Die Reise begann als exklusive Expedition in die Antarktis. Nun liegt die „MV Hondius“ im Atlantik fest, und die Passagiere sind in ihren Kabinen isoliert. Nach bisherigen Angaben werden sieben Erkrankungen mit dem Hantavirus in Verbindung gebracht. Drei Personen sind gestorben, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie ein deutscher Passagier. Ein weiterer Reisender aus Großbritannien liegt in Südafrika auf der Intensivstation. Besonders heikel ist ein Verdacht der WHO. Normalerweise wird das Hantavirus von Nagetieren auf Menschen übertragen, etwa über Kot, Urin oder Speichel, die als Staub eingeatmet werden. In diesem Fall aber prüfen die Fachleute, ob es auf dem Schiff auch zu einer seltenen Übertragung von Mensch zu Mensch gekommen sein könnte. Laut Epidemiologen der WHO ist eine Übertragung bei sehr engem Kontakt möglich, etwa zwischen Ehepartnern oder Menschen, die sich eine Kabine teilen. Für die breite Bevölkerung stuft die WHO das Risiko dennoch weiterhin als gering ein. Desinfektion auf den Kanaren vorgesehen Die Expedition der „Hondius“ hatte am 1. April im argentinischen Ushuaia begonnen. Die Route führte durch die Antarktis, nach Südgeorgien und weiter zur abgelegenen Insel Tristan da Cunha. Schon wenige Tage nach dem Start traten die ersten Symptome auf. Am 6. April erkrankte ein niederländischer Passagier, der fünf Tage später an Bord starb. Seine Ehefrau wurde ebenfalls krank und verstarb am 26. April, nachdem sie nach Johannesburg geflogen worden war. Am 2. Mai wurde der Tod eines deutschen Passagiers bekannt. Weitere Verdachtsfälle mit Fieber und Magen-Darm-Beschwerden sollen sich noch an Bord befinden. Die übrigen Reisenden sind in ihren Kabinen isoliert. Derzeit befindet sich das Schiff mit 147 Menschen an Bord vor den Kapverden. Die kapverdischen Behörden verweigern jedoch das Anlegen. Nun sollen Erkrankte in die Niederlande ausgeflogen werden. Anschließend soll die „Hondius“ zu den Kanarischen Inseln weiterfahren, wo eine gründliche Desinfektion und eine Risikobewertung geplant sind. Sehr hohe Sterblichkeit Hantaviren sind Erreger, die von Tieren auf Menschen überspringen. Übertragen werden sie meist durch infizierte Nagetiere. Der Mensch steckt sich an, wenn er mit deren Ausscheidungen in Kontakt kommt oder kontaminierten Staub einatmet. Die Krankheit beginnt häufig unspezifisch, mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Beschwerden wie bei einer schweren Grippe. Bei bestimmten Hantavirus-Stämmen aus Amerika, darunter dem bei den Erkrankten identifizierten Andes-Virus, kann sich daraus jedoch rasch ein lebensbedrohliches Lungenversagen entwickeln. Die Sterblichkeit wird bei solchen Varianten teils mit 30 bis 50 Prozent angegeben. Eine gezielte Therapie gibt es nicht. Ärzte können nur Symptome behandeln, den Kreislauf und die Atmung stabilisieren und Komplikationen abfangen. Wie das Virus auf das Schiff gelangte, ist noch ungeklärt. Eine Möglichkeit ist, dass sich die ersten Passagiere bereits vor der Einschiffung in Argentinien infizierten, etwa bei Aufenthalten in der Natur oder bei Kontakt mit Regionen, in denen infizierte Nagetiere vorkommen. Denkbar ist auch, dass es bei späteren Landgängen zu einer Ansteckung kam. Der Betreiber des Schiffs betont, dass es keine Hinweise auf Nagetiere an Bord gebe. Sollte das stimmen, würde dies den Verdacht verstärken, dass sich das Virus über den Kontakt zwischen Menschen weiterverbreitet hat.
