Nach der gescheiterten Abwahl des Raunheimer Bürgermeisters David Rendel (SPD) am Sonntagabend wird in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Stadtverordnete hatten im Untergeschoss des Rathauses geschreddertes Papier gefunden, das in seiner Farbe den Wahlumschlägen entsprochen haben soll. Nun ermitteln Staatsanwaltschaft, Staatsschutz und Polizei, ob womöglich versucht wurde, durch die Vernichtung von Wahlunterlagen das Ergebnis zu beeinflussen. Bewiesen ist nichts. Dennoch sind die Vorwürfe weitreichend. Kritiker beschuldigen die stärkste Parlamentsfraktion „Wir sind Raunheim“ (WsR), die Sache inszeniert zu haben, weil sie die Niederlage nicht verkrafte. Stadtverordnetenvorsteherin Loubna Ouariach (WsR) kämpfte am Sonntagabend nach Bekanntwerden des Fundes mit den Tränen. Auch WsR-Fraktionschef Mohammed Ghazi und andere Stadtverordnete waren sichtlich geschockt. Während die Polizei anrückte und Unterlagen beschlagnahmte, gab es vor dem Rathaus heftige Diskussionen. Am Montag schauten Ermittlungsbeamte der Polizei abermals im Raunheimer Rathaus vorbei, sprachen mit Zeugen und ließen sich umfassend erklären, wer wann Zutritt zu dem Abstellraum im Untergeschoss hat, in dem sich die Räume der Parlamentsfraktionen befinden. Die Beamten interessierten sich auch für die Entsorgungsintervalle des Papiermülls. Dass Unterlagen in Verwaltungen nach Gebrauch geschreddert werden, ist wegen des Datenschutzes üblich. Bürgermeister David Rendel sicherte den Ermittlungsbehörden umfangreiche Unterstützung bei der Aufklärung zu und stellte sich gleichzeitig vor das Personal des Wahlamtes. Das wird in den sozialen Netzwerken ebenfalls angegriffen. Im Wahlamt sei nach bestem Wissen und Gewissen und sehr sorgfältig gearbeitet worden, teilte Rendel in einer Stellungnahme mit. Eigene Überprüfungen in der Verwaltung hätten bei den im Müllraum verbliebenen Müllsäcken keine Reste von Wahlbriefumschlägen erbracht. Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen gibt es laut Rendel bei den Briefwahlen auch keine Abweichungen gegenüber früheren Wahlen. Rendel mahnte die Fraktionen und die Bevölkerung im Zusammenhang mit den jetzt stattfindenden Ermittlungen zu Sachlichkeit und Fairness und warnte vor Vorverurteilungen und Gerüchten. Sollte sich der Verdacht der Manipulation erhärten, könnte die Wahl angefochten werden. Zwar stimmte am Sonntag eine klare Mehrheit für eine Abwahl Rendels, jedoch wurde das erforderliche Quorum von 3331 Stimmen deutlich verfehlt.
