Wir wollen einen Spitznamen für Carsten Cramer, den Sprecher der Geschäftsführung bei Borussia Dortmund, vorschlagen: 30-Minuten-Carsten. In dieser Woche ist auf Instagram ein Video verbreitet worden, in dem Cramer im „TOMorrow Business Podcast“ anfangs in der ersten Person Plural sprechend sagt: „Keinem von uns würde es schlechter gehen, wenn wir am Tag eine halbe Stunde mehr arbeiten müssten. […] Das wird doch meiner Gesundheit nicht abträglich sein. Ich mache das doch auch gerne.“ Das sind in drei Sätzen mehr Fehlannahmen, als İlkay Gündoğan gefühlt in fünf Saisons beim BVB passiert sind. Wer glaubt, dass auch 30 Minuten mehr Arbeit nicht schädlich sein könnten, muss das Glück haben, dass seine sogenannte Arbeitsleistung darin besteht, in einem Podcast dumm daherzuschwätzen. Sollte ein Fußballmanager aus Dortmund nicht wissen, dass es genug Menschen gibt, die ihre Arbeit nicht gerne machen, sondern damit sie Miete, Lebensmittel und vielleicht mal eine Karte für ein BVB-Spiel bezahlen können? Mit dem 30-Minuten-Carsten ist es wohl so wie mit allen Leistungsfetischisten: Wenn er nur für eine halbe Stunde die Toiletten der BVB-Geschäftsstelle putzen müsste, würde er sofort bereuen, dass er nicht in der zweiten Person Plural gesprochen hat.
