FAZ 09.05.2026
10:16 Uhr

Ausbruch auf Kreuzfahrt: WHO: Sechs Hantavirus-Fälle bestätigt


Bei sechs von acht Verdachtsfällen bestätigt die Weltgesundheitsorganisation eine Infektion mit dem Hantavirus. Das betroffene Schiff soll am Sonntag auf Teneriffa ankommen.

Ausbruch auf Kreuzfahrt: WHO: Sechs Hantavirus-Fälle bestätigt

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im Atlantik mit drei Toten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektionen mit dem Virus bestätigt. „Bis zum 8. Mai wurden insgesamt acht Fälle gemeldet, darunter drei Todesfälle“, erklärte die WHO am Freitag. „Sechs Fälle wurden im Labor als Hantavirus-Infektionen bestätigt“, hieß es weiter. Alle sechs Infektionen seien auf den in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm zurückzuführen, welcher von Mensch zu Mensch übertragbar ist, teilte die WHO mit. In den zwei weiteren Verdachtsfällen sei eine Infektion „wahrscheinlich“, hieß es. Nach Angaben der UN-Gesundheitsorganisation befinden sich derzeit vier Menschen im Krankenhaus, „einer auf der Intensivstation in Johannesburg in Südafrika, zwei in verschiedenen Krankenhäusern in den Niederlanden und ein weiterer in Zürich in der Schweiz“, hieß es. Die im Krankenhaus in Düsseldorf behandelte Frau sei negativ auf das Virus getestet worden und zähle „daher nicht mehr als Fall“. Spanien meldet zwei weitere Verdachtsfälle Noch nicht in den Zahlen der WHO enthalten sind zwei Verdachtsfälle aus Spanien. Eine Frau aus Katalonien sei vorsorglich zur Quarantäne in ein Krankenhaus eingewiesen worden, teilte das spanische Gesundheitsministerium am späten Freitagabend auf der Plattform X mit. Sie weise jedoch keine Krankheitssymptome auf. Die Frau habe in der KLM-Maschine gesessen, mit der eine später gestorbene Niederländerin nach dem Verlassen des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ Ende April von Johannesburg nach Amsterdam fliegen wollte. Zuvor war am Freitag bereits eine Frau in Alicante mit leichten Krankheitssymptomen zur Isolation in ein Krankenhaus gebracht worden, die in demselben KLM-Flugzeug gewesen sei. Sie habe zwei Reihen hinter der am Hantavirus erkrankten Niederländerin gesessen, teilte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Javier Padilla, mit. Sie habe leichten Husten und weise damit mögliche Krankheitssymptome auf. Das Ergebnis möglicher PCR-Tests bei beiden Frauen wurde zunächst nicht bekannt. Die erkrankte Niederländerin hatte eine Kreuzfahrt mit der „Hondius“ auf St. Helena abgebrochen, nachdem ihr Mann an Bord gestorben war. Am 24. April flog sie mit dem Leichnam nach Südafrika und versuchte am folgenden Tag vergeblich, in die Heimat zurückzukehren. Sie saß bereits mit anderen Passagieren im Flugzeug, wurde aber kurz vor dem Start wegen ihres schlechten Gesundheitszustands aus dem Flugzeug geholt und starb kurz darauf in einem Krankenhaus. Die spanischen Behörden berichteten noch von einer weiteren Person, die mit demselben Flug gereist sei. Die Südafrikanerin habe eine Woche in Barcelona verbracht und sei anschließend in ihr Heimatland zurückgekehrt, sagte Padilla. Gesundheitsministerin Mónica García schrieb auf X, die Frau sei symptomfrei und habe in Barcelona keinen engen Kontakt zu anderen Menschen gehabt. Eine Stewardess des KLM-Fluges von Johannesburg nach Amsterdam, die ebenfalls Kontakt zu der gestorbenen Niederländerin hatte, wurde inzwischen wieder aus einem Krankenhaus entlassen. Sie sei nicht infiziert, teilte das niederländische Gesundheitsministerium mit. Risiko für die Allgemeinbevölkerung gering Die WHO stufe das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als gering ein „und wird die epidemiologische Lage weiterhin beobachten und die Risikoeinschätzung laufend aktualisieren“, hieß es in der Erklärung. „Das Risiko für die Passagiere und Besatzung auf dem Schiff wird als mäßig eingestuft“, fügte die UN-Gesundheitsorganisation hinzu. Der Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions teilte indes mit, dass keiner der rund 150 Menschen an Bord Symptome habe. Infolge des Hantavirus-Ausbruchs auf der „Hondius“ waren drei Menschen gestorben, darunter auch eine Deutsche. Am Donnerstag hatte die WHO von fünf bestätigten Infektions- und drei Verdachtsfällen gesprochen. Das Schiff wird voraussichtlich am Sonntag Teneriffa erreichen. Virologe Streeck: „Da wird keine zweite Pandemie ausbrechen“ Der deutsche Virologe Hendrik Streeck sieht derweil keinen Anlass zur Sorge. „Da wird keine zweite Pandemie ausbrechen“, sagte Streeck der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. „Der Ausbruch wurde auf einem Kreuzfahrtschiff erkannt. Das ist ein begrenztes Umfeld, in dem Kontakte besser nachvollzogen werden können als in einer offenen Bevölkerung“, so Streeck weiter. Entscheidend sei nun, Betroffene schnell zu identifizieren, Symptome zu überwachen, Kontaktpersonen nachzuverfolgen und mögliche Übertragungswege sauber aufzuklären. Es sei aber auch richtig, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ebenfalls bereits Entwarnung für die allgemeine Bevölkerung gegeben hat, den Ausbruch genau untersuche, um den Ursprung eindeutig zu klären.“ „Positiv ist doch, dass wir jetzt über dieses Virus mal sprechen! Hantaviren sind auch in Deutschland heimisch. Wer etwa seine Garage aufräumt und Staub aufwirbelt, sollte vorsichtig sein und vielleicht einen Mundschutz tragen, um ein Einatmen der Erreger zu vermeiden“, sagte Streeck. Klassischerweise erfolge die Ansteckung über Staub oder Partikel aus Kot, Urin oder Speichel infizierter Nagetiere.