FAZ 01.06.2026
13:05 Uhr

Bräunen in Dänemark: UV-Strahlung hoch? Ab in die Sonne!


Bräune ist ihnen wichtiger als Hautschutz: Junge Dänen informieren sich mit Apps über hohe UV-Strahlung – um die „beste“ Zeit zum Bräunen herauszufinden. Experten warnen vor steigenden Hautkrebsraten.

Bräunen in Dänemark: UV-Strahlung hoch? Ab in die Sonne!

Eigentlich dienen Warnungen vor hohen UV-Strahlungen dem Sonnenschutz. Viele junge Däninnen und Dänen nutzen sie aber, um sich gezielt zu bräunen. Das zeigt eine Umfrage, die die Dänische Krebsgesellschaft veröffentlicht hat. Demnach überprüfen rund 84 Prozent der befragten Fünfzehn- bis Zwanzigjährigen regelmäßig den UV-Index, etwa bei Wetter-Apps. Von diesen Befragten wiederum nutzen 54 Prozent den UV-Index, um im Auge zu behalten, wann sie sich am besten sonnen und bräunen – nämlich dann, wenn die Werte am höchsten sind. Bei jungen Frauen betrug der Anteil sogar 62 Prozent. Der Umfrage zufolge halten 47 Prozent der befragten jungen Frauen eine Bräune für wichtiger als den Hautschutz, den Hautschutz präferierten 43 Prozent. Rund neun Prozent antworteten mit: „weiß nicht“. Für die Umfrage wurden mehr als 1000 junge Leute befragt. „Es ist zutiefst besorgniserregend, dass so viele junge Menschen den UV-Index für das Gegenteil dessen nutzen, wofür er gedacht ist“, teilte Mette Lolk Hanak mit, die Präventionsdirektorin der Dänischen Krebsgesellschaft. „Wir stellen fest, dass die Folgen für das Aussehen für viele junge Menschen beängstigender wirken als ein Krebsrisiko in der Zukunft.“ Auf die Charterflüge und Solarien folgen die Hautkrebserkrankungen Hanak verwies darauf, dass UV-Strahlung umso schädlicher ist, je jünger man ist. Das liege zum einen daran, dass Sonnenschäden in jungen Jahren viele Jahre Zeit haben, sich möglicherweise zu Krebs zu entwickeln. Zum anderen reagiere die Haut empfindlicher auf UV-Strahlung, wenn sie noch nicht voll entwickelt sei. In europäischen Ländern war über viele Jahre die Anzahl der Fälle von schwarzem Hautkrebs kontinuierlich gestiegen. Das liegt daran, dass sich die Erkrankung teils erst 20 Jahre später zeigt, nachdem sich die Menschen massiv der Sonne ausgesetzt haben – und dass dies bis in die achtziger Jahre völlig normal war. Zudem dürfte aus Sicht von Ärzten eine Zunahme der Hautkrebsfälle auch mit dem Aufkommen von Charterflügen aus den nordischen Ländern in den Süden zusammenhängen. Zuletzt hatte es aber zumindest in Schweden und Dänemark eine Trendumkehr gegeben. Studien aus den vergangenen beiden Jahren zeigen, dass der Anteil der Erkrankten deutlich zurückgeht, was auf Schutzkampagnen und eine höhere Aufmerksamkeit der Eltern für den Sonnenschutz zurückgeführt wurde. Gleich viele Frauen und Männer erkrankt „Wir glauben, dass dieser Rückgang hauptsächlich mit der abnehmenden Nutzung von Solarien bei jungen Menschen zusammenhängt“, teilte eine Sprecherin der Dänischen Krebsgesellschaft der F.A.Z. mit. Bis sich ein Melanom entwickle, dauere es mindestens fünf Jahre. Die Sprecherin warnte aber: Wenn sich der Trend zum Bräunen bei jungen Menschen fortsetzt, dürfte sich dies später wieder in den Daten zeigen, wenn die junge Generation älter werde. Auch in Deutschland ist seit vielen Jahren ein starker Anstieg der Neuerkrankungen am malignen Melanom zu verzeichnen. Im Jahr 2023 erkrankten laut Zentrum für Krebsregisterdaten in Deutschland rund 27.430 Personen am malignen Melanom der Haut, darunter etwa gleich viele Frauen wie Männer. Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei Frauen liegt bei 64 Jahren, bei Männern bei 69 Jahren. Wichtigster exogener Risikofaktor für ein malignes Melanom ist demnach die ultra­violette Strahlung (UV-Strahlung), vor allem die wieder­kehrende inten­sive Sonnen­belas­tung. Dem Zentrum für Krebsregisterdaten zufolge sind die altersstandardisierten Erkrankungsraten von Frauen und Männern um das Jahr 2008 sprunghaft angestiegen, was wahrscheinlich die Folge des damals eingeführten Hautkrebsscreenings ist. Laut einer Sprecherin der Deutschen Krebsgesellschaft liegen der Organisation bisher keine Hinweise darauf vor, dass auch in Deutschland junge Leute gezielt in die Sonne gehen, wenn der UV-Wert hoch ist.