War die Skepsis übertrieben? Gibt es doch genügend junge Männer und Frauen, die bereit sind, Deutschland freiwillig an der Waffe zu dienen? Immerhin können sich offenbar rund die Hälfte der Männer, die den von der Bundeswehr zugesandten Fragebogen bisher beantwortet haben, einen Wehrdienst grundsätzlich vorstellen. Ein beachtlicher Prozentsatz. Jedenfalls passt dieses Interesse nicht ohne Weiteres zum Bild einer friedensverwöhnten Generation, für die der Wehrdienst angeblich einen unzumutbaren Eingriff in ihre Lebensplanung bedeutet. Taktische Beschwichtigung Wie viele dieser Männer sich am Ende tatsächlich freiwillig melden, wenn sie erfahren haben, dass ihre Kaserne fünf Autostunden von ihrem Wohnort entfernt ist, steht auf einem anderen Blatt. Offen bleibt vorerst auch, ob diese Männer jene Qualifikationen mitbringen, die von der Bundeswehr benötigt werden. Aber selbst im Idealfall – die Bundeswehr bekommt in den kommenden Jahren genug Freiwillige mit dem nötigen Profil – wäre das Thema Wehrpflicht nicht vom Tisch. Verteidigungsminister Pistorius und – wenn auch mit skeptischem Unterton – Unionspolitiker wiederholen zwar gebetsmühlenartig, eine Wehrpflicht sei nur erforderlich, falls sich nicht genug Freiwillige fänden. Aber das klingt entweder wie eine taktische Beschwichtigung oder blauäugig. Schließlich kann niemand vorhersagen, wie sich die Zahl der Freiwilligen mittelfristig entwickeln wird. Was wäre, wenn sie sich in drei Jahren halbieren würde? Zwar ließen sich auch im Falle einer Wehrpflicht unkalkulierbare Schwankungen nicht ausschließen. Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer variiert erfahrungsgemäß ebenfalls. Aber eine Wehrpflicht böte der Bundeswehr mehr Planungssicherheit. Zur Wahrheit gehört auch, dass niemand weiß, ob jene 260.000 Soldaten, die bis 2035 avisiert sind, überhaupt reichen, falls sich die Amerikaner militärisch noch weiter zurückziehen. Skepsis ist in diesem Fall definitiv nicht übertrieben.
