FAZ 11.08.2026
11:20 Uhr

Hitze-Liveblog: Menschen im Main-Kinzig-Kreis sollen nicht mehr duschen


Bevölkerung soll wegen Waldbrand Wasser sparen +++ Deutscher muss 450 Euro für Sprung in römischen Brunnen zahlen +++ Neuer Höchststand bei Ausfällen in französischen AKW +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: Menschen im Main-Kinzig-Kreis sollen nicht mehr duschen

Bahn meldet HitzeschädenDie Bahn meldet hitzebedingte Schäden auf der Fernverkehrsstrecke zwischen Stuttgart und Nürnberg. Reisende müssten mit dem Ausfall der Halte in Crailsheim, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd rechnen. In Aalen und Ansbach halten die Züge demnach weiter. Auch könne es bei Verbindungen zu Verspätungen von etwa 20 Minuten kommen.Als Grund für die Probleme nennt die Bahn Hitzeschäden an den Schienen, die dazu führen, dass die Züge in einigen Bereichen langsamer fahren müssen. Die Strecke werde seit Montag und noch bis zum 30.8. repariert, heißt es in einer Mitteilung. Einer Bahnsprecherin zufolge hängt die Reparatur der Schienen auch von der Außentemperatur ab. Seien die Schienen zu heiß, ließen sich diese nicht verarbeiten.Im Fernverkehr sind laut Bahn IC-Züge zwischen Karlsruhe Hbf - Stuttgart Hbf - Nürnberg Hbf - Saalfeld (Saale) - Leipzig Hbf betroffen. Fahrgäste mit dem Ziel Crailsheim, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd würden gebeten, auf den Regionalverkehr umzusteigen.

Main ist 27 Grad warm – Warnstufe ausgerufenDie Bezirksregierung von Unterfranken hat wegen der hohen Wassertemperatur und des niedrigen Abflusses für den gesamten Verlauf des Mains von der hessischen Landesgrenze bis Bamberg in Oberfranken einen Alarmplan aktiviert. Bereits in der vergangenen Woche war eine Warnung für den Abschnitt zwischen hessischer Grenze und Würzburg ergangen. Jetzt gilt diese flussaufwärts bis Bamberg. In der Gegend um Würzburg werden im Main derzeit Wassertemperaturen von um die 27 Grad gemessen. Der Sauerstoffgehalt im Fluss sei allerdings noch unkritisch, auch weil durch die hohe Sonneneinstrahlung Algen wachsen und diese Sauerstoff produzieren, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung. Dennoch bedeutet die Hitze eine große Gefahr für Tiere und Pflanzen und damit für das gesamte Ökosystem im Fluss.Die Lage sei wegen des niedrigen Abflusses in Kombination mit den hohen Wassertemperaturen kritisch. Organisationen, die direkt in den Main einleiten wie etwa Kläranlagen und Industriebetriebe, sollten sensibilisiert werden und ihr Verhalten der Situation anpassen, heißt es weiter. 

„Es ist erschreckend, wo unser gutes Wasser ist\"Marion Retz ist extra aus dem Westerwald nach Kaub gefahren. Eine Stunde Fahrt hat sie auf sich genommen, um hier zu sein. Sie sei heute mal „Touristin“, sagt sie. Die 55-Jährige trägt Sonnenbrille, Hut und ein orangefarbenes T-Shirt. Sie lacht viel. Sie sagt, sie habe schon Touristengruppen beobachtet, die früh hierhergekommen seien. „Es ist nun mal eine einmalige Situation“, sagt sie. „Es ist erschreckend, wo unser gutes Wasser ist. Ich bin baff davon.“ Die Drohnenbilder vom Rhein, die sie in den Medien gesehen hat, hätten sie beeindruckt. Sie habe gedacht, dass sie einfach in den Rhein „latschen“ und etwas Besonderes, wie zum Beispiel Rheingold oder einen besonderen Stein, auftreiben könne. Ihr gefällt das Wortspiel: „In den Rhein reingehen und dann kleine Schätze finden.“ Aber das Wasser sei stellenweise doch sehr tief.

Pegelstand in Kaub bei 14 ZentimeternHallo aus Kaub am Rhein! Hier liegt der Pegelstand zurzeit bei 14 Zentimetern. Der Pegel befindet sich am oberen Ende der rechtsrheinischen Fährrampe in Kaub. Dort führt eine Treppe nach unten zu den Pegellatten.Die Pegellatten sind am Ufer an einer geeigneten Stelle angebracht, sie sehen aus wie ein überdimensionaler Zollstock. Jedes schwarze „E“ deckt 10 Zentimeter in der Höhe ab. Am Fuß von jedem „E“ steht die Höhe über dem Pegelnullpunkten in zweistelligen Zahlen in Dezimeter.Auch am Pegelturm lässt sich die Stand ablesen. Dieser wurde im Jahr 1905 gebaut und misst etwa 18 Meter. Auf der Felsen- oder Gebirgsstrecke zwischen Sankt Goar und Bingen gilt der Kauber Pegel als maßgeblicher Wasserstandsanzeiger. 

Sprung in römischen Brunnen kostet Deutschen 450 EuroBei Temperaturen nahe der 40 Grad hat ein deutscher Urlauber in einem von Roms historischen Brunnen Abkühlung gesucht – was ihn nun teuer zu stehen kommt. Der 42 Jahre alte Mann wurde von der Polizei aus dem Najaden-Brunnen auf der Piazza della Repubblica geholt, einem zentralen Platz unweit des Hauptbahnhofs. Gegen ihn wurden 450 Euro Geldstrafe sowie ein Platzverbot verhängt. In Rom ist es seit vielen Jahren durch eine Verordnung verboten, in einen der zahlreichen historischen Brunnen zu steigen oder gar darin zu baden oder zu tauchen. In der Vergangenheit kam es auch vor, dass Brunnen beschädigt wurden. Der Najaden-Brunnen (Fontana delle Naiadi) ist verhältnismäßig neu: Er wurde 1901 nach dem Modell der Belle Époque gebaut. Die Najaden sind Wassernymphen aus der griechischen Mythologie. 

Neuer Höchststand bei Ausfällen in französischen AKWHitze und Trockenheit setzen der Atomstromproduktion in Frankreich zu: Für den Kraftwerkspark des Betreibers EDF wurde am Sonntagnachmittag ein neuer Höchststand bei den Ausfällen verzeichnet, wie aus Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP zu den seit 2015 veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Ausfallquote erreichte 15,6 Prozent – noch nie zuvor fehlte in Frankreich so viel Kernkraftleistung aufgrund steigender Temperaturen der Flüsse und sinkender Durchflussmengen.Die insgesamt 57 Atomreaktoren des Landes, die üblicherweise rund 70 Prozent der Stromerzeugung decken, liegen allesamt an Gewässern, um die Kühlung der Anlagen zu ermöglichen. Im Falle von Dürren oder Hitzewelle muss die Produktion jedoch gedrosselt werden, um Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen und zu verhindern, dass sich etwa das Wasser von Flüssen noch weiter aufheizt. Am Sonntag mussten so fünf Reaktoren (Tricastin 1 und 4, Saint-Alban 1 und 2 sowie Bugey 3) ihre Leistung anpassen. Zudem waren vier Reaktoren (Golfech 2, Chooz 1 und 2, Cattenom 1) außer Betrieb.Mit Blick auf die Sicherheit hob EDF hervor, dass die Reaktoren trotz hoher Wassertemperaturen ohne erhöhtes Risiko betrieben werden könnten; die von der französischen Atomaufsichtsbehörde für jeden Standort festgelegten Grenzwerte dienten dem „Schutz von Flora und Fauna“, erklärte der Konzern. EDF verwies außerdem darauf, dass die Auswirkungen von Dürreperioden und Hitzewellen auf die Atomstromerzeugung „sehr gering“ seien – Frankreich sei weiterhin ein bedeutender Stromexporteur innerhalb Europas.

Verheerender Brand in AndalusienAbermals ist ein Brand in Spanien ausgebrochen, dieses Mal im Südwesten. Hunderte fliehen vor den Flammen, die sich weiter schnell ausbreiteten. Ein Minister erklärt, da Feuer sei „außerhalb der Löschkapazität“:

Sechs Massenbleichen seit 2016Aufatmen am Great Barrier Reef: Ein spät einsetzender Sommermonsun hat Teile des weltberühmten Korallenriffs vor der australischen Ostküste vor weiterer Hitze geschützt. Als im Norden und Zentrum bereits erste Anzeichen einer neuen Korallenbleiche auftraten, brachten Wolken und Regen in den ersten Monaten des Jahres dringend nötige Abkühlung, wie aus einer aktuellen Experten-Studie hervorgeht.Wind, Wellen und Durchmischung sorgten zudem dafür, dass heißes Oberflächenwasser mit kühlerem Wasser aus tieferen Schichten vermischt wurde. Das zeigt der jüngste Jahresbericht des staatlichen Meeresforschungsinstituts (AIMS), das das Riff seit 40 Jahren untersucht. Die Wissenschaftler sprechen von „ermutigenden Anzeichen einer Erholung“.Die Bedeckung mit lebenden Hartkorallen nahm demnach in den nördlichen und zentralen Regionen leicht zu: Im Norden stieg sie zwischen August 2025 und Juni 2026 von 30 auf 35,1 Prozent, im Zentrum von 28,6 auf 31,6 Prozent. Im Süden sank sie dagegen leicht von 26,9 auf 26,4 Prozent.  

Ein Schiff entspricht 150 LastwagenDie Hitze trifft die Unternehmen immer heftiger. Das zeigt sich am Rhein: Ohne den wichtigen Fluss ist die Chemieindustrie nicht denkbar. Was tun?

Stundenlange Sperrung wegen Waldbrands - A7 wieder freiNach mehr als zwölf Stunden ist die A7 im Süden Niedersachsens in beide Richtungen wieder befahrbar. Die Polizei hatte die Autobahn, die Göttingen und Kassel verbindet, am Montagnachmittag gesperrt. Dichter Rauch soll von einem Waldbrand bei Hann. Münden (Kreis Göttingen) auf die Autobahn gezogen sein und ein sicheres Befahren der Autobahn unmöglich gemacht haben. Die Reinigungsarbeiten auf der Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Hedemünden und Lutterberg dauerten zum Teil bis in die frühen Morgenstunden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Autobahn könne nun wieder in beide Richtungen befahren werden.

Handel fordert Maßnahmen zur Abkühlung der InnenstädteAngesichts zunehmender Hitzetage in Deutschland fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) Maßnahmen zur Abkühlung der Innenstädte wie mehr Bäume oder Sonnensegel. „Stadtzentren verlieren bei Temperaturen von über 30 Grad massiv an Attraktivität“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Nachrichtenagentur AFP. „Die Hitze verdirbt vielen Menschen auch spürbar die Lust auf den Einkaufsbummel in der Innenstadt.\" Die Kommunen müssten dringend finanziell in die Lage versetzt werden, flächendeckend in Deutschland für Abkühlung in den Innenstädten zu sorgen, forderte Genth. Gefragt seien insbesondere mehr Bäume und Grünflächen. Aber auch mehr offene Wasserflächen und Brunnen seien von zentraler Bedeutung. Zudem gelte es aus der Installation von Schatten spendenden Sonnensegeln in südlichen Ländern zu lernen und ähnliche Modelle umzusetzen. Auch öffentliche Trinkwasserspender seien eine gute Anregung.„Angesichts des Klimawandels werden die Hitzetage in unseren Innenstädten immer weiter zunehmen“, sagte Genth. „Das nimmt den Einzelhandel an seinem Standort Nummer eins zunehmend in den Schwitzkasten.“ Vielerorts sei die wirtschaftliche Lage in den Stadtzentren ohnehin schon alles andere als einfach. Der Einzelhandel sei die zentrale Branche in den Innenstädten, die meisten Menschen kämen in die Stadtzentren des Einkaufens wegen. „Die Innenstadt ist für viele Menschen ein wichtiges Stück Heimat. Die ortsansässigen Geschäfte sind ein unverzichtbarer Teil davon“, sagte Genth. „Das sollten wir nicht leichtfertig verloren geben.“ Die Politik müsse handeln.

Behörde: Juli war wärmster Monat in den USA seit Beginn der AufzeichnungenDer Juli war offiziellen Angaben zufolge der heißeste Monat überhaupt in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren. Im Juli betrug die durchschnittliche Temperatur in den 48 Bundesstaaten ohne Alaska, Hawaii und den US-Überseegebieten 24,9 Grad Celsius, wie die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) am Montag mitteilte. Bislang war der Juli 1936 der heißeste Monat in den USA gewesen.Die anderen drei der heißesten fünf Monate in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen waren der Juli 2006, der Juli 2012 und der Juli 2022. Die sogenannten „Dust-Bowl-Sommer“, insbesondere der von 1936, waren durch eine Kombination aus Dürre und extremer Hitze sowie Überpflügung in den Great Plains angeheizt worden. Dabei beeinflusste das heiße, freiliegende Land die Temperaturen in ganz Nordamerika und darüber hinaus.

Mehr als 70 Prozent Englands von Dürre betroffenFast drei Viertel Englands sind nach Angaben der Regierung in London mittlerweile von einer Dürre betroffen. 71,3 Prozent des Landesteils „befinden sich inzwischen im Dürrezustand, da sich die Lage nach einem trockenen Start in den August weiter verschlechtert hat“, erklärte das britische Umweltministerium am Montag. „Nirgendwo“ im Vereinigten Königreich herrsche noch der Normalzustand.Parks und Felder, die zu dieser Jahreszeit normalerweise grün sind, waren ausgetrocknet und gelb, wie Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten. Gleichzeitig sanken vielerorts die Flusspegel, und Landwirte warnten vor möglichen Lebensmittelengpässen infolge von Missernten - und das in einem Land, das eigentlich für sein feuchtes Wetter bekannt ist.Dabei war zunächst keine Besserung in Sicht - stattdessen steht dem Land in den kommenden Tagen die fünfte Hitzewelle des Jahres bevor. Niederschläge waren dagegen zunächst nicht vorhergesagt. Dem britischen Wetterdienst zufolge fiel im Juli in England und Wales so wenig Regen wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - in England waren es nur zehn Prozent der sonst üblichen Regenmenge. Wegen der Dürre haben die Behörden bereits zahlreiche Beschränkungen für Bauern und Bürger erlassen. In einigen Regionen ist es zum Beispiel verboten, Pflanzen mit einem Gartenschlauch zu gießen. Insgesamt sind 27 Millionen Briten von den Wasser-Einschränkungen betroffen.

Industrie drosselt wegen Rhein-Niedrigwasser ProduktionDas anhaltende Niedrigwasser ​im Rhein zwingt erste Unternehmen zu ⁠Produktionskürzungen. Südlich von Kaub drohe ein komplettes Abschneiden der Transportwege, sagte Thomas Puls, ‌Verkehrsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der „Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe). Da weder Straße noch Schiene die ‌anfallenden ‌Güter aufnehmen könnten, sei die wahrscheinlichste Reaktion der Grundstoffindustrien eine Produktionsreduktion.Der Chemiekonzern Covestro meldete ​bereits Einschränkungen. „Aufgrund der akuten ⁠Niedrigwasserlage ist der Rohstoff- und Warenverkehr derzeit erheblich eingeschränkt“, sagte ​ein Sprecher dem Blatt. Dies wirke ⁠sich inzwischen auch auf ‌die Rohstoffversorgung und die Produktion einzelner Betriebe aus. Eine Verlagerung auf ⁠die Straße ⁠sei dem Sprecher zufolge kaum möglich, da ⁠ein ​einziges ⁠Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit ​von 1500 Tonnen rund 60 ‌Lkw-Fahrten ersetze.