Wer reinkommt, ist drin. Das haben uns Helmut Dietl und Baby Schimmerlos gelehrt. Schalke ist jetzt endlich wieder drin. Den meisten Fußballfreunden reicht das aber nicht. Fast überall wurde nämlich hinzugefügt: Schalke gehört ja auch in die Erste Liga. Alle freuen sich darüber, sogar die in Lüdenscheid-Nord, also wirklich alle. Doch was meint das eigentlich, „gehört in die Erste Liga“? Der HSV gehörte natürlich jahrelang ebenfalls in die Erste Liga, auch wenn die Angeberuhr im Stadion, auf der die Dauer seiner erstklassigen Zugehörigkeit angezeigt wurde, zwischendurch abstiegshalber abgestellt werden musste. Keine Frage aber, ein Verein mit großer Tradition. Die schießt, wie Marco Bode einmal geschrieben hat, keine Tore. Gedränge der Gefühle Bode schrieb das von Bremen aus, also weiß er, was er sagt, und Werder ist auch so ein Verein, der in die Bundesliga gehört. Wir haben Meister und Nichtabsteiger der Herzen, wir haben tatsächliche Meister, und wir haben schönste Erinnerungen. Nach siebzehn Jahren ohne Unterbrechung gehört selbstverständlich Mainz 05 in die Erste Liga, vermutlich mit dem meisten Drinsein pro Euro Budget. Freiburg, der neue Eurofighter, ist nach 26 Erstliga-Saisons trotz manchen Abstiegs ebenfalls nicht mehr wegzudenken, und wer würde außerhalb Düsseldorfs daran zweifeln, der 1. FC Köln gehöre dazu. Von Mönchengladbach ganz zu schweigen. Das wirft dann aber langsam das Problem auf, wer eigentlich absteigen soll. Heidenheim? Oh, die Tapferen, oh, Frank Schmidt. St. Pauli? Ausgerechnet der Weltpokalbesiegerbesieger? Nein, bitte, wird geseufzt, bloß das nicht. Zuletzt haben wir im „Doppelpass“ sogar gehört, der VfL Wolfsburg gehöre in die Bundesliga. Das war uns neu, wir meinten, uns verhört zu haben, aber wir wollen natürlich nicht stören. Umso dringlicher wird es, zu sagen, wer dorthin eigentlich nicht gehört, wenn auch die unteren Ligen voller Vereine sind, die eigentlich in die Erste Liga gehören. Hertha BSC wird genannt, Hannover 96, der 1. FC Kaiserslautern. Die Älteren erinnern sich noch an Eintracht Braunschweig, den 1. FC Nürnberg oder, ach, 1860 München. In Braunschweig denkt natürlich niemand, dass Hannover und Wolfsburg in die Erste Liga gehören, was bei einem Relegationsspiel zwischen beiden neue Fragen aufwürfe, aber eben nur in Braunschweig. Sonst Aufsteiger der Herzen, wohin das Auge schaut. Es herrscht oben wie weiter unten ein ziemliches Gedränge der Gefühle. Nur das ostgallische Dorf Elversberg, das nur fast einmal drin war, wird noch nicht dazugezählt. Ihm rufen wir darum vor seinem womöglich entscheidenden Spiel zu: Wer drin ist, gehört rein.
