FAZ 20.05.2026
11:37 Uhr

CSU ohne Populismus: Wie konservative Politik erfolgreich sein kann


Die Kommunalwahlen in Bayern haben gezeigt: Das Vertrauen der Bürger lässt sich nicht allein durch Politainment wiedergewinnen. Es braucht weniger Inszenierung und mehr Substanz.

CSU ohne Populismus: Wie konservative Politik erfolgreich sein kann

Die Kommunalwahlen in Bayern waren ein Warnsignal. Längst ging es nicht mehr nur um kommunale Fragen, sondern um Grundsätzliches: Vertrauen. Das zeigen auch aktuelle Umfragen. Viele fragen sich: Hört Politik noch zu? Werden Entscheidungen getroffen? Haben Versprechen noch Bestand? Dieser Vertrauensverlust fällt in eine Zeit tiefgreifender Umbrüche, in der wir ihn uns eigentlich nicht leisten können. Denn unser Land befindet sich in einer Orientierungskrise, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich zugleich. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europäische Friedensordnung erschüttert. Globale Abhängigkeiten werden uns schmerzhaft bewusst. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Künstliche Intelligenz unser Leben in rasantem Tempo. Politische Grundsatzfragen gewinnen dadurch wieder an Bedeutung. Die Menschen wollen wissen: Wohin geht es? Und welchen Platz habe ich in dieser Zukunft? Politainment allein kann darauf keine Antwort geben. Die Versuchung ist zwar groß, auf Unsicherheit mit Zuspitzung zu reagieren. Doch Populismus bekämpft man nicht erfolgreich mit Populismus. Wer jeder Stimmung folgt, verliert die Richtung. Was jetzt gebraucht wird, ist ein anderer Stil: weniger Empörung, mehr Ernsthaftigkeit. Weniger Inszenierung, mehr Substanz. Politik muss zuhören, entscheiden, erklären und liefern. Gerade daraus erwächst CDU und CSU eine besondere Verantwortung. Volksparteien sind keine Auslaufmodelle. Sie können Orientierung geben und Veränderung gestalten. Magyar zeigt: Ein Wahlkampf ohne Angst und Vereinfachung funktioniert Dass ein solcher Politikansatz funktioniert, zeigt das Beispiel Ungarns: Péter Magyar hat seinen Wahlkampf nicht mit Angst oder Vereinfachung, sondern mit Perspektive und einer klaren proeuropäischen Botschaft geführt. Menschen folgen einer Politik, die ihnen glaubwürdig Zukunft zutraut. Politik beginnt beim Menschen, bei seinen Sorgen und Hoffnungen. Viele haben das Gefühl, dass sich ihr Leben schneller verändert, als sie Schritt halten können. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht aber nicht durch Klickzahlen, sondern dort, wo Menschen erleben, dass Leistung sich lohnt, Regeln für alle gelten und der Staat funktioniert. Deshalb muss Politik das Gemeinwohl wieder stärker in den Mittelpunkt stellen. Die CSU verfügt mit Freiheit und Verantwortung, Solidarität und Subsidiarität über die richtigen Grundsätze. Entscheidend ist, sie wieder mit konkreten Projekten zu verbinden. Konservative Politik bedeutet nicht zu sagen, was nicht geht, sondern Verantwortung für morgen zu übernehmen. Genau darin liegt der Unterschied zu den Vereinfachungen der Populisten und eine Chance. Mehr Zukunftsbilder, weniger Zahlenbilanzen Es steht außer Frage: Unser Land steckt im Reformstau. Und die Demokratie steht unter Druck. Die bürgerliche Mitte wird nur dann wieder stärker, wenn sie ein überzeugendes Bild davon entwickelt, wie unser Land in Zukunft aussehen soll. Das gelingt nicht mit der Handbremse. Reformen sind mühsam. Gerade deshalb sind Begründung und Rückhalt in der Gesellschaft wichtig. Wir stehen vor neuen Gründerjahren unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Dafür braucht es wieder eine verbindende Erzählung, die den Menschen sagt: Ihr seid Teil eines Landes, das sich erneuert, ohne sich selbst zu verlieren. Der rein technokratische Neoliberalismus greift nicht. Wir brauchen mehr Zukunftsbilder und weniger Zahlenbilanzen. Konkret heißt das: Wir werden nicht an vergangenen Erfolgen gemessen, für die man sich auf die Schulter klopft, sondern daran, wie wir unser Land für die Zukunft aufstellen. Mit einem Staat, der digital, effizient und verlässlich handelt. Mit einer Wirtschaftspolitik, die Aufstieg ermöglicht. In einem Sozialstaat, der Solidarität sichert und zugleich generationengerecht bleibt. Mit einer Bildungspolitik, die Kreativität und Urteilskraft stärkt und mit Forschungspolitik, die wie die bayerische Hightech-Agenda Grundlagen für den Wohlstand der Zukunft legt. Gerade in Zeiten weltweiter Unordnung ist Europa unsere Lebensversicherung. Dafür braucht es ein wirtschaftlich starkes und sicherheitspolitisch voll handlungsfähiges Europa. Gleichzeitig gilt: Starke Regionen sind kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Subsidiarität. Im Kern geht es um ein erneuertes Versprechen an die bürgerliche Mitte: Wer sich anstrengt, kommt voran. Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht ausgebremst. Und wer Unterstützung braucht, bekommt sie. Die Frage ist nicht, ob sich unser Land verändert. Die Frage ist, ob wir die Kraft haben, diese Veränderung zu gestalten. Nicht durch Lautstärke, sondern durch Handeln. Nicht durch Angst, sondern durch Optimismus. Denn Demokratien verlieren nicht zuerst an Wohlstand, sondern an Zuversicht. Gerade deshalb braucht unser Land eine politische Kraft, die Mut macht. Die Gründerjahre der Bundesrepublik wurden von CDU und CSU geprägt. Auch die heutigen werden wir prägen: mit Ambition, Kreativität und Gemeinwohl. Für ein neues Miteinander.