FAZ 01.06.2026
08:42 Uhr

Geschmacksache: Wo Alfons Schuhbeck erst expandierte und dann scheiterte


Um die Jahrtausendwende herum versuchten bekannte Köche, in der Rhein-Main-Region das große Rad zu drehen. Das Feld war schwierig zu bestellen.

Geschmacksache: Wo Alfons Schuhbeck erst expandierte und dann scheiterte

Als am 30. September die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung erstmals als bundesweit verbreitete Zeitung erschien, mit einem 16 Seiten umfassenden Rhein-Main-Teil, waren in diesem zwar viele Fotos. Von den Restaurants aber, die auch damals schon besprochen worden sind, ließ die Redaktion damals und für sehr lange Zeit keine Aufnahmen machen, auch nicht von Gerichten, die in einem Lokal angeboten wurden. Genauso wenig fotografierten damals Gäste im Restaurant ihre Teller, geschweige denn, dass sie die Ergebnisse auf Instagram veröffentlicht hätten, schon weil es diese Plattform noch gar nicht gab. Geblieben ist, wie die Besprechungen in der Rubrik „Geschmacksache“ zustande kommen. Besucht werden die Lokale anonym. Die Kosten der Besuche trägt die F.A.Z., die Bewertung des Restaurants unterliegt nichts anderem als den für solche Formate üblichen journalistischen Standards. Sehr verändert hat sich in 25 Jahren der Berichtsgegenstand. Die kulinarische Landschaft in Deutschland, in der Region, in Frankfurt, ist nicht mehr dieselbe wie damals. Vor einem Vierteljahrhundert war die Szene stärker als heute französisch-klassisch geprägt, vor allem im Spitzensegment. Asiatische Elemente zu verwenden, war noch wenig verbreitet. Heute ist der vormalige Trend in der Breite verankert, während sich die Arbeitsweise etlicher Spitzenköche von diesen Aromen wieder wegbewegt. Einer, der einmal ein sehr bekannter Koch war, ist der Münchner Alfons Schuhbeck. Der Siebenundsiebzigjährige ist schwer krank, er war der Steuerhinterziehung, des Betrugs, der Insolvenzverschleppung verdächtig, er wurde verurteilt, saß im Gefängnis. Vor 25 Jahren war das nicht absehbar und Schuhbeck auf dem Weg zu dem Ruhm, auf dessen höchstem Punkt er nicht nur Wirt und Koch und Fernsehkoch und Caterer war, sondern auch Eis verkaufte, und Gewürze. Er drehte ein großes Rad. Auch Juan Amador zog weiter Auch in der Rhein-Main-Region hat Schuhbeck sich versucht, zuerst, im Jahr 2001, mit einem Restaurant am Flugplatz Egelsbach, dem er seinen Namen gab. „Schuhbeck’s Check-Inn“ war geräumig und schick, mit eigener Brauerei. Und natürlich Gegenstand der „Geschmacksache“, in der es damals hieß: „Einmal in der Woche ist er da, der Mann, dessentwegen sie alle kommen. Dann steht er am Küchenausgang und lässt seinen Blick wohlgefällig über das Lokal schweifen. Fast immer ist es bis auf den letzten Platz besetzt, auch am späten Abend noch. Alfons Schuhbeck, der Wirt des Kurhausstüberls im bayerischen Waging, ist vor gut zwei Monaten am Egelsbacher Flugplatz gelandet und hat dort einen Neubau neben dem Tower eröffnet, „Schuhbeck’s Check Inn“. Die Gäste können frisch gebrautes Bier trinken oder Cocktails in der Bar oder sich in das 200 Plätze zählende Restaurant setzen. Dass das Haus so beliebt ist, liegt wohl am Bekanntheitsgrad des Sternekochs Schuhbeck, der seine bodenständig-edlen Rezepte in vielen Fernsehsendungen charmant verbreitet, vielleicht liegt es aber auch an der Mischung aus Kantinen- und Landhausatmosphäre.“ Zehn Jahre später eröffnete Alfons Schubeck im Büttelborner Landgut Bachgrund ein weiteres Check-Inn-Restaurant, wenig später wurde über das Vermögen der tragenden Gesellschaft dieses Lokals das Insolvenzverfahren eröffnet, Schuhbeck selbst war kurz zuvor als Geschäftsführer ausgeschieden. Er eröffnete dann einen Gewürzladen in der Frankfurter Innenstadt, den gab es aber auch nur zwei Jahre, heute werden dort Birkenstock-Sandalen verkauft. Für den Koch aus München war die Rhein-Main-Region ein Expansionsgebiet. Für einen anderen war sie der Ort, an dem eine Karriere ihn zunächst zwar auch nicht in einen wirtschaftlichen, aber in den kulinarischen Olymp führte. Juan Amador war Küchenchef im Restaurant Carême im Hotel Weyberhöfe in Sailauf bei Aschaffenburg, bevor er 2004 nach Langen wechselte und sein erstes eigenes Lokal eröffnete. Binnen sieben Jahren erkochte sich der damals begeisterte Anhänger der sogenannten Molekularküche in seinem Restaurant Amador drei Michelin-Sterne. Er eröffnete ein zweites Restaurant in Wiesbaden, das Tasca, das er 2009 schließen musste, und danach das Amesa in Mannheim, wohin er 2011 seinen Langener Betrieb verlegte. Im November 2012 musste die Amador AG Insolvenz anmelden; der Restaurantbetrieb ging weiter, Amador fand ein neues Geschäftsfeld unter anderem mit der Konzeption des Sra Bua im damaligen Kempinksi-Hotel in Neu-Isenburg. Heute lebt und arbeitet Amador in Wien, sein Restaurant dort wurde 2019 als erstes in Österreich mit drei Sternen ausgezeichnet. Seit dem Wegzug Amadors gibt es in Hessen kein Drei-Sterne-Restaurant und aktuell nur eines mit zwei Sternen, das „Lafleur“ im Palmengarten-Gesellschaftshaus in Frankfurt mit Küchenchef Andreas Krolik. Womöglich wird das bald anders; am 23. Juni werden die neuen Bewertungen des Guide Michelin für Deutschland bekannt gegeben.