Liebe Leserin, lieber Leser, vorab erst einmal wieder ein Tipp zum lieben Geld, genauer zu der Frage, wie man im Alter das mehr oder weniger große Vermögen aufbrauchen sollte. Wie viele Aktien sollte man dann noch haben? Das richtige Vorgehen macht mehrere Zehntausend Euro Unterschied aus. Dyrk Scherff hat dazu recherchiert. Doch kommen wir zum Alltagsleben vor der Haustür: Wohl jeder hat es in der jüngeren Zeit erlebt, im Straßenverkehr liegen die Nerven blank, vielleicht stärker denn je. Einer Studie zufolge sagen 55 Prozent der Befragten, sie müssten sich nach einem Ärgernis sofort abreagieren. Der Verkehrsrechtler Uwe Lenhart führt die wachsende Aggressivität auf mehr Verkehr, höheren Zeitdruck und eine Verkehrspolitik zurück, die Konflikte zwischen Autos und Fahrrädern geradezu provoziere. Das kann sein. So nähmen Verfahren wegen Nötigung, Gefährdung, aber auch Trunkenheitsfahrten und Unfallflucht zu. Und Letzteres lässt sich mit der Verkehrspolitik dann wieder nicht erklären. Stress lässt sich außerhalb des Straßenverkehrs ohnehin besser abbauen, zum Beispiel beim Sport. Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben, rät Hobbysportlern zu mehr Konzentration und weniger Eitelkeit im Fitnessstudio. Entscheidend seien eine saubere Technik, ein realistischer Trainingsplan und die Konsequenz, ihn auch einzuhalten. Freie Gewichte trainierten den ganzen Körper besonders effizient, verlangten aber eine gute Einweisung; Maschinen seien ebenfalls sinnvoll, wenn sie korrekt genutzt würden. Regelmäßiges Krafttraining lohnt sich auch im Alter Zu den häufigsten Fehlern im Fitnessstudio zählt Steiner ablenkende Handynutzung (gut beobachtet!), zu lange Pausen (immer wieder gerne gesehen), ungeeignete Laufschuhe bei schweren Übungen und das blinde Nachahmen von Influencern. Für Freizeitsportler hält er drei Einheiten in der Woche von etwa einer Stunde für ausreichend, mit sechs bis zehn anspruchsvollen Wiederholungen und 60 bis 90 Sekunden Pause. Regelmäßiges Krafttraining lohnt sich übrigens auch im Alter: Es erhält Muskeln, stärkt Knochen und kann dem Osteoporoserisiko vorbeugen. Nicht immer aber bleibt man gesund, auch wenn man dafür alles getan hat. Deshalb kommt in dieser Woche das Hormon TSH (Thyrotropin) ins Spiel. Es wird von der Hirnanhangdrüse gebildet. Seine Aufgabe: Es steuert die Schilddrüse und regt sie dazu an, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zu produzieren. Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen schüttet die Hirnanhangdrüse mehr TSH aus. Erhöhte Werte bedeuteten aber nicht automatisch, dass jemand an Hashimoto erkrankt sei, sagt der Endokrinologe Martin Fassnacht. Den Namen dieser Krankheit haben Sie noch nicht gehört? Das ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigene Schilddrüse angreift und zerstört. Zwar haben 20 bis 30 Prozent der Frauen solche Werte, doch nur ein kleiner Teil entwickelt im Lauf der Jahre tatsächlich eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion, habe ich in dem Stück erfahren. Trotzdem würden viele Patienten schon bei leicht erhöhtem TSH-Wert oder unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit und Gewichtszunahme lebenslang mit Schilddrüsenhormonen behandelt, sagt der Fachmann: Fassnacht vermutet, dass bis zu die Hälfte der Behandelten die Medikamente nicht benötige. Unter einem TSH-Wert von zehn sollte zunächst kontrolliert, deutlich höhere Werte sollten behandelt werden. Von glutenfreier Ernährung ohne nachgewiesene Zöliakie und von vielen Internetdiäten rät er ab – und betont zugleich, dass auch korrekt behandelte Patienten sich weiterhin krank fühlen können. Bleiben Sie gesund, und vielen Dank für Ihr freundliches Interesse an unserer Arbeit. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de. Viele Grüße IhrCarsten KnopHerausgeberFrankfurter Allgemeine Zeitung
