Die Ukraine hat in der Nacht auf Donnerstag ihre Drohnenangriffe auf Ziele in Russland offenbar wieder verstärkt. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen habe man über verschiedenen Regionen insgesamt 347 Drohnen abgefangen, nach 53 am Vortag. Mehr hatte es zuletzt am 25. März gemeldet, als von 389 Drohnen die Rede war. Auch am Donnerstag gingen die Angriffe weiter. Nach offiziellen russischen Angaben wurden mehrere Drohnen im Anflug auf die russische Hauptstadt abgeschossen. Auch die Stadt Perm im Ural wurde abermals zum Ziel; dort waren Ende April nach Drohnenangriffen in einer Raffinerie und in einer Ölpumpstation Großbrände ausgebrochen. Laut Berichten in Telegram-Kanälen fingen beide Anlagen nun neuerlich Feuer. Offiziell hieß es von russischer Seite lediglich, ein Industriebetrieb der Region sei von einer feindlichen Drohne angegriffen, aber niemand verletzt worden. Bilder aus Perm zeigten zudem, wie eine Drohne in einen Wohnturm einschlug. In dessen Nähe werden Triebwerke für Militärmaschinen hergestellt. Sirenen ertönten, Schüler und Studenten wurden in Keller geschickt. Moskau will Selenskyjs Feuerpause nicht Die ukrainische Angriffswelle folgte auf den Vorwurf von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland halte sich nicht an die von ihm am Montag einseitig angekündigte Feuerpause, die von Dienstag an gelten sollte. Russland habe sie „1820 Mal“ gebrochen, hatte Selenskyj am Mittwochmittag auf Telegram geschrieben. Moskau hatte seinerseits eine einseitige Feuerpause angekündigt, indes nur für Freitag und Samstag, wenn Russland den „Tag des Sieges“ von 1945 feiert. In diesem Jahr allerdings soll die Militärparade wegen ukrainischer Bedrohungen in kleinerem Umfang auf dem Roten Platz stattfinden. Sollte Kiew versuchen, „die Feier des 81. Jahrestags des Sieges zu vereiteln“, werde man einen „massiven Raketenschlag“ gegen das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt führen, hat das russische Militär angedroht. Der Westen soll Kiew unter Druck setzen Doch wirkt Russland weiter nicht bereit, der ukrainischen Initiative zu folgen. Am Donnerstagmittag schrieb Selenskyj, bis zum Morgen habe es schon fast 100 russische Drohnen- sowie jeweils Dutzende Sturm- und Luftangriffe gegeben. Moskau erwäge eine Waffenruhe nicht ernsthaft, die russische Führung sei einzig besorgt um eine „kurzzeitige Ruhe auf dem Roten Platz“. Wie schon am Mittwoch kündigte Selenskyj eine „spiegelbildliche“ Reaktion auf russische Angriffe an: Solche werde man mit „unseren weitreichenden Sanktionen“ vergelten. In Moskau soll das mobile Internet am Samstag ganz abgeschaltet werden, nicht einmal die „Weißliste“ mit wichtigen Websites sowie SMS sollen funktionieren. Doch wirkt es so, als traue der Kreml den eigenen Sicherheitsvorkehrungen nicht. Moskau will offenkundig den Westen dazu bringen, Druck auf Kiew auszuüben, die Parade zu verschonen. Putins Außenministerium rief am Mittwochabend dazu auf, die Aufforderung des Militärs an ausländische Diplomaten, Kiew „rechtzeitig“ zu verlassen, „sehr, sehr ernst zu nehmen“. Eine entsprechende Note habe man den in Moskau akkreditierten diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen zukommen lassen. Eine „kollektive westliche Minderheit“ werde, „indem sie die Ukraine bewaffnet, zu Komplizen der verbrecherischen Pläne des Kiewer Regimes“, sagte die Sprecherin des Ministeriums. „Aber in diesem Fall darf sie ihr Selbstbewahrungsinstinkt nicht verlassen.“
