FAZ 17.03.2026
15:35 Uhr

Callcenter-Masche: Kriminelle Bande soll Anleger um Millionen betrogen haben


Drogen, Kriegswaffen, Anlagebetrug: Damit soll eine international agierende Bande hohe Geldsummen erbeutet haben. Vier Männer und eine Frau müssen sich nun in Frankfurt vor Gericht verantworten.

Callcenter-Masche: Kriminelle Bande soll Anleger um Millionen betrogen haben

Mit der Verlesung der Anklageschrift hat am Dienstag ein Prozess am Landgericht Frankfurt gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Bande begonnen, die mit Anlagebetrug, Drogenhandel und Verkauf von Kriegswaffen an Geld gekommen sein soll. Angeklagt sind vier Männer im Alter zwischen 29 und 43 Jahren sowie eine 38 Jahre alte Frau. Die Staatsanwaltschaft wirft drei von ihnen banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor, den anderen beiden Handel mit Betäubungsmitteln. Insgesamt soll die Bande zwischen Mai 2019 und März 2021 mehr als sechs Millionen Euro erbeutet haben. Die Angeklagten schlossen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Jahr 2020 einer international agierenden Bande an. Haupttätigkeit der Bande sei Anlagebetrug gewesen. Drei der Angeklagten hätten sich aus einem Callcenter in der Türkei heraus als Wertpapierhändler ausgegeben und Opfer mit falschen Versprechen zu Investitionen gebracht. Wenn die Geschädigten sich irgendwann geweigert hätten, noch mehr Geld zu zahlen, hätten die Angeklagten den Kontakt abgebrochen. Die Männer sollen jeweils rund 50.000, 162.000 und 171.000 Euro auf diese Weise erbeutet haben. Laut Anklage erhielten sie 15 Prozent als Provision. Anklage geht von Verbindung zu Hells Angels aus Einer der Männer, der auch als Anrufer tätig gewesen sein soll, war laut den Ermittlern auch für den Aufbau und die Logistik der Callcenter verantwortlich gewesen. Dieser Angeklagte habe in engem Kontakt mit einem weiteren gesondert Verfolgten gestanden, der nach Informationen der Staatsanwaltschaft Mitglied der Rockergruppierung Hells Angels ist. Ein Dreiundvierzigjähriger und eine Achtunddreißigjährige waren für den Handel mit Drogen und Kriegswaffen „von zentraler Bedeutung“, wie der Staatsanwalt sagte. Bei den Drogen handelte es sich der Anklage zufolge um Cannabis, Kokain und Amphetamine. In einem Fall wurden diese per Schmuggelfahrzeug aus dem Ausland nach Deutschland gebracht und auf einem Parkplatz eines Baumarktes an die Angeklagten übergeben. Aktuell wird auch gegen weitere mutmaßliche Bandenmitglieder ermittelt, wie der Ankläger sagte. Unter anderen gegen den mutmaßlichen Geldwäscher laufen bei der Staatsanwaltschaft mehrere ähnliche Verfahren. So musste er sich 2024 am Frankfurter Landgericht wegen des Vorwurfs verantworten, als falscher Polizist aufgetreten zu sein. Die Angeklagten äußerten sich am ersten Verhandlungstag weder zu den Vorwürfen noch zu ihren persönlichen Verhältnissen. Diese Angaben sollen erst an den beiden weiteren Verhandlungstagen gemacht werden. Der Prozess wird im April fortgesetzt.