FAZ 25.07.2026
21:41 Uhr

Deutschland-Liveblog: Söder zu Personalwechsel: „Es wird alles seinen Gang gehen“


CSU-Vorsitzender Söder zeigt Gelassenheit in Sachen Regierungsumbildung +++ Bielefelder SPD: Bas und Klingbeil müssen sich für ein Amt entscheiden +++ CSD-Kundgebung in Berlin +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Deutschland-Liveblog: Söder zu Personalwechsel: „Es wird alles seinen Gang gehen“

Bielefelder SPD: Bas und Klingbeil müssen sich für ein Amt entscheidenDer SPD-Unterbezirk Bielefeld fordert die Bundesvorsitzenden auf, sich zwischen Regierungs- und Parteiamt zu entscheiden. Bärbel Bas ist Bundesarbeitsministerin, Lars Klingbeil Bundesfinanzminister.„Während Ministerinnen und Minister die Verantwortung für das Regierungshandeln tragen, müssen Parteivorsitzende die Interessen der Partei vertreten, Debatten organisieren und auch gegenüber der eigenen Regierung kritisch Position beziehen können“, heißt es in dem vom Bielefelder SPD-Vorsitzenden Markus Kollmeiner unterschriebenen zweiseitigen Brief. Kollmeier fungiert auch als Büroleiter der Bielefelder SPD-Bundestagsabgeordneten Wiebke Esdar. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und Ko-Sprecherin der Parlamentarischen Linken.Eine glaubwürdige Erneuerung der SPD setze voraus, dass die Regierungs- und Parteirollen künftig wieder getrennt würden, heißt es in dem Schreiben. Die Führung der SPD habe in der Bundesregierung eine Reihe von Entscheidungen mitgetragen, die „sozial unausgewogen, politisch und fachlich falsch sowie innerparteilich unzureichend legitimiert waren“. Dadurch sei die programmatische Klarheit der SPD geschwächt worden, ihr Rückhalt in der Bevölkerung schwinde spürbar. „Statt wie angekündigt, die AfD zu halbieren, sind wir auf dem besten Wege unser eigenes – mit Abstand schlechtestes – Ergebnis noch zu halbieren. Dafür gibt es Gründe und Ihr seid in der historischen Mitverantwortung für diesen Niedergang“, heißt es in dem mit „Liebe Bärbel, lieber Lars“ überschriebenen Brief. 

CSD-Kundgebung startet in Berlin  In Berlin hat die diesjährige Großkundgebung zum Christopher Street Day (CSD) begonnen. Der Umzug setzte sich am Samstagmittag zum Marsch durch das Zentrum der Bundeshauptstadt in Bewegung. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 2200 Einsatzkräften im Einsatz, um für ein „sicheres, buntes und friedliches Fest“ zu sorgen. Die Organisatoren rechneten mit mehreren hunderttausend Teilnehmenden. Ihren Angaben zufolge handelt es sich um eine der größten Versammlungen für Vielfalt und Menschenrechte in Europa. Unter dem Motto „Haltung ist hot“ sollen 83 Fahrzeuge und 55 Fußgruppen durch das Zentrum der Hauptstadt ziehen. Der Demonstrationszug führt unter anderem über den Potsdamer Platz bis zur Siegessäule, danach startet am Brandenburger Tor ein Showprogramm auf acht Bühnen. Am Bahnhof Potsdamer Platz überprüfte die Berliner Polizei am Mittag nach eigenen Angaben „15 Personen einer mutmaßlich rechten Gruppierung“. Eine der Personen habe einen „verbotenen Gegenstand“ mit sich geführt, erklärte die Polizei ohne weitere Details.

Gordon Schnieder teilt kritischen Beitrag von Peter AltmaierDer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, teilt offenbar die Kritik am Umgang mit seinem Bruder Patrick Schnieder. Zumindest teilte der CDU-Politiker auf der Plattform X einen Beitrag seines Parteikollegen Peter Altmaier. „Der Umgang mit ihm macht mich betroffen und wütend und wird weder seiner Person noch seiner Leistung gerecht“, schrieb der frühere Bundesminister und Kanzleramtschef Altmaier am Samstag – ohne Bundeskanzler Friedrich Merz beim Namen zu nennen. Er kenne und schätze Schnieder seit anderthalb Jahrzehnten, fügte Altmaier hinzu. „Er ist ein erfahrener Fachmann, harter Arbeiter und großartiger Mensch und Freund.“Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (ebenfalls CDU) seinen Posten abgeben. Merz sei unzufrieden mit Schnieders Amtsführung, vor allem bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur, schrieb die „Bild“ unter Berufung auf Unionskreise. In einer SMS, aus der das „Handelsblatt“ zitierte, informierte Minister Schnieder am Donnerstagabend selbst Kollegen über seine Entlassung durch Merz. Der vom Kanzler gewünschte Nachfolger, der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler, sagte jedoch kurzfristig ab, sodass die künftige Besetzung des Verkehrsressorts ungeklärt ist.

Linnemann bekundet „Höllenrespekt“ vor künftigem Amt Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann bittet um Einarbeitungszeit für seine neue Aufgabe. „Klar, ich bin auch ehrlich, ihr müsst mir ein bisschen Zeit geben“, sagte der CDU-Politiker in einem Video auf Instagram. „Hier und da muss ich einfach noch tiefer einsteigen. Und ich habe auch echt einen Höllenrespekt vor dieser Aufgabe.“ Aber es sei auch „ganz schön viel Musik drin“, um zu einem gerechten, leistungsfähigen, zukunftsfähigen Gesundheitssystem zu kommen.Linnemann ist bislang CDU-Generalsekretär und wurde nach eigenen Worten kurzfristig von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gebeten, im Gesundheitsministerium Nachfolger der künftigen Kanzleramtsministerin Nina Warken (ebenfalls CDU) zu werden. In sozialen Netzwerken wurde noch einmal daran erinnert, dass Linnemann noch vor einem Jahr Zweifel an seiner Eignung als Gesundheitsminister geäußert hatte. Damals stand sein Wechsel ins Kabinett schon einmal zur Debatte. 

Kulturstaatsminister Weimer fordert ein „TikTok Europa“Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) will eine europäische Eigentümerstruktur für den Onlinedienst TikTok. Es sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, „TikTok Europa zu schaffen, also TikTok in europäische Hände zu überführen“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Eine europäische Eigentümerstruktur sei „der wirksamste Weg, europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht durchzusetzen“. Hintergrund sind Weimer zufolge ungeklärte Fragen zum Datenschutz und zum möglichen Zugriff chinesischer Behörden auf Nutzerdaten. 

Sozialverband fordert von Linnemann Überdenken der GesundheitsreformDer Sozialverband Deutschland (SoVD) hat den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zu einer Neuausrichtung der Politik des Ministeriums aufgefordert. „Erster Akt muss sein, die Gesundheitsreform zu überdenken, die vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vorsieht“, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Engelmeier forderte Linnemann zudem zu einer Reform der Pflege auf.Die Pflegereform dürfe keine „Sparreform“ werden, sagte Engelmeier. „Sie muss die Betroffenen und deren Angehörige in den Mittelpunkt stellen.“ Für Reformen in Gesundheit und Pflege müsse gelten, die Versorgung zu verbessern und nicht nur pauschal kürzen.Laut der SoVD-Chefin muss sich Linnemann nun auch an seinen Versprechen vor der Wahl messen lassen, so etwa die Sozialbeiträge auf 40 Prozent zu kürzen. „Das wäre durchaus möglich, wenn die Beitragszahlenden entlastet würden, indem der Bund endlich seiner Verantwortung nachkommt und die versicherungsfremden Leistungen wie die Gesundheitskosten für Grundsicherungsempfänger übernimmt und aus Steuern finanziert.“ Engelmeier erklärte außerdem, dass im Bereich der Pflege die notwendigen Rentenanteile für pflegende Angehörige erhalten bleiben und dringend die rund sechs Milliarden Euro an Corona-Rückzahlungen ins System erfolgen müssten.

Frei: „Eine solche Krisendynamik habe ich noch nie erlebt“ Thorsten Frei (CDU) hat sich bei einer Podiumsveranstaltung der IHK Stuttgart erstmals öffentlich zur Nachfolge von Jens Spahn und seiner neuen Aufgabe als Fraktionsvorsitzender geäußert. Am Freitagabend vor Spahns Rücktritt habe er im Flugzeug gesessen und gespürt, dass es jetzt „ums Ganze\" gehe. „Eine solche Krisendynamik habe ich noch nie erlebt.\" Zu seinem neuen Amt sagte er: „Ich bin ein leidenschaftlicher Debattenredner. Ich fand den Fraktionsvorsitz schon immer reizvoll.\" Als Kanzleramtsminister hingegen habe man es den ganzen Tag mit den Akten von 16 Fachministerien zu tun.Mit Blick auf die Kabinettsumbildung sagte Frei: „Eine zweite Möglichkeit hierfür wird es nicht geben.\" Er sei sicher, dass bei der weiteren Umbildung der Regierung und Partei noch eine Frau dabei sein werde. Zu seiner Nachfolgerin Warken im Kanzleramt sagte er: „Sie bringt alles mit, was man als Chefin BK braucht. Diesen großen Einfluss hat jetzt eine Frau.“ Sorge bereiteten ihm die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Für die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt sehe er viele schlechte Optionen. Es sei schwierig, das Narrativ der AfD zu bedienen, dass sie die Anderen seien. Mit der Linkspartei verbinde die Union keine einzige inhaltliche Gemeinsamkeit. Zugleich sagte er: „Wir arbeiten mit hohem Tempo nicht wegen der Wahlen, sondern weil wir seit sieben Jahren kein Wirtschaftswachstum haben.\"

SPD sichert Union verlässliche Zusammenarbeit zuSPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sichert der Union eine verlässliche Zusammenarbeit auch nach der Kabinettsumbildung zu. „Die Union stellt sich in Regierung, Fraktion und Partei an einigen Stellen neu auf und trifft die dafür notwendigen Personalentscheidungen“, sagte Klüssendorf laut einer Mitteilung. „Wir als SPD stehen verlässlich in der Koalition bereit und freuen uns auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen in der Koalition und wünschen allen einen guten Start in ihren neuen Aufgabenbereichen.“ Vor der Mitteilung war bis Mittag keine Reaktion aus der SPD-Parteizentrale zur Bekanntgabe der Kabinettsumbildung am Morgen gekommen.Klüssendorf ergänzte an die Adresse des scheidenden CDU-Generalsekretärs: „Meinem Kollegen Carsten Linnemann danke ich herzlich für unsere enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünsche ihm für seine neue, anspruchsvolle Aufgabe viel Erfolg und ein glückliches Händchen.“ Linnemann übernimmt das Gesundheitsressort von Nina Warken, die für Thorsten Frei ins Kanzleramt wechselt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Personalrochade am Morgen bekannt gegeben, dabei allerdings noch weitere Veränderungen angekündigt, ohne Details zu nennen. 

Grüne nennen Kabinettsumbau chaotisch und unprofessionellDie Grünen im Bundestag haben den von Friedrich Merz vorgenommenen Kabinettsumbau kritisiert. Nach einem verpatzten Jahr Schwarz-Rot ziehe Merz die Reißleine, teilten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge mit. Die Salamitaktik, mit der der Kanzler sein Kabinett nun offenbar etappenweise über den Sommer umbauen wolle, sei nicht dazu geeignet, Ruhe in die Regierungsgeschäfte zu bringen. Sie führe zu immer weiteren und neuen Spekulationen und fortgesetzter Unruhe. „Das wirkt weder professionell noch gut durchdacht.“ Es sei zu hoffen, dass der Veränderungswille nicht nur das Regierungshandwerk betreffe, sondern auch die politischen Inhalte.  Der Grünen-Verkehrspolitiker Tarek Al-Wazir sprach von einem Chaos bei der Neubesetzung des Bundesverkehrsministers. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag sagte der Deutschen Presse-Agentur, dies sei „handwerklich katastrophal“. Merz stehe ohne Nachfolger für Verkehrsminister Patrick Schnieder da. Solange das Grundproblem nicht gelöst sei, könne Merz ernennen, wen er wolle: Die Verkehrsinfrastruktur bleibe trotz des Sondervermögens unterfinanziert. Nötig seien jährlich mindestens fünf Milliarden Euro zusätzlich, vor allem für den Ausbau der Bahn. 

Braucht es für die Kabinettsumbildung eine Sondersitzung des Bundestags? Artikel 64 des Grundgesetzes gibt vor, dass die Bundesminister auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen werden. In der Verfassungsnorm steht auch, dass die Bundesminister „bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage“ ihren Eid leisten. In der Staatsrechtslehre wird das so ausgelegt, dass „ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen Amtsübernahme und Eidesleistung zu wahren ist“. Oft findet die Vereidigung der Minister im Bundestagsplenum kurz nach der Ernennung am selben Tag statt.In der Sommerpause ist das ohne Sondersitzung des Bundestags nicht möglich. Manche Staatsrechtslehrer vertreten die Auffassung, dass für eine Kabinettsumbildung in dieser Zeit eine Sondersitzung zwingend erforderlich sei: Der enge zeitliche Zusammenhang zwischen Ernennung und Eid werde sonst nicht gewahrt. Andere Juristen sind großzügiger: Sie argumentieren, dass das Grundgesetz keine starre Frist vorgibt und es sachgerecht sei, auf eine kostenaufwändige Sondersitzung zu verzichten.Etliche Verfassungsrechtler vertreten zudem die Auffassung, dass Minister vor ihrer Vereidigung keine Amtshandlungen vornehmen dürfen. Sollten sie es dennoch tun, blieben diese Amtshandlungen jedoch wirksam. Vergleichbares gilt im Beamtenrecht. Einigkeit besteht darin, die Vereidigung vor dem Parlament vor allem als symbolischen Akt zu verstehen. Der Eid ist zwar zwingend zu leisten. Anders als in der Weimarer Republik sind die Minister nach dem Grundgesetz aber nicht vom Bundestag abhängig. Sie müssen nicht zurücktreten, sollte ihnen das Parlament das Misstrauen aussprechen. Entscheidend für den Verbleib im Amt ist das Vertrauen des Kanzlers. Diese „Parlamentsfestigkeit“ der Minister war eine bewusste Entscheidung des Parlamentarischen Rates. 

Hagel begrüßt KabinettsumbildungDer baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel hat die Kabinettsumbildung der Bundesregierung begrüßt. Der künftige Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei sei ein Politiker, der „ausgleiche, wo es nötig sei“, und der auch „hinstehe“, wenn es hilfreich sei. Die künftige Kanzleramtsministerin Nina Warken sei eine „sehr fleißige“ Frau. Frei und der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger würden nun „ein Gespann bilden“, das der Koalition guttue, sagte Hagel. Warken war früher Landesgeneralsekretärin, Bilger und Frei stammen auch aus dem baden-württembergischen Landesverband. Zu Spahn, früher ein enger Verbündeter, äußerte sich Hagel nur knapp: Als Fraktionsvorsitzender habe er sich beim Zustandekommen des Reformpakets Verdienste erworben.  

Baden-Württembergs Innenminister warnt vor Zunahme extremistischer GewaltDer baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) hat vor einer Zunahme extremistischer Gewalt in der Gesellschaft gewarnt und deshalb eine Anpassung der Sicherheitsstruktur angekündigt. „Die Dynamik dieses Trends beim Extremismus macht mir die größten Sorgen. Wir müssen uns auf diese Bedrohungslage einstellen“, sagte Hagel bei der Vorstellung des neuen Verfassungsschutzberichts für Baden-Württemberg für das Jahr 2025. Das rechtsextremistische Personenpotential ist demnach von 3140 Personen auf 3790 gewachsen. Das entspricht einer Zunahme von 20 Prozent. Das linksextremistische Personenpotential nahm nur um 30 Personen von 2700 auf 2730 Personen zu. Davon wurden 880 als gewaltorientiert eingeschätzt; im rechtsextremistischen Bereich gelten etwa 800 Personen als gewaltbereit. Sorgen bereitet den Verfassungsschützern die Zunahme von rechtsextremistischen Haltungen in der Altersgruppe der unter Dreißigjährigen. Rechtsextremistische Organisationen hätten ihre Bemühungen, an den Schulen neue Anhänger zu rekrutieren, deutlich intensiviert. Von den 8600 Mitgliedern der AfD haben nach Auffassung des Verfassungsschutzes 1730 Mitglieder eindeutig extremistische Auffassungen.   

Wie es mit der Kabinettsumbildung weitergehtAn diesem Montag will der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz nach dpa-Informationen bekannt geben, wen er für das Amt des CDU-Generalsekretärs als Nachfolger von Carsten Linnemann vorschlagen wird. Sollte seine Wahl – wie bereits von mehreren Medien berichtet – auf die bisherige Bundesschatzmeisterin Franziska Hoppermann fallen, müsste er auch deren bisherigen Posten nachbesetzen. Hoppermann müsste noch von einem CDU-Parteitag gewählt werden.Am Mittwoch soll dann um 14.00 Uhr die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu einer Sondersitzung zusammentreten, um den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) zum neuen Fraktionsvorsitzenden zu wählen.Davor tritt aber der Bundespräsident auf den Plan. Steinmeier muss Frei erst die Entlassungsurkunde überreichen, denn der Chef des Kanzleramts hat Ministerrang. Auch die bisherige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bekommt ihre Entlassungsurkunde – um gleich anschließend ihre Ernennungsurkunde als neue Kanzleramtschefin überreicht zu bekommen. Die bekommt dann auch ihr Nachfolger im Gesundheitsressort, Carsten Linnemann (CDU).

Güntzler will nicht Verkehrsminister werdenDie geplante Nachfolge für Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ist wenige Stunden vor der Pressekonferenz von Friedrich Merz gescheitert. Der Bundeskanzler wollte das Verkehrsministerium dem CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler aus Niedersachsen anvertrauen. Der erfahrene Finanzfachmann hatte dem Kanzler nach F.A.Z.-Informationen auch bereits zugesagt. In den frühen Morgenstunden soll der 60 Jahre alte Wirtschaftsprüfer aus Göttingen seine Zusage dann aber zurückgezogen haben. Merz konnte dadurch auf der Pressekonferenz am Freitagmorgen den von ihm angestrebten Personalwechsel im Verkehrsressort nicht verkünden. Die genauen Hintergründe der Absage Güntzlers sind bisher nicht bekannt.Der Vorgang gilt in Parteikreisen aus mehreren Gründen als heikel. Denn er beschädigt sowohl den bisherigen Verkehrsminister Schnieder als auch einen möglichen Nachfolger, der nun als zweite Wahl hinter Güntzler dastehen würde.Der Vorgang ist aber auch für die niedersächsische CDU brisant. Der große Landesverband leidet darunter, dass er im Kabinett Merz bislang keinen Minister stellt. Bei der Regierungsbildung im Frühjahr 2025 hatte Merz zwar David McAllister das Außenministerium angeboten. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident ist ein Fachmann auf diesem Gebiet, da er seit 2017 den Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten im Europaparlament leitet. McAllister hatte parteiintern allerdings schon frühzeitig kommuniziert, dass er seinen Schwerpunkt weiter in Brüssel sehe, und die Anfrage am Ende abgelehnt. Das überraschte in Hannover kaum jemanden, in Berlin aber schon.Zudem lehnte der Haushaltsexperte Mathias Middelberg, Chef der niedersächsischen Landesgruppe, bei der Regierungsbildung 2025 das Angebot von Merz ab, Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt zu werden, da er weiter in seinem Fachgebiet tätig sein wollte. Im Ergebnis gibt es weiterhin den Anspruch des Landesverbands auf einen Kabinettsposten, wohingegen Merz darauf verweisen kann, dass er niedersächsischen CDU-Politikern mehrfach Angebote unterbreitet habe, die aber jeweils abgelehnt worden seien.