FAZ 05.10.2026
16:00 Uhr

Flydubai-Passagier: „Im Cockpit war niemand“


Ein Augenzeuge nennt neue Details zum Angriff auf dem Flydubai-Flug. Er habe die mitreisenden Piloten schütteln müssen, damit sie eingriffen und einen Absturz verhinderten.

Flydubai-Passagier: „Im Cockpit war niemand“

Bei der gewalttätigen Auseinandersetzung an Bord eines Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv war das Cockpit einem Augenzeugen zufolge zeitweise verwaist. „Im Cockpit war niemand“, sagt der israelische Geschäftsmann Tal der „Jerusalem Post“. Er habe gesehen, dass ein Pilot verletzt sei, ein anderer in einen Kampf verwickelt gewesen sei. Zugleich habe das Flugzeug massiv an Höhe verloren. Er habe dann zwei neben sich sitzende Piloten ins Cockpit gebracht, die sich dann um die Landung in Saudi-Arabien gekümmert hätten. An Bord des Flugs FZ1073 der emiratischen Fluggesellschaft Flydubai hatte es am Mittwochmorgen einen Kampf zwischen dem Ko-Piloten und dem Piloten gegeben. Letzterer wurde dabei schwer verletzt. Israelische Passagiere überwältigten schließlich den Ko-Piloten. Er wird inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten verhört. Der Ko-Pilot habe einen „Terrorakt“ geplant, teilte der Generalstaatsanwalt am Samstag mit. Beim Versuch, die Kontrolle über den Flug zu übernehmen, habe er den Piloten mit der Rettungsaxt angegriffen, die sich im Cockpit befindet. In mehreren Berichten war zunächst von einem Messer die Rede gewesen. Die israelische Regierung geht von einem dschihadistischen Terroranschlag aus. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Montag unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute israelische Regierungsvertreter, der Ko-Pilot habe bereits vor seiner Einstellung geplant, eine Maschine zum Absturz zu bringen. Der nach dem mutmaßlichen ⁠Anschlagsversuch festgenommene Mann habe bei Verhören in den Emiraten ausgesagt, er habe sich bei der staatlichen Airline beworben, weil diese Tel Aviv anfliege. Eine dritte Person sagte Reuters, der aus Oman stammende Ko-Pilot habe nach eigenen Angaben das Flugzeug in den Ben-Gurion-Flughafen von Tel Aviv stürzen lassen wollen. Augenzeuge: „Ich musste sie schütteln, damit sie nach vorn gingen“ Der Absturz des Flugzeugs konnte wohl nur knapp verhindert werden. Der nur als Tal bezeichnete Augenzeuge erzählte der „Jerusalem Post“ in dem Interview weiter, er habe die beiden Ersatzpiloten anschreien müssen, sie sollten sich nach vorn begeben. Doch sie hätten sich nicht bewegt. „Ich musste sie schütteln, damit sie nach vorn gingen und die Kontrolle über das Flugzeug übernahmen, weil es im Sturzflug war.“ Einer der beiden sei schließlich nach vorn gegangen und habe die Kontrolle übernommen. Der zweite habe länger gebraucht, um sich von dem Schock zu erholen. Die „Jerusalem Post“ schreibt weiter, Tal habe in einer früheren Whatsapp-Nachricht an die Zeitung sein Agieren als „Kampfunterstützung“ bezeichnet, drei andere Israelis hätten den Angreifer körperlich überwältigt. Er habe die Piloten nach vorne gebracht und dabei geholfen, etwas zu finden, mit dem der Angreifer gefesselt werden konnte, ein Ladekabel. An Bord habe es keine Befehlskette und keinen Plan gegeben Derweil habe ein israelischer Zahnarzt den schwer verletzten indischen Piloten behandelt. Nachdem der Angreifer überwältigt worden sei und die beiden Piloten im Cockpit gewesen seien, hätten sie die Besatzungsmitglieder vom unmittelbaren Geschehen weggeführt und ihnen gesagt: „Von jetzt an führen wir den Flug.“ Anschließend hätten sie neben jedes Besatzungsmitglied einen Israeli gestellt. „Alle Israelis waren sich einig, dass wir an den entscheidenden Stellen nur Israelis haben sollten“, sagte Tal der „Jerusalem Post“. Es habe keine Befehlskette und keinen Plan gegeben. Die Menschen hätten einfach verschiedene Aufgaben übernommen. Der von Tal geschilderte Ablauf kann derzeit nicht unabhängig bestätigt werden. Nach dem Vorfall diskutiert Israel über Sicherheitslücken. Der Ko-Pilot, ein Omaner, durfte in seiner Heimat nicht als Pilot arbeiten, weil er als Sicherheitsrisiko galt.