Was Bremern bevorsteht, haben die Paderborner schon erlebt: Der Lufthansa-Inlandsflug, der auch Auftakt für den Weg in die weite Welt ist, kommt nicht mehr. „Ein Hammer“, eine „inakzeptable Entscheidung“ sei es, dass Lufthansa Ende Juni die Verbindung zum Drehkreuz Frankfurt einstelle, wetterte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Mehrere Industrie- und Handelskammern warnten, durch die Streichung eine ganze Wirtschaftsregion „in ihrer Zukunftsfähigkeit zu gefährden“. Solche Klagen liegen in Paderborn einige Zeit zurück. Dort hatte Lufthansa erst die Frankfurt-Anbindung und später auch den Flug zum Drehkreuz München abgeschafft. Begründung: Es lohne nicht mehr. Und nun gibt auch der Nachfolger, der die Lufthansa-Lücke im östlichen Westfalen füllen wollte, auf. Die junge Gesellschaft Skyhub PAD teilte mit, dass am 10. Juni Schluss sei. Es habe sich gezeigt, „dass das Geschäftsmodell von Skyhub PAD für den innerdeutschen Flugverkehr nicht trägt“. Die Buchungszahlen hätten „nicht die gewünschten Größenordnungen erreicht“, zum Auftakt waren selbstbewusst 90.000 Passagiere im Jahr als Ziel gesteckt worden. Durch den gestiegenen Kerosinpreis hatten sich die finanziellen Herausforderungen noch vergrößert. Das Skyhub-Vorhaben war ein besonderes. 36 Unternehmer und Privatpersonen hatten die Initiative ergriffen. Sie wollten sich nicht damit abfinden, dass für die regionale Wirtschaft der Weg zu Luftfahrtdrehkreuzen und weiter zu anderen Ländern und Kontinenten ohne Lufthansa-Flug länger dauert. Als Partner holte man die dänische Airline DAT, die im Skyhub-Auftrag ein ATR-72-Turbo-Prop-Flugzeug mit rund 70 Sitzen nach München einsetzte. Die Zahl der Gesellschafter von Skyhub stieg auf 103, man schloss mit Lufthansa ein Codeshare-Abkommen, um durchgehende Reisen mit Umstieg so zu ermöglichen, als ob sie doch komplett von Lufthansa durchgeführt würden. Und man dehnte das Geschäftsmodell auch auf den Flughafen von Lübeck aus. Dort gab es dadurch erstmals seit Jahrzehnten Starts mit zusätzlicher Lufthansa-Flugnummer – durchgeführt mit einem DAT-Flieger. „Unheimlich viel Herzblut“ investiert Gebracht hat all das nicht genug. Man habe „alles versucht, um die Flugverbindung zwischen Paderborn/Lippstadt und München zu erhalten“, sagte Christoph Plass, der Vorsitzende des Skyhub-Beirats und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Viele Unternehmer hätten neben Kapital auch „unheimlich viel Herzblut“ investiert. Der Flughafen zeigt sich zerknirscht. Man sei „vom Erfolg des Geschäftsmodells überzeugt“ gewesen, heißt es in einer Stellungnahme des Geschäftsführers Roland Hüser und des Aufsichtsratsvorsitzenden Christoph Rüther, der auch Landrat des Kreises Paderborn ist. Als Ursachen für das Scheitern machen sie die Folgen des Irankriegs und die hohe staatliche Abgabenlast aus. „Daher richten wir erneut einen dringlichen Appell an die Bundesregierung, hier zeitnah für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen“, heißt es. Die hohen Abgaben beklagt auch die Flugbranche – trotz der zum 1. Juli sinkenden Luftverkehrsteuer. Für Inlandsflüge wie von Paderborn nach München fällt sie um 2,50 Euro je Passagier auf 13,03 Euro. Den Airlines genügt das nicht, zumal auch im internationalen Vergleich höhere Abgaben für Lotsen und Sicherheitskontrollen anfallen. „Damit der Luftverkehrsstandort Deutschland im europäischen Vergleich wieder wettbewerbsfähig wird, brauchen wir eine Entlastung um 15 Euro je Passagier“, sagte Jens Bischof, der Präsident des Branchenverbands BDL, nach dem Bundestagsbeschluss zur Steuersenkung. Inlandsflugangebot gegenüber 2019 halbiert Das Flugangebot in Deutschland liegt unter dem Vor-Corona-Niveau, im Rest Europas darüber. Der Inlandsverkehr hat sich unter allen Segmenten am schwächsten von den Rückschlägen in der Pandemie erholt. Für den Zeitraum von Mai bis Oktober sind nach BDL-Daten auf innerdeutschen Strecken insgesamt 9,6 Millionen Sitzplätze buchbar, die Hälfte des Vergleichswerts aus dem Jahr 2019. Damit komme der Inlandsverkehr noch auf einen Anteil von sechs Prozent an allen Starts. Airlines machen die hohe Abgabenlast dafür verantwortlich. Ein Rückgang bei Geschäftsreisen sowie Umstiege auf Bahn oder Auto haben sich aber auch ausgewirkt. Mit dem Flugstopp im Paderborn-Projekt ist nun offen, ob sich für Bremen und die dort wegfallenden Frankfurt-Flüge noch eine Alternative findet. In einem Gespräch sollen sich Bremens Bürgermeister Bovenschulte und Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr darauf verständigt haben, gemeinsam nach einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung zu suchen. Spohr hatte zudem zuletzt Sympathien dafür gezeigt, Drehkreuzzubringer, die mit kleineren Flugzeugen durchgeführt werden, nach Paderborner Muster von Partnern erledigen zu lassen. Lufthansa selbst hatte jüngst mit dem Aus der Betriebseinheit Cityline die kleinsten Flugzeuge mit Kranich-Emblem ausrangiert. In Paderborn bleiben nun vor allem Urlauberflüge – das türkische Antalya und die spanische Insel Mallorca sind täglich mehrfach erreichbar. Mit Blick auf die Passagierzahlen habe die wegfallende Inlandsstrecke ohnehin eher eine untergeordnete Rolle gespielt, heißt es vom Flughafen. Auch in Bremen stehen die beiden Ferienziele häufiger auf der Abflugtafel, die Verbindung zum Lufthansa-Drehkreuz München ebenso. Die Lufthansa-Flüge nach Frankfurt fehlen hingegen ab dem 1. Juli.
