FAZ 05.06.2026
11:33 Uhr

Fraktur: Nach der Schande von Córdoba nun auch noch die Blamage von New York


Wie hat es nur so weit kommen können? Wir sind doch die moralische Supermacht! Vielleicht hätte Baerbock auch besser Gebrauchtwagen verkaufen sollen.

Fraktur: Nach der Schande von Córdoba nun auch noch die Blamage von New York

Jetzt, da unsere Fußballhelden in Amerika angekommen sind und die Durchleuchtung bei der Einreise überstanden haben – offenbar hat keiner je etwas Kritisches über Trump gepostet –, beginnt wieder das große Hoffen und Bangen. Unsere Kicker sind schließlich zu allem fähig: zu Triumphen wie in Bern, aber auch zu schmählichen Niederlagen wie in Córdoba, von dem niemand weiß, wo es liegt. Diese nie verheilte Wunde wurde gerade wieder bis auf den Knochen aufgerissen von der Blamage bei der Abstimmung um den Platz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Denn auch dort haben wir ja nicht nur gegen Portugal verloren, was zu verkraften gewesen wäre, denn dieses Land brachte immerhin Ronaldo hervor. Aber wieder von den Österreichern geschlagen worden zu sein, da kann man nur mit Rainhard Fendrich in „Zweierbeziehung“ singen, nein, schreien: Des reißt ma’s Herz ausse! Haben Sie gesehen, wie die Ösis in New York jubelten? Als hätten sie den European Song Contest gewonnen! Unser Außenminister dagegen schlich davon wie ein geprügelter Hund. Undank ist der Welten Lohn Wie hat es nur so weit kommen können? Ja, Undank ist der Welten Lohn! Als zweitgrößter Beitragszahler finanzieren wir doch auch bei den Vereinten Nationen nicht nur den zweitgrößten Unsinn. Als moralische Supermacht kämpfen wir immer und überall für die hehren Prinzipien des Menschen- und Völkerrechts. Na ja, fast immer. Aber auch wenn den USA und Israel vorgeworfen wird, sie hätten unsere heiligen Regeln verletzt, prüfen wir die Anklage so lange, bis wir uns nicht mehr an sie erinnern können. Und hatten wir den Vereinten Nationen nicht auch noch selbstlos unsere erfahrenste Außenpolitikerin und renommierteste Völkerrechtlerin überlassen, die Erfinderin der feministischen Außenpolitik? Wie unbestechlich Annalena Baerbock ist, hatte sie ja auch gezeigt, als sie das Wahlergebnis wahrheitsgemäß verkündete, obwohl auch sie nun auf ewig mit dieser Schmach verbunden bleiben wird wie die Gurkentruppe, die es damals in Córdoba vergeigte. Vielleicht war es von unserer Regierung aber strategisch unklug, Baerbock nach New York zu schicken und dann auch noch den Sitz im Sicherheitsrat haben zu wollen. So sehr liebt die Welt uns auch wieder nicht. Immer noch klebt unsere Vergangenheit an uns, wir erinnern ja ständig an sie. Felix Austria dagegen war das erste Opfer Hitlers. Klar, auch für Baerbock musste nach dem Bankrott der Ampelkoalition ein warmes Plätzchen gefunden werden. Aber hätte sie nicht in den Gebrauchtwagenhandel einsteigen können wie Christian Lindner? Oder in die Rüstungsindustrie gehen wie Andreas Görgen? Und die Mehrung des Ruhms von Claudia Roth Jetzt werden manche von Ihnen vielleicht fragen: Andreas wer? Das würde der Bedeutung des Mannes nicht gerecht werden und schon gar nicht seinem Selbstverständnis. Der vom damaligen Außenminister Steinmeier entdeckte und beförderte Görgen galt jahrelang als Deutschlands mächtigster Manager linker Kulturpolitik, egal wer unter ihm Minister oder Kulturstaatsministerin war. Claudia Roth hatte ja schon genug damit zu tun, sich um alle Benachteiligten dieser Welt zu kümmern, weswegen ihr vollständiger Titel „Beauftragte der Bundesregierung für Kultur, Medien, Minderheiten aller Art und die Mehrung des Ruhms von Claudia Roth“ hätte lauten müssen. Roths Nachfolger Wolfram Weimer wollte aber natürlich nicht einen linken Vogel als Amtschef behalten, weswegen auch Görgen sich nach dem Untergang der Ampel einen neuen Job suchen musste. Sein Gespür für den jeweiligen Trend der Zeit führte ihn schnurstracks in den Vorstand des U-Boot-Bauers TKMS, wo er sich um „die ordnungsgemäße Abarbeitung des Orderbuchs“ kümmert. Das Schicksal Deutschlands hängt ja nicht mehr von der Rückgabe der Benin-Bronzen ab, sondern von der Produktion von U-Boot- und Panzerstahl. Und wenigstens auf diesem Feld sollten wir die Österreicher ja wohl noch schlagen können.