FAZ 11.05.2026
16:11 Uhr

Autozuliefersparte: Rheinmetall in Gespräch mit Sanierungsspezialisten


Der Rüstungskonzern will seine Autozuliefersparte abstoßen. Gespräche sind weit fortgeschritten. Nach F.A.Z.-Informationen laufen sie exklusiv mit dem Investor Aequita. Der ist bei Gewerkschaftern umstritten.

Autozuliefersparte: Rheinmetall in Gespräch mit Sanierungsspezialisten

Rheinmetall ist in den Gesprächen über den Verkauf seiner Autozuliefersparte weit fortgeschritten. Das Unternehmen verhandelt nach Informationen der F.A.Z. jetzt exklusiv mit einem Finanzinvestor. Das ist nach Auskunft zweier unabhängiger Quellen das auf Sanierungen spezialisierte Private-Equity-Haus Aequita. Aequita lasse sich von der Kanzlei Noerr beraten und namentlich von den Partnern Christoph Thiermann und Jan-Philipp Meier. Beide hatten den Investor schon bei einer Großtransaktion begleitet, die er Anfang des Jahres ankündigte: dem Erwerb des europäischen Petrochemiegeschäfts von der saudischen Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) mit 3,5 Milliarden Dollar Umsatz. Auch für den Erwerb des Olefin- und Polyolefingeschäfts von Lyondell Basell hatte Aequita Noerr mandatiert. Beide Seiten strebten noch für diesen Monat eine Einigung an, ist zu hören. Wie immer in solchen Prozessen kann auf den letzten Metern immer noch etwas dazwischenkommen. Rheinmetall und Noerr lehnten eine Stellungnahme ab. Aequita war telefonisch nicht erreichbar, eine E-Mail blieb zunächst unbeantwortet. Papperger: Transformation „ist in vollem Gange“ Rheinmetall konzentriert sich auf Rüstung und bereitet das Autozuliefergeschäft mit dem Namen Power Systems seit Längerem zum Verkauf vor. Im vergangenen Jahr wurde es schon als aufgegebener Geschäftsbereich ausgewiesen. An diesem Dienstag hält Rheinmetall seine Hauptversammlung ab. Die Rede des Vorstandsvorsitzenden Armin Papperger ist schon auf der Internetseite des Konzerns einzusehen. Zum Thema Power Systems heißt es darin: „Wir verkaufen diesen Bereich, weil wir uns nicht mehr darauf konzentrieren können. Die Transformation der zwei Werke in Neuss und in Berlin ist in vollem Gange.“ IG BCE und IG Metall schimpfen Aequita ist auf den Erwerb von Sparten spezialisiert, die zu sanieren oder anderweitig zu transformieren sind. Das aktuelle Portfolio des Investors erwirtschaftet mehr als zehn Milliarden Euro Jahresumsatz. Unter Gewerkschaften ist er nicht beliebt. Die IG BCE protestierte kürzlich gegen Pläne, wonach Aequita beim Bremsbelaghersteller TMD Friction die Produktion nach China verlagere. 300 Beschäftigte demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben in Coswig für den Erhalt des Standortes. Die IG Metall veröffentlichte vergangene Woche im Internet ein Dossier über den Investor unter der Überschrift: „Achtung Heuschrecke: Wie Aequita Betriebe abwickelt“. Sie führt das Vorgehen des Investors in der Vergangenheit unter anderem in den Unternehmen Opti in Rhauderfehn, Durkopp in Halle (Westfalen) und SMAG an. Aequita beschreibt sich auf seiner Website als „langfristiger Kapitalgeber, Unternehmer und Consultant“.  Restrukturierungsfälle bezeichnet der Investor als „Unternehmen in Spezialsituationen. Wir sehen das Potenzial in der Veränderung und legen gemeinsam ungeahnte Kräfte frei.“