Der britisch-kanadische Medienkonzern Thomson Reuters hat am Dienstag einen wichtigen Sieg in einem Urheberrechtsstreit gegen das Start-up Ross Intelligence errungen. Ein Berufungsgericht in Philadelphia hat ein Urteil aus dem vergangenen Jahr bestätigt, wonach Ross urheberrechtlich geschütztes Material von Thomson Reuters missbräuchlich zum Training einer eigenen KI-Anwendung verwendet hat. Die Begründung des Gerichts ist unter Verschluss, heißt es in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur Reuters, die zu dem Informations- und Medienkonzern gehört. Thomson Reuters hatte Ross vor Jahren vorgeworfen, Tausende juristische Zusammenfassungen von einer digitalen Rechercheplattform namens Westlaw aus dem Haus Thomson Reuters kopiert zu haben, um damit eine eigene KI-gestützte juristische Suchmaschine zu trainieren. Ross hatte sich mit dem Argument verteidigt, die Nutzung dieser Zusammenfassungen sei erlaubt, weil nach der im amerikanischen Recht gültigen sogenannten Fair-use-Doktrin auch urheberrechtlich geschützte Inhalte unter bestimmten Bedingungen ohne Erlaubnis der Urheber verwendet werden dürfen, solange daraus „transformativ Neues“ entsteht. Ein Richter in Delaware hatte im vergangenen Jahr allerdings gegen Ross geurteilt. Das Start-up legte daraufhin Berufung ein. Der Fall ist wichtig, weil es der erste Urheberrechtsstreit zu KI-Training ist, der vor einem US-Berufungsgericht verhandelt wird. Zwar geht es, anders als in vielen anderen Verfahren, hier nicht um generative KI – also Künstliche Intelligenz, die neue Inhalte erzeugt –, sondern um eine KI-Suchmaschine. Dennoch trifft das Urteil eine wesentliche Argumentationslinie der KI-Anbieter. Alle großen KI-Anbieter in Amerika rechtfertigen bislang die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken für das KI-Training mit Verweis auf die Fair-use-Doktrin. Das Urteil aus Philadelphia sät an dieser Argumentation aber Zweifel. In Amerika laufen derzeit mehr als 140 Prozesse gegen KI-Anbieter.
