FAZ 28.07.2026
14:19 Uhr

Brände in Spanien und Frankreich: „Die schwerste Lage seit dem Zweiten Weltkrieg“


Für die Einsatzkräfte sind es entscheidende Stunden: Eine neue Hitzewelle könnte die Waldbrände in Spanien und Frankreich weiter anfachen. Präsident Emmanuel Macron spricht von „harten Wochen“, die noch folgen.

Brände in Spanien und Frankreich: „Die schwerste Lage seit dem Zweiten Weltkrieg“

Vor dem Beginn einer neuen Hitzewelle versuchen die Einsatzkräfte in Frankreich, Spanien und Portugal, die großen Brände in den Griff zu bekommen. Im Südwesten Europas werden Temperaturen von bis zu mehr als 40 Grad erwartet, die die Löscharbeiten erschweren und neue Feuer entfachen könnten. Zuletzt brachen jetzt auch in Portugal mehrere Brände aus. Auf fast dem gesamten portugiesischen Festland besteht ein maximales oder sehr hohes Risiko für Waldbrände. Starke Winde fachten am Dienstag die Flammen an, es gab mehrere Verletzte. Bei Guarda nordöstlich von Lissabon bekämpften am Dienstag mehr als 300 Feuerwehrleute mit elf Flugzeugen drei Feuerfronten, von denen sich eine auf die Stadt Cabreira zubewegte. Andere Brände in Penafiel im Distrikt Porto und Vila Verde (Braga) sind inzwischen unter Kontrolle. Am Wochenende hatte Portugal noch mehr als hundert Feuerwehrleute ins benachbarte Spanien geschickt. „Wir können etwas optimistischer sein“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag, nachdem die Feuerwehr in einer „positiven“ Nacht die weitere Ausbreitung der Brände weitgehend gestoppt hatte. Noch sind aber alle Feuer nicht gelöscht. Bevor die Temperaturen wieder steigen, stünden den Feuerwehrleuten jetzt „entscheidende Stunden“ bevor, hieß es am Dienstag. „Leugnung des Klimawandels ist Brandbeschleuniger“ Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez rief am Dienstag Politiker und Gesellschaft dazu auf, im Kampf gegen die Brände „zusammenzustehen und gemeinsam zu handeln“. Im gegenwärtigen politischen Klima sei „die Leugnung des Klimawandels der schlimmste Brandbeschleuniger“. In Spanien wurden mehr als 180.000 Menschen vor Feuer und Rauch in Sicherheit gebracht oder durften ihre Häuser nicht verlassen. Die Regionalregierung von Valencia hob unterdessen die Abriegelung der Stadt La Vall d’Uixó in der Provinz Castellón auf. Etwa 6000 Bewohner konnten nach Hause zurückkehren, nachdem die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle bekamen. Die drei Großbrände haben in der Provinz Ávila etwa 50.000 Hektar, in Madrid rund 28.000 Hektar, in Castellón 8500 Hektar und in Toledo 2000 Hektar verwüstet. Seit Jahresbeginn verbrannten im ganzen Land bereits mehr als 173.000 Hektar – sechsmal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die EU kündigte an, dass sie bis Mittwoch insgesamt elf Löschflugzeuge aus Mitgliedstaaten nach Spanien geschickt haben werde. „Entsetzt über das Ausmaß der Brandschäden“ Auch in Frankreich dauern die Brände an. Das Land „erlebt die schwerste Lage seit dem Zweiten Weltkrieg“, hat Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch in der Feuerwehr-Einsatzzentrale in Bordeaux bekundet. Der Kampf gegen die Flammen sei noch lange nicht vorbei. Macron sprach von „harten Wochen“, die auf die Menschen in der Region zukämen. Es handele sich um die heftigsten Waldbrände seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Etwa 40 deutsche Helfer haben am Dienstag ihren Einsatz im Brandgebiet begonnen. Der deutsche Botschafter Stephan Steinlein teilte nach einem Ortsbesuch in einem der Bundeswehr-Hubschrauber mit, er sei „entsetzt über das Ausmaß der Brandschäden“. Die Bundeswehr hat zwei Transporthubschrauber und ein Transportflugzeug A400M mit Material entsandt. Der Einsatz sei zunächst auf fünf Tage begrenzt, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Urlauber müssen Campingplätze verlassen Die Waldbrandsituation im Südwesten ist nach Angaben der Behörden nach einer „ruhigen“ Nacht am Dienstagmorgen „stabil“. Mehrere nächtliche Brandentwicklungen nördlich von Le Porge und nördlich von Cap-Ferret seien unter Kontrolle gebracht worden, teilte die Präfektur mit. Die durch das Feuer vernichtete Fläche habe sich nicht vergrößert. Am Dienstag wurden neue Evakuierungen angeordnet. So müssen Urlauber die Campingplätze in Lacanau an der Atlantikküste verlassen. Etwa 4000 zusätzliche Personen sind von den präventiven Evakuierungen betroffen. Innenminister Laurent Nunez teilte mit, dass inzwischen 250.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten. Das entspricht in etwa der Bevölkerung von Aachen oder Kiel. In der Nähe von Biscarosse an der südlichen Atlantikküste ist der Brand hingegen unter Kontrolle. Etwa 15.000 Bewohner konnten in ihre Häuser zurückkehren. Der französische Wetterdienst hat einen Temperaturanstieg auf bis zu 40 Grad Celsius und auffrischende Südostwinde vorhergesagt. Beides könnte die Flammen am Dienstag abermals anfachen. Nach Angaben der Behörden sind 2750 Feuerwehrleute und 18 Flugzeuge im Einsatz. Hinzu kommen 1500 Militärangehörige und 1440 Einsatzkräfte anderer Behörden.