FAZ 08.05.2026
12:27 Uhr

Auktion in München: Auch Adelsfamilien müssen aufräumen


Gemälde aus herzöglichem Besitz, ein restituiertes Marienrelief  und Radierungen  von Rembrandt: Vorschau auf die Auktionen mit Alten Meistern, Kunst des 19. Jahrhunderts und Druckgrafik bei Karl & Faber in München.

Auktion in München: Auch Adelsfamilien müssen aufräumen

Das Meer spielt im thematisch breiten Œuvre von Hans Thoma eine untergeordnete Rolle; wie gut er aber auch dieses Sujet im Griff hatte, zeigt der Künstler aus dem Schwarzwald mit dem Gemälde „Strand bei New Brighton“. Da rollen unter weitem Wolkenhimmel kleine Wellen schäumend auf den Sand, und in der Ferne ziehen zwei Segler vorbei. 1881 malte Thoma diese Marine, vermutlich für seine erste Ausstellung in England im Liverpooler Art Club. Mit einer Taxe von 20.000 bis 30.000 Euro reiht sich das Bild in Karl & Fabers Auktion von Kunst älterer Epochen am 21. Mai in eine starke Abteilung zum 19. Jahrhundert. Ebenfalls vom Meer handelt Franz Ludwig Catels um 1825 im Golf von Neapel angesiedelte „Glückliche Heimkehr des Fischers“, den Frauen und Kinder am Strand stürmisch begrüßen (Taxe 80.000 bis 100.000 Euro). Neben vielen Landschaften Italiens, des Sehnsuchtsziels deutscher Künstler, fährt die Abteilung mit fünf kapitalen Bildern des Urmünchners Carl Spitzweg auf, darunter ein Musikerquartett in nächtlichem Städtchen (80.000/100.000) oder die ironische Szene eines ältlichen Jägers, der einem jungen Mädchen nachblickt (100.000/ 150.000). Das 19. Jahrhundert dominiert auch bei den Zeichnungen, es brilliert dort Hans von Marées’ Rötelstudie einer Bacchusfigur, die eine Marmorstatue des Bildhauers Artur Volkmann vorbereiten half (25.000/30.000). Etwas irritierend ist eine größere Gruppe von Losen, die mit der Information „aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern“ angekündigt werden. Das klingt fast so, als wäre diese Nebenlinie zu jener der Prinzen und Prinzessinnen von Bayern, die den derzeitigen Chef des Hauses Wittelsbach stellt, komplett erloschen. Dem ist nicht so; man scheint sich vielmehr quicklebendig von diesem und jenem zu trennen, wobei die Philipp Württemberg Art Advisory assistierte. Eine Infantin in der Augenklinik Ebenfalls von der Adelsfamilie aussortiertes Kunsthandwerk, Möbel und Memorabilia auktioniert am 25. und 26. Juni das Münchner Auktionshaus Scheublein. Bei Karl & Faber stehen Porträts des 18. bis 20. Jahrhunderts im Vordergrund. Deutlich ragt auch preislich Franz von Lenbachs 1897 gemaltes Konterfei der Prinzessin Maria von Bayern heraus (5000/7000). Bemerkenswert ist das Bildnis der Herzogin Marie José von Christian Schad von 1922. Die als Infantin von Portugal Geborene unterstützte ihren Mann, den Ophthalmologen Herzog Carl Theodor, in der von ihm gegründeten, noch heute aktiven Augenklinik. Den Auftrag zum Porträt dieser resoluten und eleganten Erscheinung hatte Schads Vater vermittelt. Er war Carl Theodors Vermögensverwalter (12.000/18.000). In der Altmeisterpartie verdient ein als vielfiguriges Hochrelief geschnitzter „Tod Mariens“ aus dem Umkreis des Veit Stoß großes Interesse. Sowohl wegen der Qualität dieser farbig gefassten gotischen Arbeit als auch wegen ihrer Provenienz: Jakob Goldschmidt, ein erfolgreicher Berliner Bankier, Mäzen und Kunstsammler, dem die Berliner Nationalgalerie den Erwerb von van Goghs „Garten von Daubigny“ verdankte, erwarb die Skulptur von dem Berliner Sammler Benoit Oppenheim. Durch die Weltwirtschaftskrise und den Zusammenbruch seiner Bank wirtschaftlich geschwächt und als Jude verfolgt, floh Goldschmidt 1934 aus NS-Deutschland nach New York. Schrittweise wurden die vom Staat beschlagnahmten Kunstschätze versteigert. Der „Marientod“ fand 1938 bei Lempertz in Köln einen neuen Besitzer. Dessen Nachkommen und die Erben Jakob Goldschmidts verständigten sich nun auf eine einvernehmliche und faire Lösung (12.000/18.000). Internationales Interesse weckt regelmäßig Karl & Fabers Angebot an Druckgrafiken. Teil zwei einer bedeutenden Sammlung mit Blättern Rembrandts bringt als Toplos unter 55 Blättern das radierte Bildnis des Amsterdamer Kunsthändlers Clement de Jonghe zum Aufruf (60.000/80.000).