Pfingsten ist gerade erst vergangen, doch noch immer verschönern die buschigen Blumen, die nach dem christlichen Fest benannt sind, Räume wie auf den Stillleben aus dem 19. Jahrhundert. Die lieblich duftenden Pfingstrosen haben ihre Blütezeit im späten Mai und damit in der Zeit des Pfingstfestes. Mit der Aussendung des Heiligen Geistes haben sie wenig zu tun, ihre üppigen Blütenblätter regen jedoch durchaus zu derlei Phantasien an. Ursprünglich kommen die Päonien, so ihr botanischer Name, aus Asien und Südeuropa, haben aber längst auch hessische Gärten und Wohnzimmer erobert. Kulturgeschichtlich reicht ihre Bedeutung weit zurück: In der griechischen Mythologie soll die Pfingstrose den verletzten Gott der Unterwelt, Hades, geheilt haben. Später bannten Maler sie auf Leinwände und prägten damit Blumenstillleben, die etwas wildromantischer wirken als die minutiös auf dunklem Grund gemalten holländischen Tulpen. Monets Pfingstrosenstrauch und ein Paradiesgärtlein Doch die kulturgeschichtlich so langlebige Blume, das beliebteste Bouquet festlicher Anlässe, gerät inzwischen selbst unter Druck. Pfingstrosen blühen immer häufiger nicht zu Pfingsten, da der Klimawandel zu einer verfrühten Blüte von Mitte April an führt. Diese Entwicklung teilt sie mit der Rose, die unter abrupten Regenfällen und Hitze leidet. Mit der Rose ist sie aber nur dem Namen nach verwandt, denn die stachellosen Pfingstrosen gehören nicht zur Gattung der Rosengewächse. Dazu zählen Monets Pfingstrosengarten, auch Édouard Manet oder Renoir haben die üppigen Blüten ins Bild gesetzt, eine große Rolle spielten sie bei Carl Schuch, wie in der jüngst vergangenen Sonderausstellung des Städel Museums zu sehen war. Auch in der Sammlung hat das Städel ganz besondere Pfingstrosen. Hervor sticht das „Paradiesgärtlein“ (um 1410/20) des Oberrheinischen Meisters. Das Werk zeigt am unteren Bildrand Pfingstrosen, die als Marienblumen die unbefleckte Empfängnis, Reinheit und mütterliche Liebe symbolisieren. Der Name „Pfingstrose“ mag in vielerlei Hinsicht nicht ganz stimmig sein. Aber: „Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften“, sagt schon Julia bei Shakespeare und meint damit die Gleichgültigkeit der Namen. Bleibt zu hoffen, dass in der frühen Hitze die üppige Pfingstrose nicht früher als sonst verblüht und uns das Gemüt noch bis in den Juni hinein erhellt. Auch wenn die kleine Hochstaplerin gar keine echte Rose ist und auch nicht immer genau zu Pfingsten blüht.
