FAZ 31.07.2026
15:48 Uhr

Drei Auftritte in Frankfurt: The Weeknd legt die Maske ab


Das erste von drei Konzerten von The Weeknd in Frankfurt ist trotz dystopisch anmutenden Bühnenbilds ein fröhliches Fest voller Hits inmitten blinkender Lichter. Es könnten seine letzten Auftritte dieser Art sein.

Drei Auftritte in Frankfurt: The Weeknd legt die Maske ab

Apachen! Haben sie etwa die Siedlung angegriffen, von der nur noch eine ramponierte Skyline vor einer überdimensionalen Videoleinwand kündet? Doch sind wir ja nicht in der Verfilmung eines Karl-May-Romans, sondern im ausverkauften Frankfurter Waldstadion, wo auf der Haupttribüne auch nur ein einziger Apache auszumachen ist. Und der ist noch nicht einmal ein Angehöriger des berühmten Stammes, sondern ein Mannheimer! Unter dem Künstlernamen Apache 207 ist Volkan Yaman allerdings so bekannt, dass viele Konzertbesucher immer wieder in seine Richtung blicken, während sich auf der riesigen Bühnenkonstruktion inmitten des Stadions gerade der auch nicht ganz unbekannte amerikanische Rapper Playboi Carti samt Entourage an einer aufpeitschenden Mischung aus Trap, Hip-Hop und Punk übt. Ein Amerikaner, der gemeinsam mit seinem Sohn die Szenerie beobachtet, fragt schließlich die Umstehenden, was es denn mit dem bezopften, sonnenbebrillten Mann im schwarzen Fußballtrikot auf sich habe, der so viele Menschen vom Geschehen auf der Bühne ablenke? Als man ihm vom Ruhm des Sängers in Deutschland berichtet, nickt er zustimmend, doch als der Zusatz folgt, dass Apache 207 wohl auch ohne Weiteres das Waldstadion füllen könnte, schleicht sich doch ein leiser Zweifel in den Blick des Fragenden. Ein deutscher Stadionstar? Ein sichtlich die Aufmerksamkeit genießender Volkan Yaman mag sich diesen Schritt im nächsten oder übernächsten Jahr schon vorstellen und konnte am Donnerstagabend auch reichlich Anschauungsunterricht in Sachen Stadion- und Bühnenpräsenz samt dem dabei gebotenen Austausch mit dem Publikum nehmen. Denn auf der Bühne präsentierte sich mit dem kanadischen R&B-Sänger The Weeknd die perfekte Synthese des globalen Popstars, in dessen Musik und Auftreten Zuspruch und Widerspruch aufgelöst sind. Das zeigt sich schon im Konzept der Bühnenshow zur aktuellen „After Hours Til Dawn“- Tour des mittlerweile 36 Jahre alten Sängers. Wie schon bei seinem letzten Gastspiel in Frankfurt vor drei Jahren deutet das Bühnensetting eine Welt in Trümmern an, eine Skyline, von etwas Gewaltigerem verwüstet als nur von einem Angriff verzweifelter Krieger. In der Mitte des Stadions dreht sich eine riesige, golden glänzende Android-Figur mit weiblichem Körper um die eigene Achse und sendet Lichtstrahlen aus ihren Augenhöhlen. 30 an Hohepriesterinnen erinnernde Figuren schreiten auf vier ins Publikum ragenden Laufstegen dahin, dieses Mal in rote statt in weiße Roben und Schleier gehüllt, und man wähnt sich als Beobachter eines Sektenrituals, bei dem es möglicherweise um die letzten Dinge geht. Doch die mal futuristisch, mal gruselig anmutende Szenerie lässt niemanden angstvoll frösteln, sondern ruft ungebändigte Euphorie hervor, ist doch gleich ein Mann am Start, der zwar eine schwarze Totenmaske trägt, doch für das pralle Leben bürgt. Liegt der Geräuschpegel im Stadion ohnehin vom Beginn des gut 125 Minuten langen Konzerts an auf Beatlemania- oder K-Pop-Niveau, schwillt er noch einmal an, als The Weeknd nach einer guten Viertelstunde die Maske abstreift und nun der vom Zuspruch der Fans mehr als nur einmal tief gerührte Performer Abel Tesfaye aus Toronto ist, der Hits wie „Wake Me Up“ nur anstimmen muss, damit sie ein Chor aus zigtausend Kehlen übernimmt. Dieser Chor, der feiern und schwelgen und instagramen und tiktoken will, der die latente Melancholie in etlichen der Songs einfach übergeht, sorgt auch für die stimmungsvolle Illuminierung des weiten Stadion-Ovals, ist doch jeder Konzertbesucher mit einem LED-Armband ausgerüstet worden, das synchron mit der übrigen Lichtshow blinkt, ohne je zu blenden wie die „Blinding Lights“ in The Weeknds größtem Hit, jenem durch Max Martins Zauberfinger veredelten Song, dessen Ewigkeitspotential durch Coverversionen wie die des kanadischen Country-Sängers Tebey weiter unterstrichen wird. Und Tesfaye selbst? Der singt am ersten von drei Konzertabenden in Frankfurt ein immenses Programm von mehr als 30 Songs so sanft und schwerelos, als wäre er längst abgehoben in eine andere Welt. Er hat ja angekündigt, nach dieser gewaltigen Welttournee für einige Zeit aussteigen zu wollen. Und vielleicht sieht er sich inmitten der Feuersäulen und unter den Ballons bei „House Of Balloons“ schon in jenem bevorstehenden Lebensabschnitt. Ein Vertreter für das dadurch entstehende Vakuum stünde zumindest für die von The Weeknd so geschätzten deutschen Stadien ja bereit. Für das Konzert von The Weeknd am Samstag, 1. August, im Frankfurter Deutsche Bank Park gibt es noch einige Restkarten.