Im zähen Ringen um den Bau einer dritten Startbahn am größten Flughafen Europas versucht die Betreibergesellschaft Heathrow Airport, einige zentrale Gegner auf ihre Seite zu ziehen. Der neue Heathrow-Chairman Philip Jansen traf sich dazu mit den Chefs der Muttergesellschaft von British Airways, der International Airlines Group (IAG), sowie von Virgin Atlantic und weiteren Airlines. Diese lehnen die bisherigen Heathrow-Pläne ab, da sie deutlich höhere Start- und Landegebühren befürchten. Auch der milliardenschwere Hotel-Eigentümer Surinder Arora stellt sich gegen die Pläne. Die Heathrow Airport Holding hat Aus- und Umbaupläne vorgelegt, deren Kosten auf insgesamt 49 Milliarden Pfund (57 Milliarden Euro) beziffert werden – mehr als früher einmal geschätzt. Dazu gehört die 3,5 Kilometer lange neue Startbahn im Nordwesten des Flughafens sowie ein großer Umbau von Verkehrswegen. Die dritte Startbahn würde seine Kapazität von zuletzt 84 Millionen Reisenden auf bis zu 150 Millionen Passagiere im Jahr erhöhen. Die Zahl der Flüge könnte auf 756.000 Starts und Landungen im Jahr steigen, also gut 2000 am Tag. Die Heathrow Airport Ltd., die 2025 gut 3,6 Milliarden Pfund erlöste, prognostiziert eine weitere starke Zunahme des Luftverkehrs. Allerdings fürchten Fluglinien wie der Marktführer British Airways, dass die Kosten für den Ausbau auf sie und ihre Kunden umgelegt werden. Schon heute gelten die von der Aufsichtsbehörde Civil Aviation Authority (CAA) regulierten Heathrow-Gebühren als die höchsten in Europa und in der Welt. Auch unter den Eigentümern der Heathrow-Holding gibt es Vorbehalte wegen der Kosten des geplanten Ausbaus: Laut Presseberichten erwägt der chinesische Staatsfonds CIC deswegen, seine zehnprozentige Beteiligung zu verkaufen. Haupteigentümer von Heathrow sind die französische Beteiligungsgesellschaft Ardian (mit fast 33 Prozent), der Staatsfonds von Qatar (20 Prozent) und der saudische Staatsfonds PIF (15 Prozent). Kürzere Startbahn könnte Kosten sparen Der Ausbau wird auch dadurch besonders teuer, weil er nicht nur die dritte Startbahn umfasst, wofür etwa 33 Milliarden Pfund veranschlagt werden. Hinzu kommen ein neues Terminal und weitere Modernisierungen. Ein weiterer großer Kostenblock ist, dass die geplante Startbahn so lang ist, dass die viel befahrene Ringautobahn M25 teils in einen Tunnel verlegt werden muss, was Milliarden Extrakosten verursacht. British-Airways-Chef Sean Doyle würde das gerne vermeiden. Hotel-Tycoon Arora hat einen Vorschlag für einen Flughafenausbau mit einer kürzeren Startbahn von 2,8 Kilometer Länge vorgelegt. Nach seinen Aussagen würde dieser sehr viel preiswerter. Heathrow beharrt aber auf den größeren Dimensionen der Nordwest-Startbahn. Zehntausende Anwohner wären davon betroffen, die noch mehr Fluglärm fürchten. Unterstützung erhält Heathrow für das Erweiterungsprojekt durch die Labour-Finanzministerin Rachel Reeves. Sie betont, dass die dritte Startbahn das Wirtschaftswachstum im Königreich beleben werde. Auch die Confederation of British Industry (CBI) sowie andere Wirtschaftsverbände und Unternehmen unterstützen die Pläne. Reeves will „den ersten Spatenstich“ noch während der aktuellen Legislaturperiode (bis 2029) sehen und hofft, die neue Start-und-Lande-Bahn werde bis 2035 in Betrieb genommen. Einige Fachleute halten diesen Zeitplan für sehr ambitioniert. Klagen von Anwohnern und Umweltverbänden gegen das Projekt waren bislang nicht erfolgreich. Auch Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan ist gegen den Ausbau. Reeves hat klargestellt, dass er das Projekt nicht verhindern könne. Im Kabinett von Premierminister Keir Starmer sind indes nicht alle begeistert. Der zum linken Parteiflügel gehörende Energie- und Klimaminister Ed Miliband hat große Vorbehalte, auch wenn er es nicht mehr öffentlich äußert. Mehr Flugverkehr sei nicht mit seinem „Net Zero“-Ziel für Klimaneutralität vereinbar. Die Heathrow-Führung um Vorstandschef Thomas Woldbye und den Ex-BT-Chef Jansen gibt sich optimistisch, dass sie die skeptischen Fluggesellschaften überzeugen kann. Ein Problem könnte es aber geben, falls Premierminister Starmer und seine Schatzkanzlerin nach befürchteten Labour-Wahlniederlagen stürzen. Mit Net-Zero-Minister Miliband als möglichem neuen Schatzkanzler würde der Heathrow-Führung ein anderer politischer Wind entgegenwehen.
