FAZ 15.05.2026
16:27 Uhr

Deutsche ESC-Kandidatin: Sarah Engels geht aufs Risiko


Der deutschen Kandidatin Sarah Engels werden beim ESC in Wien kaum Chancen eingeräumt. Doch sie sticht durch eine Sache heraus.

Deutsche ESC-Kandidatin: Sarah Engels geht aufs Risiko

Wäre es nach den Juroren gegangen, dann stünde nicht Sarah Engels an diesem Samstagabend auf der großen Bühne der Wiener Stadthalle, sondern der Zweitplatzierte im deutschen Vorentscheid für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC), der Liechtensteiner Wavvyboi mit seinem Lied „Black Glitter“. Das behauptet zumindest einer der 20 ESC-Experten, der Schwede Christer Björkman, die der SWR Ende Februar in seine Show eingeladen hatte. Demnach waren sich die Juroren einig. Björkman nennt in dem Podcast „Eurovisionklubben“ des schwedischen Senders SVT zwar keinen Namen, spricht aber von einem Künstler, der herausstach. „Mit ihm hätte das beim ESC hervorragend funktioniert.“ Das Publikum stimmte allerdings dann mehrheitlich für Engels und ihr Lied „Fire“. Der weithin unbekannte Wavvyboi habe keine Chance gegen die gut vernetzte Sängerin mit 1,8 Millionen Followern auf Instagram gehabt, hieß es später. Keine Chance wiederum auf einen vorderen Platz dürfte Sarah Engels nun in Wien haben, gerade weil ihr Auftritt nicht genügend heraussticht. Sie hat gelernt, mit Häme und Kritik umzugehen Die Dreiunddreißigjährige aus Hürth bei Köln trat schon als Schülerin bei Schul- und Straßenfesten auf. Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie 2011 bei „Deutschland sucht den Superstar“; mit Häme und Kritik umzugehen, hat sie seitdem gelernt. Damals wurde sie Zweite, hinter ihrem späteren Mann Pietro Lombardi. Zweite wurde sie auch 2016 bei der Tanzshow „Let’s Dance“, bei der sie ebenfalls nicht zu den Favoriten gehört hatte, sich aber durchbiss. Das Ehepaar Lombardi war als Duo einige Jahre unzertrennlich, dann begann sie als Sarah 2018 noch einmal von vorne, als Sängerin, aber auch als Schauspielerin, etwa in der ZDF-Serie „Das Traumschiff“. 2021 heiratete sie ein zweites Mal, ihr Mann Julian nahm ihren Namen an. Engels ist Mutter von zwei Kindern und eine Kämpfernatur. Sie arbeitet bis zum Umfallen. An ihrem möglichen Auftritt beim ESC habe sie schon seit Dezember intensiv gearbeitet, sagte sie in dieser Woche in Wien. Unter anderem trainierte Engels singend auf einem Laufband, um sich daran zu gewöhnen, bei ihrem dreiminütigen Tanzmarathon gesanglich nicht aus der Puste zu kommen. Sie lässt sich rückwärts vom Podest fallen Kurz vor ihrer Anreise zum ESC kämpfte sie mit einem Virusinfekt und Kreislaufproblemen, hinzu kamen vor den ersten Proben Rückenschmerzen. Zu allem Überfluss ging auf dem Flug nach Wien auch noch ihr Koffer mit dem Kostüm fürs Finale verloren. Er tauchte aber noch am selben Tag wieder auf. Engels ficht das scheinbar nicht an. Sie bleibt optimistisch und frohgemut, was nicht nur ihre Fans an ihr loben. Und sie geht ins Risiko: Bei ihrem Auftritt lässt sie sich rückwärts von einem Podest fallen, in die Arme ihrer Tänzerinnen. Zumindest das sticht heraus. Und eines steht sowieso fest: Singen und auch tanzen kann sie.