FAZ 30.09.2026
10:47 Uhr

Hitlergruss bei MMA: Zielgruppe Extremisten


MMA im Frankfurter Stadion, Samstagabend: Eine Zuschauerin zeigt den Hitlergruß. Die Reaktionen verdeutlichen, wie groß das Problem ist, das Veranstalter, TV-Sender und Protagonisten teilen.

Hitlergruss bei MMA: Zielgruppe Extremisten

Das Video ist nur einige Sekunden lang. Beim Kampfsportevent Oktagon 94 im Frankfurter Waldstadion am Samstagabend ertönt die deutsche Nationalhymne, auf dem Videowürfel erscheinen die Farben Schwarz, Rot und Gold. Zeitgleich steht in einer der oberen Zuschauerreihen eine Frau mit blondem Zopf und schwarzer Kleidung und streckt den rechten Arm in die Höhe. Alles deutet auf den sogenannten Hitlergruß hin – in Deutschland nach Paragraph 86a StGB strafbar mit einer Geldbuße oder bis zu drei Jahren Gefängnis. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Oktagon, Veranstalter und Promoter, kündigte an, die Behörden bei der Identifizierung der Frau zu unterstützen sowie rechtliche Schritte zu ergreifen. Ferner wolle man die Übeltäterin ,,von künftigen Veranstaltungen von Oktagon“ ausschließen: „Für jede Form von extremistischem Verhalten ist bei Veranstaltungen von Oktagon kein Platz“, heißt es in einem Schreiben. So sollen vermeintliche selbstreinigende Kräfte bei den Mixed Martial Arts funktionieren. Doch eine offizielle Stellungnahme auf sozialen Medien zu dem Vorfall ist nicht zu finden. „Die machen dann den Rest“ Auch RTL, das mit 922.000 streamenden Zuschauern am Wochenende einen Rekord erzielte, wirkt zunächst wortkarg: „Die betreffende Szene war nicht Bestandteil der RTL-Übertragung“, sagte ein RTL-Sprecher gegenüber der F.A.Z. „Nach unserem Kenntnisstand wird der Vorfall derzeit von den zuständigen Behörden geprüft.“ Christian Eckerlin, Hauptattraktion des Abends, reagiert auf die Anfrage um eine Stellungnahme nicht, während Philipp Haarburger, Moderator bei Oktagon, unter dem Video auf Instagram schreibt: „Statt zu filmen einfach nem Ordner bescheidsagen, die machen dann den Rest.“ Aus den Augen, aus dem Sinn? Das ist der falsche Schluss. Es ist wichtig, dass der Vorfall dokumentiert wurde, und entlarvend, wie die MMA-Community zum Teil darauf in den sozialen Medien reagiert: Vielleicht habe die Frau nur jemanden grüßen wollen, es sei im Grunde ein Gruß der Römer oder zu Ehren der Gladiatoren, das Ganze sei KI-generiert. Kein Relativierungsversuch schien zu absurd. Dabei hatte sich 50 Jahre alte Tatverdächtige bereits am Montag bei der Polizei gemeldet und räumte ihr Handeln ein, wie die Polizei Frankfurt mitteilte. Diese Nähe zwischen Rechtsextremismus und MMA auch bei Oktagon-Veranstaltungen ist kein Einzelfall. So trat am selben Abend auch Christian Jungwirth an mit einer von Tattoo-Schwärze gezeichneten Brust, auf der vor einigen Jahren noch gut sichtbar ein Zitat von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß zu lesen war. Eine Jugendsünde, wie Jungwirth wiederholt beteuerte. Gleiches sagte auch der populäre tschechische Kämpfer Radek Roušal, der erst bei Oktagon antreten durfte, nachdem seine rechtsextremen Tattoos, darunter ein Porträt von Adolf Hitler auf dem Arm sowie ein SS-Motiv auf der Brust, nicht mehr sichtbar waren. Dass er es überhaupt bis heute darf, ist aber Teil des Problems. Oktagon mag beteuern, gegen Rechtsextremismus zu sein. Wenn man aber Menschen mit einer dem Extremismus nahestehenden Vergangenheit gewinnmaximierend promotet für Events, bei denen auch extreme Formen der Gewalt gezeigt werden, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man auch zahlende Kundschaft mit Sympathie für extremistische Ideologien anlockt. Dessen sollten sich auch diejenigen bewusst sein, die diese Events übertragen.