstadt hat 9,6 Millionen Bewohner, in der Metropolregion Seoul leben mehr als 25 Millionen Menschen - rund die Hälfte der Bevölkerung des Landes.

Bis zu 38 Grad am DienstagDeutschland steht am Dienstag ein sehr heißer Tag bevor – und zugleich ein Wetterumschwung mit teils heftigen Gewittern. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet verbreitet mit 30 bis 38 Grad, nur in Küstennähe bleibt es mit 25 bis 30 Grad etwas weniger heiß.Im Nordosten und Osten kann es laut Vorhersage schon am Morgen mit Schauern und Gewittern losgehen. In vielen anderen Regionen beginnt der Tag zunächst freundlich, doch im Laufe des Vormittags und besonders am Nachmittag wachsen Quellwolken rasch zu kräftigen Gewittern heran. Dabei besteht Unwettergefahr, unter anderem durch heftigen Starkregen mit teils mehr als 25 Litern je Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und schweren Sturm und orkanartigen Böen mit Geschwindigkeiten von 90 bis 120 Kilometern pro Stunde. Am Abend können von Südwesten her weitere Gewitter aufziehen.In der Nacht zum Mittwoch sind laut DWD zunächst weiterhin Schauer und Gewitter möglich, teils auch noch kräftig. In der zweiten Nachthälfte sollen die Gewitter dann nach und nach Richtung Nordosten abziehen und schwächer werden. Die Temperaturen sinken auf 22 bis 16 Grad.In weiten Teilen Deutschlands bleibt die Waldbrandgefahr zudem hoch.

Vermutlich Hitzschlag: Drei Löwinnen in Zoo in Tokio gestorbenInmitten anhaltend schwüler Hitze sind drei Löwinnen in einem Zoo in Tokio gestorben. „Unserem Tierarzt zufolge wird als Todesursache ein Hitzschlag vermutet“, sagte eine Sprecherin des Tama-Zoos in der japanischen Hauptstadt am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Bei den toten Tiere sei Dehydrierung und mehrfaches Organversagen festgestellt worden. Weitere Löwen seien in Behandlung. Seit Mitte Juli hätten zehn der 16 Löwen im Tama-Zoo Symptome wie „Appetitlosigkeit und verringerte Aktivität“ gezeigt, teilte der Zoo mit. In der vergangenen Woche seien dann nacheinander drei weibliche Tiere gestorben.Die Zoo-Sprecherin verwies darauf, dass Löwen eigentlich als widerstandsfähig gegen Hitze gelten. „Die Hitze hier geht aber mit hoher Luftfeuchtigkeit einher; das unterscheidet sich von der Hitze bei trockener Luft in Afrika“, sagte sie der AFP. „Und in diesem Sommer setzte die Hitze schlagartig ein, gleich nachdem die Regenzeit im Juli vorüber war.“In Teilen Japans werden seit einigen Wochen immer wieder Temperaturen von 40 Grad Celsius erreicht. Im vergangenen Jahr erlebte das Land den heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. 

Donau-Dürre: Rumänien sprengt Felsen für AKW-KühlwasserZur besseren Wasserversorgung des Kernkraftwerks Cernavoda hat Rumäniens Armee im Bett eines Donau-Arms einen Felsen gesprengt. Das AKW bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau, deren Wasserstand dramatisch gesunken ist. Das Kraftwerk droht in Ermangelung von Kühlwasser abgeschaltet werden zu müssen.Im Bett eines Donau-Arms bei Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts von Cernavoda, sprengten Soldaten den durch die Dürre freigelegten Felsen. Dessen Trümmer sollen binnen zwei Tagen mit Lastkähnen an eine bestimmte Stelle in einem Donau-Arm gebracht und versenkt werden, um dort den Wasserstand zu erhöhen, so dass mehr Wasser zum AKW Cernavoda im Osten des Landes gelangt.Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete die Sprengung als Erfolg. Man hoffe, dass das AKW so genügend Wasser erhalte. Sicher sei in jedem Fall, dass dadurch die Donau-Schifffahrt erleichtert werde. Seit 30 Jahren habe die Armee erfolglos versucht, diesen Felsen in der Donau zu beseitigen. Sollte diese teilweise Fluss-Umleitung scheitern, müsse das AKW spätestens an diesem Donnerstag ganz abgeschaltet werden, sagte der Minister weiter.

Wasserengpässe in HessenIn Hessen ist Wassersparen angesagt, vor allem rund um den Taunus. Vielerorts steht die sogenannte Wasserampel, ein Instrument um Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Einblick über die aktuelle Wasserversorgung zu geben, auf Gelb. Rund um den Taunus ist zum Teil sogar Warnstufe Rot erreicht. So muss etwa in Kronberg, Oberursel, Schmitten und Grävenwiesbach der Wasserverbrauch auf das Nötigste reduziert werden. Die Wasserampel steht hier auf Rot: Um die Trink- und Löschwasserversorgung sicherzustellen und einen Trinkwassernotstand zu vermeiden, muss deutlich Wasser gespart werden. Steht die Wasserampel auf Gelb oder Rot rufen die Versorger dazu auf, Pools und Wasserspeicher nicht mehr zu füllen und auf die Reinigung von Fahrzeugen und Gebäuden zu verzichten. Die Garten- und Rasenbewässerung soll eingestellt (Wasserampel auf Rot) oder zumindest auf das Notwendigste reduziert werden (Wasserampel auf Gelb).

England und Wales verzeichnen trockensten Juli seit Beginn der AufzeichnungenIn England und Wales hat es in diesem Juli so wenig geregnet wie seit mehr als hundert Jahren nicht. Es sei der trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, die es in England schon seit 1836 gibt, teilte die britische Wetterbehörde am Montag mit. Großbritannien verzeichnete mit 38 Grad im Juni zudem einen Temperaturrekord.Nach Angaben der britischen Umweltbehörde ist infolge der geringen Niederschläge und der Hitze in den vergangenen Wochen mehr als die Hälfte der Fläche Englands von Dürre betroffen. Ihren Angaben aus der vergangenen Woche zufolge fiel im Juli landesweit nur sieben Prozent der erwarteten Niederschlagsmenge, in einigen Teilen Südenglands sogar nur ein Prozent.

Brände in Frankreich weitgehend unter KontrolleIn Frankreich herrscht zwar in vielen Regionen weiterhin eine hohe Waldbrandgefahr, die meisten der zuletzt tobenden Brände sind inzwischen aber unter Kontrolle. Die Lage gilt als stabil. Die Feuerwehr ist dennoch mit umfangreichen Kräften weiter damit beschäftigt, letzte Brandherde abzulöschen und ein Wiederaufflammen der Feuer zu verhindern.An der Atlantikküste bei Bordeaux, wo der in dieser Saison bislang schlimmste Brand gewütet hatte, kehren die Bewohner weiterer evakuierter Orte nach Hause zurück. Einige Menschen aus dem Ort Le Porge müssen aber noch in ihren Ausweichquartieren ausharren: In diesem Ort war während des Brandes im Boden vergrabene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Der Kampfmittelräumdienst sucht noch das Gelände ab, bevor die Menschen in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

Historisch schlechte Zuckerrüben-Ernte befürchtetTrockenheit, Hitze und Krankheiten machen den Zuckerrüben zu schaffen. Deshalb dürfte in Süddeutschland voraussichtlich ein Drittel weniger Zucker erzeugt werden als im Vorjahr, wie der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer in Ochsenfurt in Unterfranken mitteilte. Man erwarte die niedrigste Ernte seit der Wiedervereinigung, sagte Geschäftsführer Paul-Martin Pfeuffer.Der Verband rechnet mit Auswirkungen auf die Verbraucherpreise, denn auch andernorts fällt die Ernte schlecht aus. Frankreich, das größte europäische Rübenanbau-Land, leide unter extremer Hitze und Trockenheit, „das hat im Markt Gewicht“, sagte Pfeuffer. „Wenn wichtige Anbauregionen schwächeln, erwarten wir eine Reaktion.“Während Getreidefelder schon meist abgeerntet sind, ist der Hochsommer für die Zuckerrübe noch eine wichtige Phase, da Masse und Zucker zuwachsen. Allerdings: Wegen der anhaltenden Trockenheit hätten die Pflanzen vielerorts ihr Wachstum eingestellt, hieß es weiter. Selbst auf Standorten mit normalerweise guter Wasserversorgung zeigten die Bestände deutliche Stresssymptome wegen Trockenheit.

„Schlimmste Naturkatastrophe, die unsere Region je erlebt hat“Auch im Nordwesten der USA sind verheerende Feuer ausgebrochen. Im Bundesstaat Washington haben drei Brände Behördenangaben zufolge mehr als 600 Häuser und andere Gebäude zerstört. Die Feuer seien die „schlimmste Naturkatastrophe, die unsere Region je erlebt hat“, sagte die Bürgermeisterin der Stadt Spokane, Lisa Brown, auf einer Pressekonferenz.Verletzte oder Tote seien bislang nicht gemeldet worden, hieß es. Angesichts des Ausmaßes der Brände könne sich das jedoch ändern, sagte Washingtons Gouverneur Bob Ferguson. In den vergangenen Tagen waren rund um die Stadt im Osten des Bundesstaates aus bislang ungeklärter Ursache drei große Brände ausgebrochen. Betroffen ist nach Daten der gemeinnützigen Warn- und Karten-App Watch Duty eine Fläche von mehr als 32 Quadratkilometern. Über 900 Einsatzkräfte kämpften nach Angaben der Behörden zufolge am Sonntag gegen die Brände. Für Tausende Menschen in und um Spokane galten Evakuierungsanordnungen. Spokane zählte laut US-Zensus im Jahr 2025 fast 231.000 Einwohner. Behördenangaben zufolge sind in Washington derzeit mindestens 15 größere Waldbrände auf einer Fläche von mehr als 1000 Quadratkilometern aktiv. Es handle sich um eine „außergewöhnliche“ Waldbrandsaison, hieß es. 

Kleider gegen die SonneGanz ohne Sonnencreme geht’s nicht. Aber mit der richtigen Bekleidung ist man auch genügend gut geschützt. Drei Langarmoberteile, zwei Hüte und eine Hose im Tragetest:

Löschflugzeuge in Griechenland wieder im EinsatzNachdem sich der Wind in den griechischen Waldbrandgebieten gelegt hat, haben am Montag erneut Feuerwehrleute aus der Luft ihre Kollegen am Boden im Kampf gegen die Flammen unterstützt. 13 Löschflugzeuge und zwölf Hubschrauber waren laut Feuerwehr in den Regionen Attika um die Hauptstadt Athen sowie in der benachbarten Region Böotien im Einsatz, zudem kämpften rund 450 Feuerwehrleute am Boden gegen die Flammen.In den vergangenen Tagen hatte starker Wind den Einsatz von Löschflugzeugen in Griechenland erschwert oder gar vollständig verhindert. Trotz des nachlassenden Windes stuften die Behörden die Waldbrandgefahr am Montag weiter als „sehr hoch“ ein. In den Regionen Attika und Böotien galt die zweithöchste Warnstufe vier.Die größten Feuer loderten am Montag in einem Gebiet etwa 50 Kilometer westlich von Athen. Ein Feuerwehrsprecher berichtete von Bränden nahe den Orten Kandyli Megara und Agia Skepi. Die Lage habe sich verbessert, es gebe aber „absolut keinen Grund dafür, weniger wachsam zu sein“, sagte er dem Sender ERT. Die Einwohner mehrerer Dörfer rund 45 Kilometer westlich von Athen wurden aufgerufen sich in Sicherheit zu bringen, wie der stellvertretende Zivilschutzminister Kostas Katsafados ERT News sagte. Zudem gab es in einigen Gebieten weiter Glutnester, die durch Wind wieder zu einem Brand angefacht werden könnten. Andere kleine Brände, etwa auf der bei Urlaubern beliebten Insel Kefalonia, waren laut Feuerwehr „unter Kontrolle“. 

Welches Deo kann was?Dass wir schwitzen, können wir bei diesen Temperaturen nicht verhindern. Ob wir schlecht riechen, schon. Mein Kollege Jannis Holl hat einige Deodorants ausprobiert und einen persönlichen Favoriten gekürt:

Auf die Hitze folgen Unwetter„Nach der Hitzewelle ist quasi vor der Hitzewelle“: Auch in der neuen Woche wird es in Deutschland heiß. Ab Dienstag sollten sich die Menschen zudem auf Unwetter einstellen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. „Denn am morgigen Dienstag schiebt sich die schwül-heiße und gewitterträchtige Luft bis in den Nordosten, wo nachmittags und abends ein hohes Unwetterpotential besteht – nach aktuellem Stand“, heißt es vom DWD. Auch von Südwesten ziehen demnach neue Schauer und kräftige bis schwere Gewitter heran, die örtlich wieder unwetterartig ausfallen könnten. Dann liegen die Temperaturen laut Vorhersage zwischen 30 und 38 Grad. Auch in der Nacht zu Mittwoch könne es teils kräftige Schauer und Gewitter geben. Am Tag verlagere sich das Gewitterrisiko in Richtung Süden und Osten. Die Temperaturen steigen dann auf 30 bis 35 Grad. Sollte es bis Donnerstag nicht ausreichend geregnet haben, „droht eine weitere Verschärfung der regional sowieso schon massiven Trockenheit“, schreibt der Deutsche Wetterdienst. „Auch die Vegetationsbrandgefahr könnte dann noch immer hoch bis extrem hoch ausfallen und den Feuerwehren viel Arbeit machen.“Die große Hitze ist nach der Wochenmitte dann erst mal überstanden: Am Donnerstag werden noch bis zu 30 Grad erwartet, am Freitag bis zu 28 Grad. „Wirklich kühl wird es aber auch in den Folgetagen nicht“, so der DWD.

Hitzewarnung für weite Teile DeutschlandsDer Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für weite Teile Deutschlands eine amtliche Hitzewarnung herausgegeben. Betroffen sind laut der Warnkarte vor allem Regionen in der Mitte und im Süden – von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über Hessen und Thüringen bis nach Baden-Württemberg, Bayern und Teile Sachsens. Für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und den Norden Deutschlands gibt es demnach keine Warnungen. Die Warnung gilt nach Angaben des DWD von 11.00 bis 19.00 Uhr. Eine Warnung vor extremer Hitze wurde nicht ausgegeben. Nach Angaben des Wetterdienstes werden Hitzewarnungen herausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung erwartet wird und sich Wohnräume nachts nicht ausreichend abkühlen können. Grundlage ist die „Gefühlte Temperatur“, die am frühen Nachmittag etwa 32 Grad überschreiten muss. Ab 38 Grad warnt der DWD vor einer „extremen Wärmebelastung“.