FAZ 06.08.2026
09:37 Uhr

Börse in Korea: Flash-Crash für SK Hynix


In Korea gibt eine Technologieaktie kurzzeitig um gut 30 Prozent nach. Ist das eine Warnung hinsichtlich allgemeinerer Risiken?

Börse in Korea: Flash-Crash für SK Hynix

Die asiatisch-pazifischen Aktienmärkte haben am Donnerstag überwiegend nachgegeben. Dabei standen technologielastigere Börsen stärker unter Druck. Marktteilnehmer sprachen von Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Erholung der Halbleiterwerte. Dabei hätten sich die Vorgaben aus den Vereinigten Staaten negativ ausgewirkt, merkten die Marktstrategen der Deutschen Bank an. So waren Aktien der Halbleiterunternehmen Sandisk und Western Digital nach enttäuschenden Ausblicken nachbörslich unter Druck gekommen. Die Schwergewichte Samsung und SK Hynix zogen in der Folge den südkoreanischen Kospi um 4,6 Prozent nach unten. Dabei fielen Aktien von SK Hynix durch ungewöhnlich große Schwankungen auf.  „Die SK-Hynix-Aktie erlebte zur Handelseröffnung in Seoul einen Flash-Crash um gut 30 Prozent“, schreibt Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank in einem Marktbericht. Der Schweinezyklus bei Speicherchipherstellern habe in der Vergangenheit schon viele Anleger Geld gekostet, und niemand könne mit Sicherheit sagen, ob die derzeitige Situation trotz massiver Nachfrage durch KI-Rechenzentren eine Ausnahme darstellen werde. Handelsvolumen hat stark nachgelassen „Sonnte sich die südkoreanische Börse monatelang in ihrem eigenen Erfolg, geht es mittlerweile nur noch darum, den Schaden zu begrenzen“, meinte Stanzl. In den vergangenen Tagen habe es zahlreiche Maßnahmen gegeben, die dazu dienen sollten, den Markt zu beruhigen. Diese führten aber auch dazu, dass das Handelsvolumen stark nachgelassen hat. Dadurch sinke die Liquidität im Orderbuch. Dann genüge schon eine größere Order, um den Kurs stark nach unten zu bewegen – weil auf der Käuferseite Orders in verhältnismäßig geringerer Stückzahl und Größe zur Verfügung stünden. „Die Volatilität der Speicherchiphersteller ist ein starkes Warnsignal für die Entwicklung der Märkte, die im Falle Südkoreas von zwei Unternehmen dominiert werden“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust. Kurseinbrüche wie der Flash-Crash von SK Hynix zeigten, dass es bei den Anlegern berechtigte Zweifel an der Nachhaltigkeit der enorm hohen Gewinne in diesem Sektor gebe, meinte Heise: „Man sollte sich nicht damit beruhigen, dass die Bewertungen der Speicherchiphersteller gemessen an den aktuellen Gewinnen eher moderat sind.“ Denn es sei fraglich, ob die Gewinne mittelfristig auf diesem Niveau bleiben könnten. Die Preise für Speicherchips hätten sich in dem Boom in kurzer Zeit vervielfacht. Warnungen vor einer „Gewinnblase“ seien nicht unberechtigt. „Fortschreibungen von enormen Gewinnen sind in überhitzten Märkten immer gefährlich“, sagte Heise: „Und die Chipmärkte sind schon immer besonders zyklische Märkte gewesen.“ Zusätzliche Risiken gebe es, wenn Aktien dieser Unternehmen auf Kredit gekauft würden und Kursrückgänge sich dadurch selbst verstärkten. „Bei SK Hynix ist das in besonderem Umfang der Fall, auch durch entsprechende ETFs“, sagte Heise: „Für die Anleger ist auch das ein klares Warnsignal.“ „Die Bewertung von Hyperscalern, Chip-Produzenten und Infrastrukturunternehmen ist angesichts der Formierung eines neuen Wirtschaftssektors extrem unsicher“, meinte Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank: „Zurzeit sehen wir in der stürmischen Entwicklung des KI-Sektors einen Übergang von einer generellen Euphorie in die harte Realität der Zahlen.“ Eine Folge davon seien solche starken Kursausschläge. Nikkei verliert knapp ein Prozent Nicht ganz so ausgeprägt waren die Veränderungen in Japan. Der Nikkei 225 schloss 0,93 Prozent tiefer mit 65.683,26 Zählern. Auch die chinesischen Börsen gaben nach. Der CSI-300-Index mit den wichtigsten Werten der Festlandbörsen verlor 0,3 Prozent, während der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong um 1,8 Prozent nachgab.