Wer zum Beten kommt, darf auch weiterhin eintreten, ohne zu zahlen. Aber von jenen Besuchern, die als Touristen in die großen Gotteshäuser in der Region kommen und sich dort nur umschauen möchten, könnte früher oder später doch ein Eintrittsgeld verlangt werden. Zum Beispiel in der für ihre Glaskunstwerke bekannten Mainzer Chagall-Kirche St. Stephan, die nach Angaben des zuständigen Pfarrers Thomas Winter jährlich von mehreren Hunderttausend Kunstinteressierten aufgesucht wird. Von einer „Besichtigungsgebühr“, wie sie von Juli an für den Besuch des Kölner Doms in noch nicht benannter Höhe erhoben werden soll, ist in den Diözesen Mainz und Limburg allerdings keine Rede. Dort ist das Finanzierungsmodell für Pflege, Schutz und Unterhaltung der Kirche, das europaweit durchaus öfter genutzt wird, nicht geplant. Türme und Schatzkammern kosten oft extra Das in der Regel von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr am Abend geöffnete Wahrzeichen der Stadt Köln, das nur einen Steinwurf vom dortigen Hauptbahnhof entfernt liegt, ziehe jährlich bis zu sechs Millionen Besucher aus aller Welt an, ließ Dompropst Monsignore Guido Assmann vergangene Woche verlauten. Dem stehen laut aktuellem Wirtschaftsplan Ausgaben in Höhe von rund 16 Millionen Euro im Jahr – also etwa 44.000 Euro am Tag – gegenüber. Um die Strahlkraft der Kirche, in der jährlich bis zu 2000 Gottesdienste gefeiert werden, zu bewahren, müssten dringend zusätzliche Einnahmen generiert werden, äußerte Assmann. Die Eintrittspreise für einen Turmaufstieg und den Aufenthalt in der Schatzkammer seien bereits erhöht worden. Grundsätzlich soll es jedoch auch in Köln möglich bleiben, als Betender und Gottesdienstbesucher unentgeltlich Einlass zu bekommen. Preise wie in Barcelona, wo mindestens 26 Euro für einen Rundgang durch die architektonisch außergewöhnliche Kathedrale „Sagrada Família“ des Baumeisters Antoni Gaudí fällig werden, scheinen ohnehin nicht zu den deutschen Verhältnissen zu passen. Längst üblich ist es aber auch vielerorts in Italien, für das Besteigen von Kuppeln und die Besichtigung von Schatzkammern oder den zur jeweiligen Kirche gehörenden Museen einen Obolus zu verlangen. Häufig werden dazu passende Führungen angeboten. Aktuell sei nicht geplant, „einen Eintrittspreis für den Mainzer Dom zu erheben“, teilte die Pressestelle des rund 600.000 Katholiken zählenden Bistums jetzt auf Anfrage mit. Dabei ist der Unterhalt der 1000 Jahre alten Bischofskirche durchaus eine teure Angelegenheit. Allein die Fassadenarbeiten haben nach Angaben von Domdekan Henning Priesel in den vergangenen 15 Jahren mehr als drei Millionen Euro gekostet. Auch in Frankfurt und Limburg müssen Gäste, die sich die dortigen Dome ansehen möchten, weiterhin kein Eintrittsgeld bereithalten. Man habe zwar die beliebteste, wenn nicht gar die schönste Kirche in Hessen, so die selbstbewusste Einschätzung aus der Pressestelle des Bistums in Limburg. Ebenso wie für den Besuch des Frankfurter Bartholomäusdoms werde von Touristen aber auch für das Limburger Meisterwerk der Spätromantik und Frühgotik auf absehbare Zeit wohl kein Geld verlangt. Nur wer sich in der Mainmetropole daranmacht, auf die 66 Meter hohe Plattform des Domturms zu steigen, sollte dafür wie gehabt drei Euro übrig haben.
