Vermutlich sind es ziemlich genau zwei Gründe, die an einem Werktagvormittag im Frühling viele Kunden zu Fahrrad Denfeld locken. Der erste Grund ist die beginnende Fahrradsaison bei bestem Sonnenwetter. Im Taunus ist nicht nur das Bezwingen von Bergen auf zwei Rädern ein beliebter Wochenendspaß. Auch nutzen viele Bewohner des Mittelgebirges gerne E-Bikes, um in der schönen Jahreszeit von A nach B zu kommen. Wer nicht gleich ein neues Rad braucht, dem fehlt vielleicht eine Packtasche für das alte. Ein neues Trikot wäre auch nett. Der zweite Grund für den regen Verkehr bei Fahrrad Denfeld ist der Laden selbst. Das 1982 im Stadtteil Kirdorf gegründete Familienunternehmen hat gerade kräftig investiert. Ein Neubau mit einer Fläche von 14.800 Quadratmetern ist vor allem für den Service vorgesehen. Noch ist nicht alles fertig, aber die vergrößerte Bekleidungsabteilung hat schon eröffnet. Ein guter Anlass also, sich den neuen Trakt neben dem Bestandsgebäude an der Urseler Straße in Bad Homburg einmal anzusehen, wenigstens von außen. Bis darin Räder zur Reparatur angenommen werden, wird es noch ein paar Monate dauern, wie Marc Denfeld sagt. Im Augenblick haben er, sein Vater und sein Onkel, mit denen er sich die Geschäftsführung teilt, auch so genug zu tun – der Fahrradsaison sei Dank. Die Denfelds müssen jetzt auch viele Räder verkaufen, wie der 37 Jahre alte Geschäftsführer sagt. Schließlich war für die Investition ein zweistelliger Millionenbetrag fällig. Denfeld führt durch die neuen Betonmauern, ein Labyrinth aus Werkstatt-, Logistik- und Lagerräumen. In vielen stehen schon Regale und Paletten mit Kartons. Allmählich sollen alle Teile aus den Außenlagern in die Zentrale umziehen. Die sechs Schalter für das neue Serviceterminal der neuen Werkstatt stehen schon. Die bisherige befindet sich hinter dem Verkaufsraum im Bestandsgebäude. Dort gibt es alle erdenklichen Typen von Fahrrädern: Trekkingräder, Mountain-, Cross- und Lifestylebikes, E-Räder, Jugendräder, Kinderräder, Lastenräder. Insgesamt 1200 sind es allein auf der Verkaufsfläche, weitere 15.000 stehen laut Denfeld im Lager. Der Verkaufsraum ist in Anthrazit gehalten, an den Wänden prangen die Skyline von Frankfurt und die Silhouette Bad Homburgs. Zum Angebot gehören Anhänger für Hunde und Kinder, Wimpel mit Benjamin Blümchen, Reifen, Bremsen, Schmierstoff. Auch sind, anders als oft in kleineren Fahrradläden, viele Marken im Angebot, etwa KTM, Cube, Mammut, Pegasus und Riese & Müller aus Hessen. Eine Brücke verbindet das bestehende mit dem neuen Gebäude. Auf der „Bridge“, wie Denfeld den Raum nennt, gibt es Jacken und Trikots, gepolsterte Radhosen und Regenhosen, Handschuhe und Schuhe. „Wie ist denn Uvex?“, fragt ein Kunde bei den Helmen. „Eigentlich ganz gut“, sagt eine Mitarbeiterin. Es gibt schicke Modelle für die City und solche mit Visier, um mit dem Mountainbike den Feldberg herunterzudüsen. Apropos: Der höchste Gipfel des Taunus ist von der Bistro-Terrasse aus zu sehen. An einem der Tische drinnen haben zwei Kunden ihre Cappuccinotassen geleert. Für den Kuchen vom Biobäcker aus der Vitrine ist es ihnen vielleicht noch zu früh am Morgen. Neben dem Café stehen drei Übergabeschalter, hinter Ü1 und Ü2 warten Mitarbeiter. Dort können Kunden ihre gekauften und fertig montierten Räder abholen. Auf die Brücke führt nicht nur eine Treppe, sondern auch eine Rampe. Sie bildet das Ende der Teststrecke, auf der Kunden Räder ausprobieren können. Auf eigene Faust ist das nicht möglich. „Probefahrt? Sehr gerne“, steht auf einem Schild. „Sprechen Sie uns bitte an, wir stellen Ihnen das Bike bereit.“ Tatsächlich sind genug Angestellte da, die helfen können. Ein Kunde sirrt nach einer flotten Runde wieder heran. Er sieht zufrieden aus. Der Mitarbeiter verändert bloß noch die Sattelhöhe. Fahrrad Denfeld, Urseler Straße 67, Bad Homburg; montags bis freitags 10 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr; www.denfeld.de
